Cebit 2016 Wie Start-ups auf der IT-Messe für Aufsehen sorgen

Auf der Cebit buhlen junge Start-ups um Aufmerksamkeit. Ihre Ideen präsentieren sie nicht nur am Messestand, sondern auch im Boxring und auf der Rennstrecke.

Die Zukunftstechnologien der Cebit
Von wegen unemotional: Pepper, der Roboter der japanischen Firma Softbank, soll Empathie schaffen und aufs Gegenüber reagieren können. In Japan kommt er bereits in Geschäften zum Einsatz, demnächst soll so ein Humanoide auf einem Aida-Kreuzfahrtschiff anheuern. Kostenpunkt: 30.000 Euro. Quelle: dpa
Unter Strom: Das Sport-Shirt von der Firma Antelope unterstützt das Training mit Elektrostimulation - bei diesem Kleidungsstück soll das die Bauch- und Rückenmuskeln ebenso stärken wie den Rumpf stärken. Dafür sind in das Textil Elektroden eingewoben. Das hat allerdings seinen Preis: Dieses Tank Top schlägt mit rund 300 Euro zu Buche. Quelle: REUTERS
Nein, das soll keine Tätowierung werden: Am Stand der Firma Digiwell lässt sich ein Besucher einen RFID-Chip unter die Haut setzen. Der soll Türen per Funk öffnen und Passwörter abspeichern können. Künftig denkbar seien auch medizinische Anwendungen, etwa die permanente Messung von Blutzuckerwerten. Die Aktivisten wollen so den menschlichen Körper erweitern. Quelle: REUTERS
Das Skelett von Tyrannosaurus Tristan steht im Berliner Naturkundemuseum. Mit einer App der Firma Shoutr lässt sich die Echse jedoch in die Cebit-Hallen holen, und zwar samt Haut und Fleisch: Das Programm legt eine lebensechte Animation des Tiers über das Bild der realen Umgebung - Augmented Reality nennen Experten das Prinzip, das beispielsweise die Exponate in Museen zum Leben erweckt. Quelle: dpa
Was ist los bei der Demonstration? Mit dieser Bodycam werden die Bilder direkt in die Einsatzzentrale gefunkt - der schnelle Datenfunk LTE macht es möglich. In der Cloud sollen die Bilder gerichtsfest gespeichert werden. Motorola Solutions hat den Prototypen entwickelt, Vodafone vernetzt ihn. Mögliche Einsatzgebiete: Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk (THW). Quelle: dpa
Inspekteur in der Luft: Mit dieser Drohne der Firma Aibotix inspizieren Energiekonzerne ihre Freilandleitungen, Masten und Umspannwerke. Auf der Cebit demonstriert das Gerät in Halle 16 seine Flugkünste - dort ist ein Parcours für Drohnen aufgebaut, auf dem auch ein Rennen für ferngesteuerte Flugobjekte stattfindet. Quelle: REUTERS

Der Angriff geht voll unter die Gürtellinie. „Als ich nach drei Google-Suchen endlich eure Seite gefunden habe, waren da nur Sprachblasen und Tippfehler”, ruft Rike Brand ihrem Gegenüber entgegen. Die beiden stehen in einem Boxring, doch statt mit Fäusten gehen sie verbal aufeinander los. „Was ihr macht ist weder vertrauenswürdig noch zukunftsweisend, sondern nur billig”, legt die junge Frau nach. Das hat gesessen.

Willkommen im Founders Fight Club, dem vielleicht härtesten Start-up-Pitch-Wettbewerb, den es gibt. Statt brav ihre Power-Point-Präsentation abzuspulen und sich der einen oder anderen kritischen Nachfrage von Juroren zu stellen, müssen sich die Gründer hier gegenseitig attackieren.

Natürlich stellen sie auch erst ihre Geschäftsidee vor. Rike Brand beispielsweise entwickelt mit ihrem Start-up Sinn Power Wellenkraftwerke, die Strom im Meer erzeugen sollen. Ihr Gegenüber David Son hingegen vertreibt cloudbasierte Telefonanlagen.

„Auch die Deutsche Telekom steigt jetzt in das Geschäft ein“, wirbt Son. Und beschwört Marktpotenzial und Wachstumsraten. „Na da ist der Zug für euch ja abgefahren“, entgegnet Brand. Die Großen machen das Geschäft und für das Start-up bleibe höchstens ein Taschengeld. Der Gründer von Wirecloud ist da schon geschlagen, Brand zieht in die nächste Runde ein.

Insgesamt zwölf Start-ups stehen sich in dieser Woche im Ring gegenüber, das Finale steigt am Freitag. Der Fight Club ist einer der Höhepunkte in der Halle 11 auf der Cebit, in der sich 350 Start-ups präsentieren.

Dabei finden auch noch weitere Pitchevents statt: Zehn Jungunternehmen präsentieren sich dem Top-Management des Autozulieferers Schaeffler, Bosch sucht nach Start-ups im Automobilumfeld und auch bei Hewlett Packard und der niedersächsischen Nbank konnten sich Gründer zum Vorsprechen bewerben. Der Showeffekt ist dabei sicher geringer, doch für die Start-ups könnten sich diese eher klassischen Präsentationen weit mehr auszahlen.

Start-ups im Box-Ring. Foto: Oliver Voß

Die Pitches sind ein gutes Beispiel, wie es gelingen kann, etablierte Konzerne, Mittelständler und Start-ups zusammen zu bringen. Die Digitalisierung der Wirtschaft ist das übergreifende Thema und die Gründer können dabei manche Impulse geben. In den letzten Jahren haben die Cebit-Macher daher versucht, verstärkt Start-ups auf die Messe zu holen. Und die Präsenz der Jungfirmen ist entsprechend gestiegen.

So haben einige auch die Chance auf einen Kurzbesuch der Kanzlerin bei ihrem traditionellen Rundgang. In diesem Jahr konnte sich das Start-up BigRep über das begehrte Foto mit Merkel freuen. Die Berliner haben den weltweit größten 3D-Drucker entwickelt, der beispielsweise komplette Möbelstücke erzeugen kann. Gründer René Gurka präsentierte der Kanzlerin einen gedruckten Designerhocker und sprach mit ihr über Potenziale und Einsatzmöglichkeiten des 3D-Drucks.

Woher Startups ihr Kapital erhalten

Doch nicht immer ist der Besuch so hochrangig. Eine Gruppe junger Leute umlagert den Stand eines Virtual-Reality-Start-ups, das Anwendungen für Unternehmen entwickelt. Jeder will einmal die neuen Cyberbrillen ausprobieren, die man hier zehn Minuten auf einem Massagesessel testen kann. Der Gründer versucht sie abzuwimmeln, hofft er doch eigentlich auf mögliche Geschäftskunden.

So geht es einigen in der Start-up-Halle: Die jungen Macher ziehen wiederum vor allem junge Besucher an. „Die meisten hier am Stand waren Studenten“, klagt eine Gründerin. Da sie auch für Geschäftskunden arbeite, bringe das leider wenig.

Es ist ein Dilemma: Die Halle zeigt einerseits die Vielfalt neuer Geschäftsideen: Ob Bitcoin-App oder wassergekühltes Rechenzentrum, Big-Data-Analyse oder Bilderkennungssoftware. Doch ob die an genau der Anwendung jeweils tatsächlich interessierten Kunden in die Halle und dann noch zum entsprechenden Stand finden, ist bei der Größe der Messe auch etwas Glückssache.

„Es wäre für viele Start-ups daher noch besser, wenn Sie in den thematisch passenden Hallen stehen würden“, sagt Niklas Veltkamp, Geschäftsleiter für Start-ups beim Bitkom. Also beispielsweise Start-ups die Verschlüsselung anbieten, neben den großen IT-Sicherheitsfirmen.

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