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Biotechnologie Künstliches Leben versetzt Biotech-Branche in Aufruhr

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Gensequenzierungslabor im J. Quelle: REUTERS

Das restliche Genom bleibt dabei aber – anders als bei Venter – erhalten.

Dem Darmbakterium Escherichia coli etwa wurde das Gen fürs menschliche Insulin untergejubelt, sodass es das lebenswichtige Hormon für Zuckerkranke produziert. Und Brain-Spezialisten brachten im Auftrag des Mischkonzerns Degussa mithilfe von acht zusätzlichen Genen Bakterien dazu, große Mengen der Aminosäure Lysin herzustellen. Sie hilft als Futterzusatz Schweinen dabei, Nahrung besser zu verdauen.

Das Problem: Je mehr Gene transferiert werden sollen, desto schwieriger wird die Sache. Davon kann Wagner als einer der Pioniere der Gensynthese stundenlang erzählen. Über Jahre perfektionierte er die Montage der genetischen Buchstaben. Heute stellt sein 180-köpfiges Unternehmen gut 3000 Gene im Monat her. Inzwischen ist Geneart weltweit unter einem guten Dutzend Konkurrenten führend. „Und unsere Kunden bestellen immer komplexere Genkonstrukte, die sie in ihre Arbeitsorganismen übertragen wollen.“

Überflüssige Gene ausschalten

Eine immense Hausforderung, denn schon fünf Erbanlagen am Stück zu transferieren sei schwierig, sagt Wagner: „Die Gene müssen miteinander kooperieren, dürfen sich nicht gegenseitig stören und müssen mit den vorhandenen Genen harmonieren.“ Deshalb berechnen Wagners Fachleute heute schon am Computer, wie die Gene beschaffen sein müssen, damit es möglichst reibungslos gelingt.

Und dennoch funktioniert die Sache längst nicht perfekt. Schlägt der Versuch fehl, müssen die Forscher eine neue Gen-Variante synthetisieren lassen und von vorne anfangen. Das kostet Zeit und Geld.

Die Komplexität müsse drastisch reduziert werden, fordern Forscher wie Wagner. „Wozu braucht ein Bakterium, das ein Medikament produziert und dabei ständig belüftet, gerührt und gefüttert wird, eine Geißel zur Fortbewegung oder Rezeptoren zur Futtersuche?“

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