Cloud Computing Darum drängen alle IT-Giganten in die deutsche Wolke

Ob Amazon, Oracle, IBM oder VMWare: Immer mehr amerikanische IT-Anbieter eröffnen eigene Rechenzentren in Deutschland. Warum das ein geschickter Zug ist und welchen Bedürfnissen die IT-Giganten damit nachkommen.

Eine Wolke, Symbol für Cloud-Dienste Quelle: dpa

Der Cloud-Markt in Deutschland bleibt in Bewegung. Erst Ende Oktober des vergangenen Jahres hatte der amerikanische E-Commerce-Riese Amazon ein eigenes Rechenzentrum in Deutschland eröffnet. Seitdem bedient die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) ihre Kunden von Frankfurt aus.

Amazons Cloud-Lösung: AWS

„AWS ist in Deutschland bereits seit 2006 sehr stark gewachsen“, sagt Martin Geier, AWS-Geschäftsführer in Deutschland. „Doch seit dem Start unseres eigenen Rechenzentrums in Frankfurt hat das Wachstum sogar noch einmal zugelegt.“ So zählen inzwischen unter anderem Berliner Startups wie der Musik-Streaming-Dienst SoundCloud oder die Foto-App EyeEm zu den Amazon-Kunden; dem stehen Großkunden wie Kärcher, Bayer oder Axel Springer gegenüber.

So können Sie Ihre Daten online abspeichern
DropboxEiner der bekanntesten Cloud-Speicher-Dienste ist Dropbox. Der US-Anbieter gewährt Nutzern vergleichsweise geringe zwei Gigabyte Gratisspeicher – wer die Dropbox anderen empfiehlt kann den Speicher auf bis zu 16 GB erweitern. Entweder über einen Browser oder über die Applikationen von Dropbox lassen sich Daten hoch- und herunterladen. Installiert man die Software, erscheint sowohl beim Windows- als auch beim Apple-Betriebssystem ein Ordner im Explorer, in dem einfach per kopieren und einfügen Daten in die Cloud und aus ihr herausgeholt werden können. Wer mehr Speicher benötigt, kann bis zu einen Terabyte für 9,99 Euro pro Monat erwerben oder für 99 Euro pro Jahr. Quelle: dpa
Microsoft OneDriveMit einem großen Gratisspeicher lockt Microsoft, das 2015 mit OneDrive den Nachfolger seines Cloud-Speichers SkyDrive präsentierte. 15 Gigabyte winken hier, die auf bis zu 20 Gigabyte erweiterbar sind, indem man etwa neue Kunden wirbt und die automatische Sicherung von Bildern aktiviert. Auch hier können Nutzer entweder über den Browser oder über eine Anwendung auf die Cloud zugreifen. Für 100 GB verlangt Microsoft 70 Cent pro Monat, ein Terabyte ist für günstige sieben Euro monatlich zu haben – inklusive dem Microsoft 365 Office-Paket. Nur die Anbieter Spideroak und Livedrive sind noch günstiger. Quelle: dpa
Spideroak Quelle: Screenshot
Google DriveWie auch Microsoft wartet Google Drive mit 15 Gigabyte Gratisspeicher auf. Neben dem Speicher bietet Google einige zusätzliche Cloud-Dienste wie ein Office-Programm, das mehrere Anwender gemeinsam und parallel bearbeiten können; die Versionskontrolle wird über die Cloud-Software synchronisiert. Wer mehr als die 15 Gigabyte Speicher benötigt, kann für 1,99 Dollar pro Monat 100 GB erwerben, ein Terabyte kostet 9,99 Dollar. Der Speicher ist auf bis zu 30 Terabyte erweiterbar – Kostenpunkt: 299,99 Dollar. Quelle: dpa
Amazon Cloud DriveDas Online-Kaufhaus Amazon bietet mit seinem Dienst „Cloud Drive“ fünf Gigabyte freien Speicherplatz für die ersten zwölf Monate. Bei Amazon erworbene MP3-Dateien werden direkt auf der Online-Festplatte abgelegt. 50 Gigabyte sind ab 20 Euro pro Jahr zu haben, ein Terabyte ab 400 Euro. Quelle: dpa
Apples iCloudApple-Nutzer erhalten fünf Gigabyte Cloud-Speicher gratis. Sofern ein iPhone-Nutzer keine anderen Einstellungen vornimmt, landen sämtliche Fotos, die er mit seinem Smartphone schießt, in der Cloud. Auch auf Kontakt-Daten, Termine und andere Anwendungen greift die Cloud zu. Solange man ausschließlich Apple-Geräte nutzt, ist die Synchronisation einer der Aspekte, mit denen Apple besonders punktet. Speichererweiterungen sind problemlos möglich: 50 Gigabyte sind für 99 Cent pro Monat erhältlich, ein Terabyte kostet 9,99 Euro – und damit das Doppelte des Dropbox-Preises. Quelle: dpa
ADrive Quelle: Screenshot
Telekom MediencenterDer Spitzenreiter in puncto Gratisspeicher ist das Telekom Mediencenter. Hier erhalten Telekomkunden 25 Gigabyte kostenlos – wer kein Telekomkunde ist, erhält immerhin 10 Gigabyte. Für 4,95 Euro monatlich sind bereits 50 Gigabyte zu haben, für 9,95 Euro pro Monat sogar 100 Gigabyte. Mehr Speicher können Privatkunden nicht ordern. Auch die Telekom speichert sämtliche Daten auf deutschen Servern und wurde vom TÜV Saarland als sicher zertifiziert. Ein Nachteil ist allerdings, dass die Daten in der Cloud nicht verschlüsselt werden – dafür werden sie verschlüsselt übertragen. Im Gegensatz zu Strato synchronisiert die Telekom die Daten automatisch. Quelle: dpa
Strato HiDriveDas deutsche Unternehmen bietet seit 2010 seinen Onlinespeicher an. Kostenlos können Interessierte den Endkunden-Service 30 Tage lang testen oder sich dauerhaft für den  Gratiszugang entscheiden. Danach müssen Nutzer einen Vertrag abschließen – die Basic-Variante umfasst eine Laufzeit von zwölf Monaten. 500 Gigabyte kosten hier 19,99 Euro im Monat. Wer Geld sparen möchte, kann einen Vertrag über zwei Jahre abschließen – dann kosten die 500 Gigabyte nur 14,90 Euro pro Monat. Fünf Terabyte sind für 49,90 Euro pro Monat zu haben (bei einer Vertragslaufzeit von 24 Monaten). Zwar ist der Preis im Vergleich zu den US-Anbietern relativ hoch, dafür befinden sich sämtliche Server in Deutschland – die Daten unterliegen damit dem deutschen Datenschutz. Zudem gilt der Dienst als sicher – er wurde mit einem TÜV-Siegel ausgezeichnet. Ein Nachteil gegenüber den US-Anbietern: Bearbeitet man ein Dokument offline und geht dann wieder online, wird es nicht automatisch mit der Version des Dokuments auf der Cloud synchronisiert, was heute eigentlich Standard ist. Quelle: obs
1&1 Onlinespeicher Quelle: dpa

Damit ist Amazon Vorreiter einer Welle, die seit wenigen Monaten insbesondere amerikanische Cloud-Anbieter bei ihren Deutschland-Plänen antreibt. Lange galt im Cloud Computing das Gebot, dass für die Bereitstellung von Softwareangeboten per Internet-Zugriff der Standort der dazu notwendigen Rechenzentren mehr oder weniger egal sei. Schließlich benötigen die Kunden für die Nutzung solcher Dienste bloß eine Internet-Verbindung und einen Browser.

Datenschutz

Dies hat sich mit der durch den ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden losgetretenen Schnüffelaffäre durch amerikanische und britische Geheimdienste grundlegend geändert: Insbesondere vielen deutschen Unternehmen bereitete es lange Zeit großes Unbehagen, dass der Großteil der amerikanischen Cloud-Anbieter den europäischen Markt über Rechenzentren in Irland und den Niederlanden versorgt.

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Der Druck aus dem Markt sorgt nun dafür, dass immer mehr amerikanische Cloud-Anbieter eigene Rechenzentren in Deutschland eröffnen – und so auf die Sicherheitsbedenken der hiesigen Unternehmen reagieren. „Das AWS-Rechenzentrum in Frankfurt hat den deutschen Cloud-Markt beflügelt“, sagt auch René Büst, Analyst beim IT-Consultingunternehmen Crisp Research mit Sitz in Kassel.

Oracle Cloud

So wie etwa Oracle: Der amerikanische Anbieter von Unternehmenssoftware und SAP-Konkurrent hat sein hiesiges Engagement sogar noch vor Amazon angekündigt. Vor gut einem Jahr veröffentlichte Oracle den Plan, zwei Cloud-Rechenzentren in Deutschland eröffnen zu wollen, und zwar in Frankfurt und in München. Konkrete Namen von Kunden wollte der Anbieter auf Anfrage nicht nennen, beteuerte aber: „Die Rechenzentren sind in Betrieb und hosten bereits die ersten Kunden“, so Hakan Yüksel, Applications Sales Director von Oracle Deutschland.

IBM

Erzrivale IBM wiederum hat Ende des vergangenen Jahres in Frankfurt ein zweites Cloud-Rechenzentrum eröffnet. Es ist Teil der Investitionen in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar, mit der IBM seine weltweite Cloud-Präsenz und ihr Cloud-Angebot ausbaut. Mit Frankfurt, Amsterdam, London, Paris und Mailand betreibt IBM nun fünf Rechenzentren in Europa.

Top 10 der Softwareunternehmen nach Umsatz 2013

VMWare

Auf der diesjährigen CeBIT hat zudem der US-Anbieter VMWare die Verfügbarkeit seines deutschen Rechenzentrums offiziell vorgestellt. VMWare ist spezialisiert auf Software im Bereich der Virtualisierung, das bedeutet: Ein Server-Computer wird mittels VMWare in mehrere parallel laufende virtuelle Rechner aufgeteilt. Unternehmenskunden können ihre Hardware dadurch effizienter einsetzen.

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