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Blick hinter die Zahlen #64 – Pflegekräfte Jetzt steigen die Gehälter in der Pflege

Die Coronapandemie hat den Mangel an qualifizierten Pflegern offensichtlich gemacht. Wegen schlechter Bezahlung und Arbeitsbedingungen gilt der Job als unattraktiv. Jetzt zeigen Daten: Die Löhne sind stärker als anderswo gestiegen – und immer mehr junge Menschen begeistern sich für eine Ausbildung in dem Bereich.

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In der Pandemie klagten viele Altenheime und Krankenhäuser über fehlende Pfleger. Sobald eine größere Zahl des medizinischen Personals wegen ihres erhöhten gesundheitlichen Risikos nicht zum Dienst erschienen war, entstanden große Lücken im mühsam ausgefüllten Dienstplan. Das hat die ohnehin fordernde Arbeit nochmals erschwert. Auch ohne Corona arbeiten Angestellte im Schichtdienst und am Wochenende. Zudem sind die Aufgaben körperlich anstrengend.

Immerhin sind die Gehälter in den vergangenen Jahren gestiegen – sogar stärker als im Schnitt der deutschen Wirtschaft. Wie Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) belegen, konnten sich Fachkräfte in Pflegeheimen seit 2010 über ein Gehaltsplus von fast 39 Prozent freuen. Bei Fachkräften in Altenheimen und in Krankenhäusern sind die Löhne immerhin um knapp 33 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Rechnet man die Gehaltssteigerungen im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor – Destatis bezeichnet die Bereiche als Gesamtwirtschaft – zusammen, ergibt sich nur ein Zuwachs circa 21 Prozent.



Diese Gehaltszuwächse haben dazu beigetragen, dass die drei Gruppen 2020 im Schnitt erstmals mehr verdient haben als Angestellte in der Gesamtwirtschaft. So kamen Fachkräfte in Krankenhäusern auf knapp 3.600 Euro Monatslohn, während sie in Altenheimen immerhin noch fünf Euro mehr pro Monat verdient haben als Fachkräfte in Deutschland im Durchschnitt. Der im Verhältnis dazu höhere Verdienst in der Pflege hängt jedoch damit zusammen, dass die Löhne in der Gesamtwirtschaft in der Coronakrise aufgrund von Kurzarbeit unter Druck geraten sind. Allerdings liegen die Gehälter in der Gesamtwirtschaft insgesamt höher als in Pflege- und Altenheimen und Krankenhäusern. Das hängt damit zusammen, dass Führungskräfte in der Gesamtwirtschaft teils deutlich mehr verdienen.



Trotz der gestiegenen Gehälter sind die Arbeitsbedingungen in der Pflege weiter beschwerlich: Laut Destatis-Daten arbeiten 2019 74 Prozent der Kranken- und 79 Prozent der Altenpfleger am Wochenende, während deutschlandweit nur 36 Prozent aller Angestellten am Samstag oder Sonntag schuften mussten.

Dennoch ist es der Pflegebranche gelungen, deutlich mehr junge Deutsche für eine Ausbildung in dem Sektor zu begeistern. Während zuletzt mehr als 71.000 Menschen eine Lehre in Pflegeberufen begonnen haben, waren es 2010 gerade einmal 54.000.



Die neuen Auszubildenden helfen, den oft beklagten Personalmangel in der Branche zu lindern. Zudem schwächt noch ein zweiter Faktor die Fachkräfteprobleme ab: Dass Deutschland immer mehr ausländische Berufsabschlüsse anerkennt, jedenfalls in der Gesundheits- und Krankenpflege. Diese Zahl hat sich in den vergangenen Jahren mehr als versechsfacht.



Allerdings ist das Fachkräfteproblem der Branche damit keineswegs gelöst. Das belegt auch die Zahl der anerkannten ausländischen Berufsabschlüsse bei Altenpflegern: 2019 waren es gerade einmal 87.

Mehr zum Thema: Vor einem Jahr wurden Pflegende als Helden bejubelt. Doch seither hat sich wenig geändert. Zwar steigen die Löhne, aber wenn Politik und Arbeitgeber nicht mehr investieren, kommt es zum „Massenexodus“, warnen Experten. Pflegewirtschaft in der Coronapandemie: Was vom Klatschen bleibt

Die Rubrik „Blick hinter die Zahlen“ entsteht mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Für die Inhalte der Beiträge ist ausschließlich die WirtschaftsWoche verantwortlich.

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