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Autobauer Fiat macht Kunden zu Erfindern

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Die größte Überraschung für Fassbender ist bis heute, wie begeistert und kompetent die Kunden auf seine Fragen reagieren: Wie viele Sitze soll das Auto der Zukunft haben? Muss es aus Metall sein? Braucht es ein Lenkrad? Soll der Fahrer per Biometrie automatisch erkannt werden?

Sicher, Spaßvögel schlagen auch mal eine Dusche oder einen Deckenventilator fürs Auto vor. Doch viel öfter gewinnt Fassbender aus den Antworten wichtige Erkenntnisse, zum Beispiel über die künftigen Käuferprioritäten: So wurde klar, dass die Brasilianer in den Städten lieber Zweisitzer als große Autos wollen, eine Folge der immer kleineren Familien.

Doch es geht bei diesen offenen Innovationen nicht nur darum, an die Ideen der Kunden zu kommen. „Der Designprozess ist ein Mittel geworden, um die Kunden an die Marke zu binden“, sagt Fassbender. „Wir erhöhen unsere Sichtbarkeit beim Publikum.“

„Hört auf die Spinner“

Als Fassbender in den Achtzigerjahren an der Uni Pforzheim Industrie- und Autodesign studierte, war all das noch kein Thema. Nach zwölf Jahren am Firmensitz in Turin traute der Fiat-Vorstand dem Deutschen zu, in Brasilien eine Designabteilung aufzubauen Fassbender trägt damit eine große Verantwortung: Brasilien ist für Fiat nach Umsatz und Gewinn der größte Markt. Erst vergangenes Jahr hat das südamerikanische Land Deutschland als den viertgrößten Automarkt der Welt abgelöst. Fassbenders Job ist es nun, die aus Italien übernommenen Modelle den Wünschen der brasilianischen Käufer immer besser anzupassen.

„So vorbildlich das Mio-Projekt auch war“, sagt Innovationsexperte Piller, „das Unternehmen muss jetzt zeigen, dass es mehr war, als ein einmaliger Marketing-Gag – ein Geschäftsmodell.“

Geht es nach Fassbender, steht das außer Frage. Die Internet-Plattform mit den Abertausenden Autoentwicklern will er auch weiterhin pflegen. Bislang hat er nicht entschieden, ob er mehrere kleine oder ein großes Projekt in Mio-Dimension startet. Eine Überlegung ist aber, besonders einfallsreiche und kompetente Ideengeber in Kleingruppen zusammenzufassen und sie mit den professionellen Designern Modelle entwickeln zu lassen.

Noch hat aber selbst der Pionier Bedenken, die offene Entwicklung auf alle Modelle zu übertragen. „Wir können die Konkurrenz nicht überall so früh in unsere Karten blicken lassen.“

Eine wichtige Erkenntnis bleibt aber dennoch: „Hört mehr auf die Spinner“, sagt Fassbender. In Unternehmen wie im Internet.

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