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Container-Architektur "Das ist wie Lego-Spielen"

Wohnanlagen, Fußgängerbrücken und sogar ein Wüsten-Kino. In der Container-Architektur gibt es nichts, was es nicht gibt. Eine Düsseldorfer Ausstellung zeigt, wie sich der schnöde Behälter in Baukunst verwandeln lässt.

Eine temporäre Brücke aus zwei Frachtcontainern in Hoorn, Niederlande Quelle: Luc Deleu/VG Bild-Kunst, Bonn 2011; Wim Riemens

Man muss ihn nicht mit einer gotischen Kathedrale vergleichen, um rasch festzustellen, dass er ein recht überschaubares Gebilde darstellt: Der Container, als geometrische Form betrachtet, ist eine simple achteckige, verschließbare Kiste. Auffällig ist allenfalls die genormte Perfektion seiner Abmessungen: 2,44 Meter breit, 2,59 Meter hoch (in seiner Großversion „Highcube“ 2,96 Meter) und 6,06 Meter oder 12,19 Meter lang. So verkörpert der Container mit seiner Hülle aus geripptem Stahl eine Art Universalformat des Raums, dessen Daseinszweck einzig darin besteht, Waren möglichst effizient auf dem Wasser- und Landweg von hier nach dort zu befördern.

Der Container als Symbol

Als Transportbehälter hat der Container weltweit Karriere gemacht, seit seiner Einführung 1956 durch den amerikanischen Fuhrunternehmer Malcom McLean. Heute sind mehr als 30 Millionen Container rund um den Globus unterwegs. Das „stählerne Gehäuse des Kapitalismus“, von dem der Soziologe Max Weber metaphorisch sprach, ist in Gestalt des Containers standardisierte mobile Wirklichkeit geworden. Dank ISO-Normen, die Ende der Sechzigerjahre von der International Organization for Standardization festgelegt wurden, ist der Container allgegenwärtig und überall zu Hause, also nirgendwo richtig beheimatet – und erfüllt mit dieser Verbindung von Bewegung und Häuslichkeit einen modernen Urwunsch, den Traum von der mobilen Immobilie, den das 20. Jahrhundert von Anfang an träumte: dass die Architektur ortlos wird und sich von der Erdgebundenheit befreit.

Nicht zufällig forderte der Architekt Le Corbusier, der Gründervater des neuen Bauens, man müsse das Haus in Zukunft „wie eine Schiffskabine“ konzipieren, als Serienprodukt. Er hätte auch sagen können: „Wie einen Container.“ Le Corbusier konzipierte das menschliche Habitat als industriell vorgefertigtes Element mit einer Grundfläche von 15 Quadratmetern, was „ziemlich exakt“, wie der Kulturwissenschaftler Alexander Klose bemerkt, der Fläche eines 20-Fuß-Containers entspricht. Die bewohnbare Urzelle des Meisterarchitekten war als Raummodul gedacht, das durch Reihung und Stapelung multiplizierbar ist – und dem modernen Bauen en gros das Schmähwort „Container-Architektur“ einbrachte.

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