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Blick hinter die Zahlen #41 – Weihnachtsgeld Fröhliche Rundfunk-Mitarbeiter, selige Energieversorger

Tarifangestellte können sich auf mehr Weihnachtsgeld freuen. Rundfunkveranstalter zahlen am meisten, Gastronomen stehen hinten an. Ein Überblick über die Gewinner und Verlierer und die Verteilung zwischen Ost und West.

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Die Plätze in deutschen Innenstädten sind leer. Nur vereinzelt spazieren Leute, maskiert und mit beschlagener Brille, in die Geschäfte. In zahlreichen Schaufenstern künden Schilder von Rabatten – oder, schon eine Stufe weiter, der Geschäftsaufgabe. Wo sonst in wenigen Tagen die ersten Weihnachtsmarkt-Buden stehen, wo sich Menschen dicht an dich um Glühweinstände tummeln würden, wird es in diesem Jahr recht still bleiben.

Was bei vielen Händlern, Verkäufern aber auch Verbrauchern die Stimmung aufhellen dürfte: das Weihnachtsgeld. Laut dem Statistischen Bundesamt ist es in den vergangenen zwei Jahren um knapp 80 Euro gestiegen. Im Branchenschnitt liegt das tarifliche Weihnachtsgeld 2020 deutschlandweit bei 2.661 Euro brutto. Trotz Corona-bedingter Kurzarbeit und Gehaltskürzungen bleibt das 13. Jahresgehalt in Tarifverträgen in der Regel unberührt.

Rund 9 von 10 Tarifangestellten erhalten zu Weihnachten eine Zuwendung. Allerdings ist das Arbeitsverhältnis von nicht einmal der Hälfte der deutschen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einem Tarifvertrag geregelt. Die Tendenz sinkt jährlich. Während 2018 in den alten Bundesländern 44 Prozent der Beschäftigten in einen tarifgebundenen Betrieb arbeiteten, waren es in Ostdeutschland nur 37 Prozent.

Anstieg des Anteils der Tarifbeschäftigten mit Anspruch auf Weihnachtsgeld in Ost/West von 2019 auf 2020

Das 13. Jahresgehalt ist ein Überbleibsel der Industrialisierung des 19. Jahrhunderts. Um ihre soziale Verantwortung wahrzunehmen, verteilten Fabrikbesitzer kurz vor Weihnachten Geschenke, Lebensmittel und Geldstücke. Diese Zuwendungen waren freiwillig, bis in den frühen 1950er-Jahren die Gewerkschaften einen vertraglichen Anspruch darauf erwirkten.

Erstaunlich ist der Weihnachtsgeld-Vergleich zwischen den alten und neuen Bundesländern in Deutschland. Während Angestellte in Westdeutschland mehr Weihnachtsgeld bekommen, haben im Osten Deutschlands mehr Beschäftigte einen Anspruch darauf. In den neuen Bundesländern ist der Anspruch auf Weihnachtsgeld im Vorjahresvergleich um knapp vier Prozentpunkte gestiegen. In Westdeutschland liegt er unverändert bei 87 Prozent.

Höhe des Weihnachtsgeldes in Ost und West

Im Westen Deutschlands erhalten Angestellte in diesem Jahr rund 2680 Euro Weihnachtsgeld – im Osten sind es gut 180 Euro weniger. Lag die Differenz 2018 und 2019 mit knapp 100 Euro nah beieinander, wächst die Kluft in diesem Jahr um fast das Doppelte.

Ebenfalls unterschiedlich ist das Einkommen in Ost und West. Im Schnitt verdienten Arbeitnehmer im Osten im Jahr 2018 rund 13,5 Prozent weniger als ihre Kollegen im Westen. Das Monatsgehalt lag im Osten im Schnitt 379 Euro unter dem im Westen der Republik.

Die Höhe des Weihnachtsgeldes fällt in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich aus. Überdurchschnittlich viel Geld erhalten Angestellte bei Rundfunkanstalten und im Bereich der Energieversorgung. Während bei den Radio- und TV-Sendern nur gut drei Viertel (76,7 %) von den Sonderzahlungen profitieren, haben alle Tarifangestellten im Bereich der Energieversorgung einen Anspruch auf Weihnachtsgeld. Grund für die Spitzensätze sind starke Gewerkschaften, darunter Verdi, Djp und IG BCE. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern kommt der über viele Jahre hinweg gestiegene Rundfunkbeitrag hinzu. Außerdem seien die Angestellten im Schnitt älter, was höhere Gehälter und damit höhere Sonderzahlungen rechtfertige, heißt es anlässlich eines Gutachtens der Beratungsgesellschaft Kienbaum, die im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Gehaltslisten erstellt wurde.

Höhe des Weihnachtsgeldes nach Branchen unterteilt

Nahe am gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt liegt das Weihnachtsgeld in der öffentlichen Verwaltung. Auch hier ist der Unterschied zwischen den alten und neuen Bundesländern groß. Beschäftigte in westdeutschen Ländern erhalten knapp 300 Euro mehr Weihnachtsgeld. Arbeitnehmer im Gaststättengewerbe bekommen verhältnismäßig wenig. Mit gut 1000 Euro liegen sie weit unter dem bundesweiten Durchschnitt.

Beamte erhalten nur in einigen Bundesländern Weihnachtsgeld, zum Beispiel in Bayern, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die Höhe unterscheidet sich nach den Besoldungsstufen. In Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz beispielsweise wurden die jährlichen Sonderzahlungen in das Monatsgehalt integriert.

Durchschnittliche Ausgaben für Weihnachtsgeschenke

Heute nutzen die Deutschen ihr Weihnachtsgeld häufig für Geschenke und Weihnachtseinkäufe. Und sie tun es zunehmend spendabler, wie die Entwicklung der vergangenen zehn Jahren zeigt. Im vergangenen Jahr lag der Betrag pro Kopf bei durchschnittlich 475 Euro. In diesem Corona-Jahr aber ist vieles anders: Ein Viertel der Verbraucher plant erstmals seit Jahren wieder, weniger für Geschenke auszugeben. Dies hat eine Untersuchung des Marktforschungsinstituts Quantilope ergeben. Der Grund sind Einkommenseinbußen aufgrund von Corona, etwa durch Kurzarbeit oder Jobverlust.

Die Rubrik „Blick hinter die Zahlen“ entsteht mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Für die Inhalte der Beiträge ist ausschließlich die WirtschaftsWoche verantwortlich.

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