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Biotechnologie Künstliches Leben versetzt Biotech-Branche in Aufruhr

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Spritze Quelle: dpa

Also versucht er die überflüssig scheinenden Gene auszuschalten, um Platz zu schaffen für neue Erbanlagen. Diese eher ingenieurtechnische Herangehensweise ist quasi die Geburtsstunde der synthetischen Biologie. Und Geneart-Chef Wagner weiß, wie sehr das die Biotechnik verändert: „Wir versuchen einen optimalen Produktionsorganismus zu konstruieren, der genetisch maximal abgespeckt ist.“

Für Forscher wie ihn ist Venters Kunstbakterium daher eine kleine Verheißung: „Statt einen bestehenden Mikroorganismus zu zerpflücken oder mit unseren Genen zu spicken, können wir in Zukunft möglicherweise größere Genomabschnitte neu gestalten, so wie Ingenieure eine Fabrikanlage planen.“

Baukasten für Bio-Ingenieure

So versuchen Wagner und viele andere Forschergruppen weltweit, eine Art Baukasten zu entwerfen, aus dem die Bio-Ingenieure sich greifen können, was sie gerade brauchen, um beispielsweise in einer Zelle eine biotechnische Produktionsanlage im Miniaturformat aufzubauen. In etwa ließe sich das vergleichen mit Schaltern, Kondensatoren oder Widerständen, die ein Elektriker verwendet, sagt Wagner. Über ein Kundenportal soll Genearts Biobaukasten in einem Jahr startklar sein.

Ganz ohne klassische Biotechnik wird es aber auch dann – und wohl noch für Jahre – nicht gehen. Denn so sehr Craig Venters Erfolg einen technologischen Durchbruch markiert, der das Zeug zu einer neuen Plattformtechnologie hat. Der neue Ansatz des Amerikaners hat auch einen Haken: Der Organismus, den er sich mit seinem Team aussuchte, war optimal für den Versuch, nicht aber für den Transfer in eine biotechnische Anwendung. Denn bei den Versuchstieren handelt es sich um Mycoplasmen, die Erreger von tierischen Lungenseuchen. Sie haben keine Zellwand, sodass sie einfach zu manipulieren sind. Und gleichzeitig weisen sie das kleinste bei Bakterien bekannte Genom auf.

Das reichte für einen wissenschaftlichen Paukenschlag, kommentiert Wagner. „Doch für die Weiterentwicklung zu einer ernsthaften biotechnischen Anwendung eignet sich dieser Organismus eher nicht.“

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