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Blick hinter die Zahlen #54 – Einkommensentwicklung Im Osten steigen die Löhne wieder

Männer und Westdeutsche scheinen härter von der Coronakrise getroffen als Frauen und Ostdeutsche. Doch das liegt vor allem am Ausgangsniveau. Welche Unterschiede gibt es beim Einkommen noch? Ein Überblick.

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Die Zeit, in der die Deutschlandkarte in zwei Zonen geteilt war, ist seit über 30 Jahren vorbei. Und doch lässt sich die ehemalige deutsch-deutsche Grenze in vielen wirtschaftlichen Statistiken immer noch nachvollziehen. Für das Coronajahr 2020 bedeutet das auf den ersten Blick gute Nachrichten für den Osten. Er scheint glimpflicher durch die Krise gekommen zu sein – zumindest was das Einkommensniveau angeht. Im dritten Quartal 2020 stiegen die Löhne dort im Vergleich zum Vorjahresquartal wieder leicht, während sie im Westen um 1,6 Prozent zurückgingen.

Auf den zweiten Blick spielt allerdings das Ausgangsniveau dieser Entwicklung eine große Rolle. Der Osten hinkt beim Lohnniveau auch 2021 weiter hinterher. Laut einer neuen Studie der Karriereplattform Stepstone liegen die Bundesländer mit den höchsten Durchschnittseinkommen in Deutschland alle im Westen, während die Bundesländer mit den niedrigsten Durchschnittseinkommen alle in Ostdeutschland liegen. Zwischen dem Bundesland mit dem höchsten durchschnittlichen Jahreseinkommen Hessen (60.900 Euro) und dem Schlusslicht Sachsen-Anhalt (47.800 Euro), liegen ganze 13.100 Euro.

Reallohnentwicklung der letzten fünf Jahre

Die leicht positive Entwicklung im Osten ändert nichts daran, dass bei der Einkommensentwicklung in Deutschland die fetten Jahre erst einmal vorbei sind. Nach sechs Jahren mit steigenden Löhnen bescherte 2020 den Beschäftigten einen Einkommensrückgang von rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Geschlossene Geschäfte, stornierte Reisen und Auftragsrückgänge bei Unternehmen haben deutschlandweit dazu geführt, dass Arbeitnehmer weniger Geld pro Monat bekommen haben. Nicht angerechnet ist in der Statistik allerdings das Kurzarbeitergeld, das den Lohnrückgang für Viele abfedern konnte.

Damit steht Deutschland europaweit noch vergleichsweise gut da. Im Durchschnitt verzeichneten die EU-Mitgliedstaaten einen Rückgang von 1,8 Prozent. Die Schlusslichter sind Litauen (minus neun Prozent) und Italien (minus sechs Prozent). Andere Staaten wie Malta (plus 2,6 Prozent) und Bulgarien (plus 2,3 Prozent) konnten ihr Lohnniveau hingegen auch 2020 steigern.

In diesen Wirtschaftszweigen war der Lohnrückgang am stärksten

Besonders betroffen sind die Reise- und Urlaubsbranchen in Deutschland. Alle, die ihr Geld bisher damit verdient haben, dass Menschen sich von einem Ort zum anderen bewegt haben, leiden unter dem durch Lockdowns geprägten Coronajahr besonders.

Einige Berufsgruppen wie die Piloten einigten sich mit ihren Arbeitgebern auch auf die Lohnkürzungen, um Massenentlassungen zu verhindern. Die Vereinigung Cockpit und die Lufthansa schlossen im Dezember einen Krisentarifvertrag. Durch den Gehaltsverzicht sollten 450 Millionen Euro bei der Airline eingespart werden, im Gegenzug bekamen die Piloten eine Jobgarantie bis 2022.

Lohnrückgang nach Geschlecht

Auch zwischen den Geschlechtern zeigen sich Unterschiede in der Gehaltsentwicklung. Auf den ersten Blick scheinen Frauen glimpflicher durch die Coronakrise gekommen zu sein als Männer. Im dritten Quartal 2020 mussten sie im Vergleich zum Vorjahr nur einen geringen Lohnrückgang hinnehmen. Auch hier ist aber das Ausgangsniveau entscheidend. Viele sogenannte „systemrelevante“ Tätigkeiten wie Pflege- und Reinigungskräfte aber auch pädagogische und soziale Berufe werden überwiegend von Frauen ausgeübt. Ihre Arbeit war in der Krise gefragt, wird aber laut dem Gewerkschaftsbund DGB häufig nur schlecht bezahlt.

Lohnrückgang nach Leistungsgruppen

Bei der Frage der Hierarchie zeigt sich, dass die unteren Leistungsgruppen mehr Einkommen einbüßen mussten, als ihr Vorgesetzten. Wer in einer leitenden Position tätig war, konnte sich 2020 glücklich schätzen, das Gehalt dieser Lohngruppen sank im dritten Quartal nur minimal im Vergleich zu zum Vorjahresquartal.

Die Gleichung, dass weniger Einkommen auch weniger Geld im Portemonnaie bedeutet, lässt sich für das Coronajahr 2020 allerdings nicht aufstellen. Von dem Geld, dass die Deutschen im Monat zur Verfügung hatten, haben sie sehr viel weniger ausgegeben als vor der Krise. Geschlossene Geschäfte, Kinos und Restaurants, abgesagte Urlaubsreisen und Großveranstaltungen – die Möglichkeiten, das vorhandene Einkommen loszuwerden, waren begrenzt. Die Sparquote stieg deshalb im dritten Quartal um fünf Prozentpunkte auf 16,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Geldvermögen, das die Deutschen angehäuft haben, ist mit 7,1 Billionen Euro so hoch wie noch nie.

Die Rubrik „Blick hinter die Zahlen“ entsteht mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Für die Inhalte der Beiträge ist ausschließlich die WirtschaftsWoche verantwortlich.

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