Cebit 2016 Das Internet wird zur Telefonzentrale

Telekom-Riesen und Startups wollen Bürotelefon, Handy, Chat-Messenger und Videokonferenztechnik im Netz verschmelzen. Im zweiten Anlauf soll das endlich gelingen.

Quelle: dpa

Die Sache ist, ehrlich gesagt, ein großer Murks. Ob moderne, vernetzte Managerin, ob moderner mobile Mitarbeiter: Wer die Klaviatur digitaler Zusammenarbeit virtuos nutzen will, verhaspelt sich allzu leicht in den Tücken konkurrierender Kommunikationswege. Smartphone und Bürotelefon haben unterschiedliche Anrufbeantworter, Adressbücher in PC, Schreibtischtelefon oder Handy sind nicht synchronisiert. Die Zugänge zu Instant-Messaging-Diensten, Telefon- oder Videokonferenzsystemen sind nicht einheitlich, die Passwörter ständig verlegt.

Die moderne Kommunikation könnte so schön sein, ist aber für viele ein großes Leiden.

Den Ausweg aus dem Dilemma gibt es längst. Schon vor gut einem halben Jahrzehnt verfielen Technikpioniere auf die Idee, Schreibtischtelefone, Handys und E-Mail-Systeme mithilfe sogenannter IP-Telefonanlagen im Netz zusammenzuschalten - und warben auf der Cebit 2010 vehement für die IP-Centrex genannte Technik. Kommunikationskonzerne aber auch Startups versuchten Angebote wie DeutschlandLAN (Deutsche Telekom) oder OfficeNet (Vodafone) an die Kunden zu bringen.

Die Zukunftstechnologien der Cebit
Von wegen unemotional: Pepper, der Roboter der japanischen Firma Softbank, soll Empathie schaffen und aufs Gegenüber reagieren können. In Japan kommt er bereits in Geschäften zum Einsatz, demnächst soll so ein Humanoide auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff anheuern. Kostenpunkt: 30.000 Euro. Quelle: dpa
Unter Strom: Das Sport-Shirt von der Firma Antelope unterstützt das Training mit Elektrostimulation - bei diesem Kleidungsstück soll das die Bauch- und Rückenmuskeln ebenso stärken wie den Rumpf stärken. Dafür sind in das Textil Elektroden eingewoben. Das hat allerdings seinen Preis: Dieses Tank Top schlägt mit rund 300 Euro zu Buche. Quelle: REUTERS
Nein, das soll keine Tätowierung werden: Am Stand der Firma Digiwell lässt sich ein Besucher einen RFID-Chip unter die Haut setzen. Der soll Türen per Funk öffnen und Passwörter abspeichern können. Künftig denkbar seien auch medizinische Anwendungen, etwa die permanente Messung von Blutzuckerwerten. Die Aktivisten wollen so den menschlichen Körper erweitern. Quelle: REUTERS
Das Skelett von Tyrannosaurus Tristan steht im Berliner Naturkundemuseum. Mit einer App der Firma Shoutr lässt sich die Echse jedoch in die Cebit-Hallen holen, und zwar samt Haut und Fleisch: Das Programm legt eine lebensechte Animation des Tiers über das Bild der realen Umgebung - Augmented Reality nennen Experten das Prinzip, das beispielsweise die Exponate in Museen zum Leben erweckt. Quelle: dpa
Was ist los bei der Demonstration? Mit dieser Bodycam werden die Bilder direkt in die Einsatzzentrale gefunkt - der schnelle Datenfunk LTE macht es möglich. In der Cloud sollen die Bilder gerichtsfest gespeichert werden. Motorola Solutions hat den Prototypen entwickelt, Vodafone vernetzt ihn. Mögliche Einsatzgebiete: Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW). Quelle: dpa
Inspekteur in der Luft: Mit dieser Drohne der Firma Aibotix inspizieren Energiekonzerne ihre Freilandleitungen, Masten und Umspannwerke. Auf der Cebit demonstriert das Gerät in Halle 16 seine Flugkünste - dort ist ein Parcours für Drohnen aufgebaut, auf dem auch ein Rennen für ferngesteuerte Flugobjekte stattfindet. Quelle: REUTERS

Die, so das Versprechen, sollten nicht bloß die traditionellen Telefonanlagen in Büros überflüssig machen, sondern unter anderem auch Mobiltelefone in die internen Nummernpläne integrieren, die Erreichbarkeit von Mitarbeitern unter einer Rufnummer ermöglichen (egal, ob die gerade im Büro oder unterwegs sind), und kostenlose interne Gespräche zwischen Fest- und Mobiltelefon ermöglichen.

In der Praxis hielt sich die Begeisterung der Kundschaft in überschaubaren Grenzen. Und zwar nicht bloß, weil viele der möglichen Nutzer noch über Jahre in den Serviceverträgen ihrer Anlagenlieferanten wie Siemens, Alcatel oder Bosch gefangen waren. Fehlende Bandbreite bei den Online-Anschlüssen, über die die neuen Endgeräte für die internetgestützte Telefonie ihre Verbindung aufbauen sollten, sorgten für Gesprächsabbrüche. Die (teils erforderlichen) Apps für den Zugriff auf die Technik von Smartphones aus waren mitunter nicht stabil oder sie verbrauchten die Datenguthaben am Handy all zu schnell.

Kein Wunder, dass weder DeutschlandLAN noch OfficeNet in den Folgejahren allzu offensiv beworben wurden. Allenfalls aufmerksamen Beobachtern fiel auf, dass beide großen Netzbetreiber die entsprechenden Dienste überhaupt noch im Angebot hatten.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%