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Biotechnik "Ich würde Klon-Fleisch nur im Notfall essen"

Der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese, Leiter der Arbeitsgruppe Bioethik der europäischen Christdemokraten, zum Thema Klon-Fleisch in der Kühltheke.

Hans-Peter Liese Quelle: Europäisches Parlament

WirtschaftsWoche: Herr Dr. Liese, wenn man Ihnen ein Klon-Steak servieren würde, würden Sie das essen?

Liese: Nur im äußersten Notfall, wenn ich sonst nichts zu essen bekomme. Normalerweise nicht.

Warum nicht?

Vor allen Dingen weil ich Klonen von Tieren für Tierquälerei halte. Die Tiere sind aufgrund des Verfahrens anfällig für Krankheiten und müssen häufiger medikamentös behandelt werden. Keines der Klon-Schafe – Dolly und seine Geschwister – waren gesund. Und Fleisch von kranken Tieren ist generell weniger gesund als Fleisch von gesunden Tieren.

Die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat Klon-Fleisch als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Haben Sie Zweifel am Urteil der EFSA?

Die EFSA hat sich nicht eindeutig geäußert. In jedem Fall gibt es ein Rest-Risiko. Deswegen sage ich, dass ich das Fleisch nur im äußersten Notfall essen würde.

Könnten die Klonverfahren nicht im Laufe der Zeit verbessert werden, sodass es zu weniger Krankheiten bei den Klontieren kommt?

Eine Verbesserung der Technik ist grundsätzlich möglich. Einige Probleme sind aber systemimmanent. Die Technik führt dazu, dass die Erbinformation von einem erwachsenen Tier in den embryonalen Zustand zurückgeführt wird. Daher altern die geklonten Tiere frühzeitig und werden krank. Dieses Problem wird man nach meiner Einschätzung in den nächsten Jahren nicht vollständig lösen können.

Das EU-Parlament hat die EU-Kommission dazu aufgefordert, Klonfleisch zu verbieten. Von der Kommission gab es noch keine Reaktion. Schiebt die Kommission das Thema auf die lange Bank?

Die Europäische Kommission prüft zurzeit, was genau zu tun ist. Der Vorschlag muss rechtlich wasserdicht sein. Wir als Parlament werden jedenfalls nicht akzeptieren, dass die Kommission komplett untätig bleibt.

In den USA wird bereits kommerziell geklont. Haben Sie Angst, dass bald das erste Klonfleisch über den großen Teich zu uns rüberschwappt?

Der Vorschlag, den das Europäische Parlament gemacht hat, bezieht sich nicht nur auf in Europa produziertes Klon-Fleisch, sondern auch auf importiertes.

Finden Sie das Klonen von Tieren zur medizischen Forschung akzeptabel?

Das Klonen von Tieren zu medizinischen Zwecken finde ich grundsätzlich akzeptabel, die Regeln müssen aber sehr streng sein. Oft erleben wir, dass etwas angeblich zu Forschungszwecken gemacht wird, in Wirklichkeit dient es doch kommerziellen Zwecken. Das kennen wir zum Beispiel beim Walfang, wo einige Länder wie Japan die Ausnahme des Walfangs zu Forschungszwecken auch für kommerziellen Walfang im großen Stil nutzen. Hier müssen wir sehr genau kontrollieren. Ich würde auch nicht jedes Forschungsziel akzeptieren, sondern es muss um die Behandlung lebensbedrohlicher und schwerwiegender Erkrankungen gehen. Dann sollte man Ausnahmen auf jeden Fall zulassen.

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