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Biotech Bioingenieur setzt auf Mikroben

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Eine Schale mit Algen, die aus Quelle: dpa

Doch stur zu bleiben hat sich gelohnt. So attestierte ihm der damalige Bundespräsident Horst Köhler einen "eigensinnigen Kopf", als er Zinke 2008 den Preis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt überreichte. Sie zeichnete Zinke zusammen mit dem Klimaforscher Ernst-Ulrich von Weizsäcker als "Pionier nachhaltigen Wirtschaftens" mit dem höchstdotierten Umweltpreis Europas aus.

Nun ist die Zeit reif für eine "Biologisierung der Wirtschaft", glaubt Zinke. Denn die Preise vieler Rohstoffe, die in der chemischen Industrie eingesetzt werden, haben sich innerhalb weniger Jahre verdoppelt. "Nun setzt sich die Erkenntnis sehr viel schneller durch, dass alternative, nachwachsende Rohstoffe genutzt werden müssen." Dabei helfen genau jene Methoden und Enzyme, die sein Unternehmen anzubieten hat.

Ein Blick in Zinkes Büro macht klar, welch aufwendige Recherche mit der Suche nach dem richtigen Organismus verbunden ist. Der Besprechungstisch ist eine Art vertikale Minibibliothek, die Zinkes eisgrauer Kurzhaarschopf im Stehen gerade noch so überragt. Doch Zinke weiß genau, wo er hingreifen muss, wenn er etwas sucht und eine Fragestellung lösen will. Berge von Zeitschriften und Ausdrucken von Fachartikeln türmen sich auch auf seinem neun Meter langen Schreibtisch vor der Glasfensterfront der im Bauhausstil errichteten historischen Kosmetikfabrik, den einstigen Fissan-Werken. Bevor sein Unternehmen 1996 dort einzog, ließ der Architekturliebhaber das Gebäude aufwendig renovieren.

Ertragreiche Mikroben

In dessen Keller geht Zinke erst, wenn eine konkrete Idee, eine Art Suchmotiv für ein Enzym, geboren ist. Dann suchen Brain-Forscher nach dem passenden Organismus, tauen einzelne Tiefkühlproben auf und erwecken die Winzlinge in Brutschränken wieder zum Leben. Sind die richtigen Enzyme gefunden, werden die entsprechenden Gene aus den Organismen herausgelöst und ihre Eigenschaften im Labor weiter verbessert.

Evolution im Zeitraffer nennt Bioingenieur Zinke das.

Gerade in der Energiedebatte könnte dieser Ansatz nützlich sein. Um von endlichen Ressourcen wie Öl, Gas und Kohle wegzukommen, werden vermehrt regenerative, sich wieder erneuernde Energiequellen genutzt. Wie wäre es, die geniale Lichtfalle, die die Natur in Form der Fotosynthese erfand, in gentechnisch optimierte Organismen einzubauen?

Zum Beispiel so, dass diese Designermikroben gezielt Energie aus dem Tageslicht fangen und sie in Form elektrischen Stroms oder einer Art Algen-Rohöl abgeben. Schließlich hätten Kleinstlebewesen schon vor Jahrmillionen genau dasselbe getan und seien damit für einen großen Teil unserer heute vorhandenen fossilen Öl- und Kohlevorräte – und damit unseren Wohlstand – verantwortlich, sagt Zinke: "Nicht nur Farne und Bäume haben damals Biomasse produziert, den Großteil lieferten die Mikroorganismen."

Erste Ansätze dazu, diese Prozesse stark beschleunigt mit gentechnisch designten Kunstorganismen zu wiederholen, gibt es bereits. Auch in Form von Studien wie der Algen-Lampe Latro des Designers Mike Thompson aus Eindhoven: Sie fängt sich ihre Energie tagsüber selbst ein. Zinke, der auch versiert über das Design von Bauhaus-Mobiliar und Geschirr diskutieren kann, liebt solche Spielereien: "Das ist nicht nur ein Produkt, es ist ein Statement."

Und er rät: "Kaufen Sie so eine Lampe, sie wird Kult werden und irgendwann im weltberühmten New Yorker Museum of Modern Art stehen."

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