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Cebit 2014 T-Systems plant massiven Personal-Abbau in Deutschland

Reinhard Clemens, Chef der Telekom-Tochter, stellt im Rahmen der Cebit Details zur Umstrukturierung vor. Wie gespart und wo investiert werden soll.

In den nächsten drei Jahren streicht die Deutsche Telekom wohl bis zu 6000 Stellen bei ihrer Großkundensparte T-Systems. Quelle: dpa

6000 Stellen könnte T-Systems in Deutschland streichen, Gewerkschaften befürchten, dass sogar 8000 Arbeitsplätze abgebaut werden könnten. Durchgesickert war die Hiobsbotschaft bereits Ende vergangenen Jahres. Eventuell könnte es sogar erstmals in der Geschichte der Telekom zu betriebsbedingten Kündigungen kommen. Bis April führt die Telekom-Tochter noch Gespräche mit den Sozialvertretern. Dann will man mit konkreten Zahlen an die Öffentlichkeit gehen, sagte T-Systems Chef Reinhard Clemens im Rahmen der IT-Messe Cebit in Hannover.

Die Tochter des Bonner Konzerns kämpft seit Jahren mit dem rasanten digitalen Wandel am Markt. Großkunden wie Shell, BP, Daimler, E.On oder MAN haben ihre Telekommunikation und IT an das Unternehmen ausgelagert. Immerhin ein Drittel des Telekom-Umsatzes (15,1 Milliarden Euro) stammt aus dem Geschäftskundensegment.

Allerdings ist über das vergangene Jahrzehnt immer deutlicher geworden, wie wenig Gewinne das wettbewerbsintensive Geschäft abwirft. „Dabei sind vor allem die personalintensiven Dienstleistungen ein Problem. Die Personalkosten sind in Deutschland zu hoch“, sagt Clemens in Hannover. Entsprechend werde T-Systems zum einen Personal in Deutschland abbauen und in Billiglohn-Ländern wieder einsetzen und zum anderen stärker auf die Kooperation mit Dritten setzten. „Wir können und wollen nicht mehr alles alleine machen“, so der T-Systems-Chef.

Stärken und Schwächen der Telekom
Schwäche1: Bereinigte Kennzahlen verzerren das BildWie fast kein anderes Unternehmen ist die Deutsche Telekom dafür bekannt, in ihren Zahlen ständig irgendwelche Sondereinflüsse auszuweisen. Berichtete und bereinigte Kennzahlen weichen regelmäßig meilenweit voneinander ab. Der Konzern hat zwar immer zahlreiche Begründungen für die Bereinigungen parat. Gleichwohl ist nicht von der Hand zu weisen, dass diese die Berichterstattung komplexer und schwerer verständlich machen. Allein im Geschäftsjahr 2011 liegen berichtetes und bereinigtes Konzernergebnis 2,3 Milliarden Euro auseinander. Aufwendungen, die der Konzern als Sondereffekte deklarierte und somit auch bereinigte, waren unter anderem Ausgaben für den Konzernumbau wie etwa Personalmaßnahmen sowie Firmenwertabschreibungen auf die Tochtergesellschaften T-Mobile in den USA und OTE in Griechenland. Quelle: AP
Als positiven Sondereffekt bereinigte die Telekom die Ausgleichszahlung, die der Konzern vom US-Konkurrenten AT&T für das Platzen des T-Mobile USA-Deals erhielt. Zunächst sind alle diese Bereinigungen verständlich. Experten kritisieren aber, dass manche Sondereffekte seit Jahren auftreten - wie etwa die Aufwendungen für den Stellenabbau. Aus Konzernkreisen heißt es dazu, dass die Sondereffekte, die den Konzernumbau betreffen, in der Zukunft abnehmen werden. Einmaleffekte aus Unternehmenstransaktionen (M&A) will die Telekom aber weiterhin bereinigen, um sich innerhalb der Branche vergleichbar zu machen. Quelle: dapd
Schwäche 2: Schuldenberg drückt auf die BilanzEin Trostpflaster gibt es für die Telekom-Aktionäre. Die US-Tochter T-Mobile ist der Bonner Konzern im vergangenen Jahr zwar nicht losgeworden. Die Ausgleichszahlung für das Platzen des Deals von AT&T in Höhe von umgerechnet 2,3 Milliarden Euro half dem Konzern aber an anderer Stelle: Die Telekom konnte ihre Nettofinanzschulden - also die Differenz aus Bruttofinanzschulden und Zahlungsmitteln - um 2,2 Milliarden Euro oder 5,1 Prozent senken. Gleichwohl bleiben die Nettofinanzschulden mit 40,1 Milliarden Euro weiterhin hoch. Im Verhältnis zum Eigenkapital machen die Nettofinanzschulden 100 Prozent aus. Zudem betragen sie das 2,1-Fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Quelle: dapd
Damit bleibt die Telekom zwar innerhalb ihres eigenen Zielkorridors. Von den Ratingagenturen wird der Konzern aber - unter anderem wegen der hohen Verschuldung - nur mit BBB+ (S&P, Fitch) beziehungsweise Baa1 (Moody's) bewertet. Damit liegt die Telekom nur drei Stufen über Ramschniveau. Ratingagenturen ziehen bei ihrer Bonitätsbeurteilung auch die Pensionsverpflichtungen hinzu. In ihrer Bilanz weist die Telekom 6,1 Milliarden Euro an Rückstellungen für die Altersversorgung ihrer Mitarbeiter aus. Ihre Nettoschulden erhöhen sich aus Sicht der Ratingagenturen entsprechend. Der geplante Verkauf der Tochter T-Mobile USA an den US-Konkurrenten AT&T für 39 Milliarden Dollar hätte die Schulden auf einen Schlag reduziert. Nun, da der Deal geplatzt ist, muss der Bonner Konzern Alternativen finden. Quelle: dpa
Schwäche 3: Das Auslandsgeschäft bleibt mühevollUm das schrumpfende Geschäft im Heimatmarkt zu kompensieren, hat die Telekom in zahlreiche Auslandsmärkte investiert - mit gemischtem Erfolg. In den USA fällt es der Telekom-Tochter T-Mobile zunehmend schwer, mit starken nationalen Konkurrenten wie Verizon und AT&T zu konkurrieren. Der geplante Verkauf der Sparte an AT&T hatte daher Begeisterung bei den Investoren ausgelöst. Seit der Deal wegen kartellrechtlicher Bedenken der US-Behörden scheiterte, warten die Aktionäre auf eine Alternative von Konzernchef René Obermann. In Griechenland ist die Telekom mit 40 Prozent an OTE beteiligt. Neben der Schuldenkrise machen dem Konzern dort vor allem die immer strengere Regulierung und die höheren Steuern zu schaffen. Quelle: dpa
Die Telekom spielt daher auch schon die Konsequenzen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone durch. Es heißt, der Konzern sei dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass die griechische Tochter OTE danach auch ohne Hilfen der deutschen Mutter überlebensfähig sei. OTE muss auch im Falle eines Währungswechsels und einer spürbaren Abwertung der Drachme die finanziellen Verpflichtungen erfüllen können. Denn noch laufen Kredite und Anleihen in Euro, der Kapitaldienst würde sich drastisch verteuern. Weil OTE mit dem Mobilfunk momentan gutes Geld verdient und sich vor allem im ersten Quartal positive Trends zeigten, könne die OTE ihre Finanzierung allein stemmen, so die Hoffnungen der Telekom. Quelle: dpa
Stärke 1: Anleger werden bei Laune gehaltenAls Wachstumswert kann die Telekom ihre Aktie den Investoren nicht verkaufen, dafür aber als Dividendenpapier. Bis einschließlich nächstes Jahr garantiert der Konzern die Ausschüttung sogar. Wie im Vorjahr sollen die Aktionäre für das abgelaufene Geschäftsjahr daher 70 Cent je Aktie erhalten. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von drei Milliarden Euro. Bei einem Konzernüberschuss von nur 557 Millionen Euro im Jahr 2011 erscheint der Betrag zunächst riesig. Doch da das Nettoergebnis durch zahlreiche Sondereinflüsse belastet ist, misst die Telekom ihre Ausschüttungsquote lieber am Free Cash-Flow. Das sind die freien Mittel, die nach Abzug der Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte von den Zuflüssen aus dem operativen Geschäft noch übrig bleiben. Diese Relation liegt 2011 mit 43 Prozent unter dem Vorjahreswert von 59 Prozent. Quelle: dpa

Gleichzeitig machte Clemens deutlich, dass die Telekom-Tochter im klassischen Geschäft nicht mehr wachsen könne. „Hier ist Profitabilität das Ziel.“ In neue Geschäftsfelder wie Cloud-Services, IT-Sicherheit, Intelligente Netzwerke (Auto, Gesundheit und Energie) und Big Data wolle man hingegen stärker investieren und entsprechend auch wachsen.

Laut einer Google-Analyse ist die Telekom schon heute der drittgrößte Cloud-Anbieter der Welt. Experten rechnen mit einem weiteren Wachstum um etwa 25 Prozent. „Wir wollen unseren Kunden eine umfassende Plattform bieten, in der sie nicht nur die Dienste des Telekom nutzen können“, konkretisiert Clemens. Aktuell habe der Konzern auch den Service von Amazon integriert. Weitere Angebote von Oracle, IBM und Co. sollen folgen.

Weiterhin gehe es darum, den Serverstandort Deutschland zu stärken, um die Vorteile des deutschen Datenschutzrechtes auch gegenüber internationalen Geschäftskunden ausspielen zu können. Wie das genau aussehen soll, führte Clemens auf der Cebit nicht aus. Denn gerade im internationalen Vergleich gerät der Standort Deutschland in Sachen Rechenzentren immer stärker unter Druck. Laut einer vom IT-Verband Bitkom in Auftrag gegebenen Studie macht gerade der hohe Strompreis, aber auch der Fachkräftemangel den Betreibern hierzulande zu schaffen. So sind etwa 80 Prozent der 75 befragten Rechenzentrumsbetreiber mit den Stromkosten im Vergleich zum Ausland unzufrieden.

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