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China Internet-Zensur: Chinesische Mauer in den Computern

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Chinas Netz-Zensur erfolgt in mehreren Schritten:

An erster Stelle steht der sogenannte DNS-Block. Das Kürzel steht für „Domain Name System“, das Telefonbuch des Internets. Gibt der Nutzer den Namen einer Web-Seite ein, suchen spezielle DNS-Rechner nach der zugehörigen Adresse der Seite. Diese sogenannte IP-Adresse, eine aus Ziffern und Punkten bestehende Zahlenreihe, bezeichnet den genauen Rechnerstandort im Internet. Um missliebige Seiten zu sperren, modifiziert China kurzerhand die DNS-Server in den Netzknoten im Meer. Wer in China in seinen Browser beispielsweise die Adresse von Amnesty International eingibt, den leitet der Server zu einer leeren Seite um.Gibt der DNS-Server grünes Licht, etwa weil eine IP-Adresse nicht als systemfeindlich gemeldet ist, greift die nächste Kontrollstufe: Chinas Überwachungscomputer gleichen den Betreiber der aufgerufenen Seite mit einer Liste verbotener Angebote ab. Finden sie eine Übereinstimmung, unterbrechen die Server des betreffenden Netzwerkknotens im Ostchinesischen Meer ebenfalls die Übertragung.Als dritte Zensurstufe fungiert ein Begriffsfilter, der die Internet-Verbindung auch dann zurücksetzt, wenn die Adresse einer Web-Seite verbotene Begriffe enthält. Auf der schwarzen Liste stehen Wörter in Englisch, Chinesisch und anderen Sprachen. „Und sie wird permanent überarbeitet und ergänzt“, sagt IT-Experte Lih. Findet etwa in einer tibetischen Stadt eine Demonstration gegen Pekings Politik in der Region statt, kommt der Name der Stadt auf die Liste.Doch das reicht den chinesischen Internet-Wächtern noch nicht. Chinas Zensursysteme prüfen schließlich sogar die Inhalte aller angesurften Internet-Seiten auf verbotene Wörter. Klickt der Leser eines Weblogs oder einer ausländischen Nachrichtenseite auf einen Link, wird der Inhalt des Beitrags an die Kontrollcomputer gespiegelt. Enthält er einen verbotenen Begriff, etwa „Tiananmen-Massaker“, unterbricht das System die Übertragung ebenfalls.

Weltoffene Nation?

Der Vorteil des gestaffelten Verfahrens: Chinas Zensoren müssen viele internationale Webseiten nicht komplett sperren, was zu Protesten ausländischer Unternehmen führen würde. Solche Proteste aber scheuen die Bürokraten kaum weniger als ungeliebte Web-Inhalte: Denn eigentlich wollen die Chinesen als weltoffene Nation gesehen werden. „Die Zensoren schaffen es, das einzelne Haus statt die ganze Stadt zu bombardieren“, sagt IT-Experte Lih.

Weil die Behörden die Intensität der einzelnen Überwachungsstufen ständig neu justieren, die Listen mit verbotenen Begriffen permanent überarbeiten und zudem neue und modernere Filtertechnologien auf den Markt kommen, ist Chinas Internet-Zensur extrem unberechenbar. Eine Seite, die heute gesperrt ist, kann morgen wieder zugänglich sein und umgekehrt.

Es ist ein ständiger Wettlauf gegen den Fortschritt. Die Zahl der chinesischen Internet-Nutzer wächst, Weblogs wie der von Top-Bloggerin und Schauspielerin Xu Jing-lei werden von Millionen Menschen gelesen und diskutiert. Zudem entstehen immer neue soziale Netzwerke, die besonders schwer zu kontrollieren sind. Deshalb müssen die Chinesen ihren Überwachungsapparat immer weiter aufrüsten.

Zu den Unternehmen, die davon profitieren, gehört neben Huawei auch TRS Information Technology in Peking. Die Firma ist in China Marktführer im Bereich Internet-Sicherheit und entwickelt vor allem Software zum Durchsuchen von Texten. Mit den neuesten Anwendungen von TRS können die Behörden unter anderem Internet-Chats und -Foren nach kritischen Einträgen durchleuchten und so „Diskussionen ersticken, bevor sie richtig aufflammen“, wie es ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens ausdrückt.

Die chinesische Technologie zum Ausspionieren von Internet-Nutzern weckt inzwischen weltweit Interesse. Einerseits, weil die Technik beweist, wie effizient sie ist, aber auch, weil die Hard- und Software zur Online-Überwachung billiger ist als die Produkte etablierter IT-Sicherheitsanbieter aus den USA. Das interessiert vor allem ärmere Schwellenländer in Asien oder Afrika.

So klopften beispielsweise im Herbst vergangenen Jahres die Sicherheitsbehörden Thailands in Peking an, als das Königshaus zum Ziel heftigster Internet-Attacken wurde. Auch zentralasiatische Staaten wie etwa Usbekistan holten sich technische Hilfe in Sachen Online-Überwachung beim östlichen Nachbarn. Der Regierung von Zimbabwe lieferte Peking unter anderem Anwendungen zur Überwachung des E-Mail-Verkehrs.

Doch nicht nur in autokratischen Staaten, auch in westeuropäischen Demokratien wird die Überwachung von Online-Inhalten zum Thema – weit jenseits aller Zensurvorwürfe. So haben sich etwa in der Bundesrepublik auf Betreiben von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zahlreiche Internet-Anbieter bereit erklärt, den Zugriff auf Web-Seiten mit kinderpornografischen Inhalten zu blockieren. Eckpunkte für einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das Bundeskabinett am vergangenen Mittwoch beschlossen.

Die Technik, die den Zugriff unterbinden soll, entspricht der ersten Stufe der chinesischen Firewall: DNS-Filter sollen den Aufruf von Web-Seiten blocken, die auf einer regelmäßig aktualisierten Filterliste aufgeführt sind. Diese Liste könnte vom Bundeskriminalamt geliefert werden, so die Pläne aus Berlin. Ähnliche Schritte haben auch Frankreich, Italien, Irland und Australien bereits unternommen, um kriminelle Inhalte im Internet zu kontrollieren.

Dass die Filter tatsächlich jeden verbotenen Zugriff unterbinden, der Illusion geben sich weder Europäer noch Chinesen hin. Jede Technik kann von findigen Freaks geknackt werden. Und einen – ganz legalen – Ausweg gibt es sogar in China: Ausländische Unternehmen in China nutzen so- genannte Virtual Private Networks (VPN), verschlüsselte private Direktverbindungen übers Internet, die parallel zum normalen Datenverkehr verlaufen. VPNs verbinden die Nutzer in China mit Internet-Servern im Ausland, die alle gewünschten Web-Inhalte verschlüsselt und an der Zensur vorbei an den Computer in China zurückschicken.

China könnte diese privaten Netzwerke verbieten. Doch auch hier fürchten die Behörden internationales Aufsehen und den Protest ausländischer Geschäftspartner. Anlass zu wirklicher Sorge sind die VPNs sowieso nicht: Den meisten Chinesen ist die Technik zu teuer und zu aufwendig.

Dass das Internet niemals vollständig zu kontrollieren ist, darüber sei sich die chinesische Regierung im Klaren, sagt IT-Experte Lih. „Doch man braucht keine 100-prozentige Zensur, um eine perfekte Zensur zu haben.“

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