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Bioenergie Alles Öko oder was?

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Teure Energie

Außerdem warnen Umweltexperten zunehmend vor den negativen Effekten des Booms bei Biosprit der ersten (reines Rapsöl) und zweiten (Biodiesel) Generation. Ungeachtet dessen will die Bundesregierung den Anteil von Biokraftstoffen in deutschen Autotanks bis 2020 auf 17 Prozent steigern, um so die CO2-Emissionen im Verkehr zu senken. Was umweltverträglich nur mit Sprit der dritten Generation ginge, bei dem als Rohstoff Biomasse aller Art dient, Abfallholz etwa, Grünschnitt oder Stroh.

Um das ehrgeizige Ziel zu erreichen, müsste massiv Biomasse importiert werden, vor allem aus Staaten der Dritten Welt. Das würde nicht nur die Artenvielfalt, sondern auch die Ernährung der Bevölkerung dort gefährden. Werden für den Anbau von Energiepflanzen zum Beispiel Moorböden entwässert oder Grünland umgebrochen, so ergeben sich zudem erhebliche negative Folgen für die CO2-Bilanz – schreibt der Sachverständigenrat für Umweltfragen im Sondergutachten Biomasse.

Sollten gemäß dem Ausstiegsbeschluss aus dem Jahr 1999 die verbliebenen 17 deutschen Atomkraftwerke bis 2021 tatsächlich vom Netz gehen, entfällt zudem eine Energiequelle, die bislang beruhigend auf die Preise wirkte. Die geringen Strom-Erzeugungskosten in Kernkraftwerken und die Tatsache, dass sie das Klima nicht belasten, führt weltweit zu einer Renaissance dieser Technologie. Deutschland steht dagegen vor einer Kapazitätslücke von 24.500 Megawatt. Theoretisch reichen die hierzulande installierten Windmühlen beinahe aus, die Lücke zu füllen. Sie kommen auf eine Gesamtleistung von 21.500 Megawatt. Doch wegen des wechselnden Windangebots speisen sie tatsächlich weniger als ein Drittel der theoretisch möglichen Strommenge ins Netz.

Offshore-Mühlen bringen mehr. Allein in der Nordsee sollen bis 2012 zehn Windparks mit 660 Windmühlen und einer Gesamtleistung von 2000 bis 3000 Megawatt errichtet werden. Doch der Ausbau der Infrastruktur verzögert sich, Milliardeninvestitionen stehen auf der Kippe. Denn die Finanzierung ist angesichts technischer Probleme bei der Einspeisung des Stroms ins Netz bislang mit hohen Risiken verbunden. Allein die Anbindung von vier geplanten Offshore-Windparks in der Nordsee – die ersten Fünf-Megawatt-Mühlen werden in diesem Sommer westlich der ostfriesischen Insel Borkum aufgestellt – kostet den Düsseldorfer Versorger E.On rund 400 Millionen Euro.

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    Die insgesamt 70 Kilometer lange Verbindung, die aus neun Drehstrom- und vier Gleichstromhochspannungsleitungen besteht, wird auf dem Grund der Nordsee vergraben. Auf der Insel Norderney erreicht sie erstmals Land, um gleich wieder unter der Erde zu verschwinden. Nach rund zwei Kilometern erreichen die Kabel unweit des berühmten Leuchtturms das geschützte Wattenmeer. Mit Horizontalbohrungen unterqueren die Kabelleger die empfindlichsten Bereiche des Nationalparks nördlich und südlich von Norderney.

    Um den Windstrom zum Verbraucher zu transportieren, investiert auch RWE kräftig in neue Hochspannungsleitungen. Bis 2017 sollen 800 Kilometer dazukommen. 25 neue Umspann-Anlagen verstärken zusätzlich das Netz. Das kostet den Energieversorger insgesamt rund drei Milliarden Euro. „Wir stellen uns den Herausforderungen, die der Ausbau der Windenergieerzeugung, der Zubau von Kraftwerken und der intensive europaweite Stromhandel an unser Netz stellen“, verspricht Klaus Kleinekorte, Geschäftsführer der RWE-Sparte Transportnetz Strom. Insgesamt rechnet die Stromwirtschaft mit einem Investitionsbedarf in die Hochspannungsnetze von 16 Milliarden Euro.

    Am Ende zahlt der Stromkunde die Zeche, wie die Deutsche Energie-Agentur (dena) zeigt: Für die privaten Haushalte betragen die Kosten für den weiteren Ausbau der Windenergie im Jahr 2015 bis zu 0,49 Cent pro Kilowattstunde. Das belastet einen durchschnittlichen Haushalt jährlich immerhin mit 20 Euro.

    Wohl dem, der ein paar Solarzellen auf dem Dach hat. Die hohen Subventionen für Solarenergie, die die Stromkosten immer schneller in die Höhe treiben, helfen dann beim Kostensparen. Durch Kredite der KfW-Bankengruppe mit einer Laufzeit von bis zu 20 Jahren, einem Zinssatz von weniger als fünf Prozent und einer 20 Jahre gültigen Abnahmeverpflichtung des erzeugten Stroms zu einem Kilowattstundenpreis von fast 47 Cent lässt sich beispielsweise ein Zwei-Kilowatt-Kleinkraftwerk mit Investitionskosten von deutlich weniger als 10.000 Euro locker finanzieren. Es springt für den Hausbesitzer sogar noch ein Gewinn heraus.

    Noch größere Einsparungen lassen sich bei Heizwärme und der Warmwasserbereitung erzielen. Moderne Brennwertanlagen, in denen die erzeugte Wärme so gut genutzt wird, dass im Schornstein nur noch ein laues Lüftchen ankommt, verbrauchen bis zu 40 Prozent weniger Brennstoff. Zusätzliche Solarkollektoren, die den Heizungskessel entlasten und einen großen Teil der Erwärmung von Brauchwasser übernehmen, reduzieren den Verbrauch zusätzlich. Die Investition ist allerdings so hoch, dass sie sich nur lohnt, wenn die Energiekosten noch deutlicher steigen.

    Milliarden für Ökostrom

    Wer es bequem und die jeweils beste Lösung haben will, setzt auf Contracting-Unternehmen wie Hochtief Energy Management in Essen oder Infra Fürth. Sie optimieren die Versorgung in großindustriellen Anlagen (Hochtief) oder bei Hausbesitzern (Infra, allerdings nur im eigenen Gebiet) und tauschen beispielsweise eine wenig effiziente Heizung gegen moderne Systeme aus. Die Investitionskosten werden ganz oder großenteils durch die erzielten Einsparungen finanziert. Von nachträglicher Wärmedämmung halten die Unternehmen wenig. „Die Amortisationszeiten sind zu hoch“, sagt Jobst Klien, Geschäftsführer von Hochtief Energy Management.

    Viel lieber setzen sie klassische Energien wie Erdgas und Öl ein, weil sich so günstigere Amortisationszeiten ergeben als bei erneuerbaren Energien – zumindest bei den aktuellen Preisen. Wobei es durchaus Ausnahmen gibt. Die Betreiber des Klinikums Augsburg, das Hochtief mit einer neuen Energieanlage ausgestattet hat, bestand darauf, statt Gas oder Öl Holzpellets zu verfeuern. Trotz der höheren Investitionskosten und der deutlichen Preissteigerungen bei Pellets reduzieren sich die Kosten so bis 2017 um insgesamt 2,6 Millionen Euro.

    Kostensenkungen im Bereich von 20 Prozent erzielt der größte deutsche Reifenhersteller Continental. Er ließ eine neue Anlage zur Versorgung seines Werks in Hannover-Stöcken mit Dampf, Wärme, Kälte und Wasser von Hochtief konzipieren und realisieren. Allein der Wasserverbrauch sank durch Mehrfachnutzung von mehr als zwei auf eine halbe Million Kubikmeter.

    Dem Troparium in Hagenbecks Tierpark in Hamburg, das im vergangenen Jahr nach umfangreicher Sanierung wiedereröffnet wurde, verhalf Hochtief sogar zu einer besonders raffinierten Energieversorgung. Es galt, die Bedürfnisse der Wasserlebewesen nach Wärme mit denen der Besucher nach Klimakälte zu vereinen. Die Wärme, die die Besucher schwitzen ließ, musste also nur abgesaugt und in die großzügig dimensionierten Aquarien umgeleitet werden. Das gelang mit einem einzigen Gerät, einer Wärmepumpe, die wie ein Kühlschrank auf der einen Seite Wärme und auf der anderen Seite Kälte erzeugt.

    Auf die Idee muss man erst einmal kommen.

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