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Biotech Bioingenieur setzt auf Mikroben

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Zudem war gerade das Zeitalter der Molekulargenetik angebrochen: Die Erbanlagen – die Gene – der Organismen wurden entschlüsselt und Bakterien, Hefen und Pflanzen gentechnisch verändert. Die Forscher glaubten damals, sie könnten die Natur neu erfinden.

Ganz so trivial war die Sache dann doch nicht. Es stellte sich heraus, dass es viel einfacher ist, die Konzepte der Natur zu nutzen und sie in einer Art Baukastensystem neu zu kombinieren und in Designerorganismen einzubauen. Zinke räumt ein: "Das hat viel mit Ingenieurkunst und nur noch wenig mit Biologie zu tun." Dennoch erlebten die Mikrobiologie und Zinkes Mikroben eine Renaissance.

Dass er auf Mikroben setzt, daran ist im Grunde die Bundeswehr schuld. Dort musste Zinke als Vermesser bei der Raketen-Artillerie gegen endlose Langeweile ankämpfen. Um im Kübelwagen das stundenlange Warten auf den nächsten Funkbefehl zu überbrücken, las er. Das Format des Lesestoffs war laut Zinke das wichtigste Kriterium: „Er musste in die Aufsatztasche der Bundeswehrhose passen.“

Vorreiter Pharmaindustrie

Und so gerieten ihm zwischen die Reklam-Hefte von Schiller und Storm auch Taschenbücher von Hoimar von Ditfurth und Carl Sagan über die Entstehung des Lebens und des Kosmos sowie eine Arbeit über urzeitliche Mikroben, die aus Sonnenlicht und Kohlendioxid Biomasse herstellen konnten. Zinke war fasziniert.

Er verwarf seinen ursprünglichen Plan, Bauingenieur zu werden, und studierte in Darmstadt Biologie mit den Schwerpunkten Molekularbiologie und Mikrobiologie. Nach Studium und Doktorarbeit gründete Zinke 1993 das Biotechnology Research and Information Network, kurz Brain. Anfangs beriet er nur, dann kamen erste Forschungsaufträge, zunächst ausschließlich von der Pharmaindustrie.

Der Grund ist offensichtlich: Den meisten Chemikern waren Zinkes Ideen zutiefst suspekt. Und die Chemieindustrie saß auf dem hohen Ross. So feierten sich die deutschen Chemiekonzerne BASF, Hoechst und Bayer aus Anlass ihrer 100-jährigen Geburtstage noch in den Sechzigerjahren in Festschriften und Büchern als Retter der Welt, die Kunstdünger und Farbstoffe, Vitamine und Medikamente herstellen konnten.

In Zukunft wollten die Chemiker sogar die Welternährung durch synthetische Proteine sichern, die aus Erdöl gewonnen wurden, amüsiert sich Zinke: "Das muss man sich mal vorstellen!" Auch damals sei schließlich schon bekannt gewesen, dass die Erdölvorkommen begrenzt sind.

Oft war es ein mühsamer und frustrierender Job, die Industrie davon zu überzeugen, dass Biotechnik der bessere und zukunftsträchtigere Weg ist. "Es hat Jahre gedauert, bis ich überhaupt einmal zu den Forschern oder gar in die Vorstandsetagen vorgedrungen bin", so Zinke.

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