WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Crowdfunding Konsolen-Fans finanzieren Playstation-Konkurrenz

Weil sich in der Konsolen-Welt nichts tut, finanzieren Gamer ein Konsolen-Projekt namens Ouya, das Hacker willkommen heißt. Es ist nicht das einzige aktuelle Beispiel, bei dem frustrierte Kunden das Regiment übernehmen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Bei Ouya heißt es „Hackers welcom“. Das Projekt verspricht eine wirklich offene Spiele-Plattform für den Fernseher.

Düsseldorf Nun muss das Ouya-Projekt liefern: 8,6 Millionen Dollar von Fans hat die Crowdfunding-Kampagne zum Bau einer eigenen Spiele-Konsole eingesammelt – und damit hohe Erwartungen geweckt. Mit dem Betrag ist Ouya das zweiterfolgreichste Crowdfunding-Projekt aller Zeiten – nur das Projekt Pebble, das Uhren entwickelt, die mit Smartphones kommunizieren, hat mehr Geld eingesammelt. 950.000 Dollar hatten die Projekt-Initiatoren als Ziel auf der Finanzierungsplattform Kickstarter angegeben.

Der Erfolg von Ouya hat Gründe: Das Projekt begeistert Gamer, weil es eine Konsole verspricht, die anders seins soll als alles Dagewesene. Spielekonsolen wurden bislang günstig – sogar mit Verlust – verkauft, damit sich das System verbreitet. Verdient haben Microsoft, Sony und Nintendo an den Lizenzen für die Spiele. Das hat die Spiele teuer gemacht. Dasselbe Spiel für die Xbox 360 von Microsoft oder die Playstation 3 von Sony kostete im Handel daher deutlich mehr als die PC-Version – denn für die offenen Systeme Windows, Mac OS X oder Linux kann jeder entwickeln, ohne dafür eine Lizenz erwerben zu müssen.

Das hat den häufig totgesagten PC als Spieleplattform am Leben gehalten – auch wenn die Anschaffungskosten höher sind als bei einer Konsole mit Spezial-Hardware. Das Ziel von Ouya lautet daher laut Projekt-Website, „die letzte geschlossene Plattform zu knacken – den Fernseher“. Während Sony den Playstation-Hacker George Hotz verklagte und damit die Szene der Hobby-Spiele-Entwickler angriff, heißt es bei Ouya: „Hackers welcome“. Das offene System soll für jeden frei veränderbar sein. Unter anderem das freie Mediencenter XMBC wird daher für Ouya verfügbar sein.

Ouya basiert auf dem offenen Smartphone-System Android, Spiele soll jeder dafür entwickeln können, ohne Lizenzgebühren zu bezahlen. Dennoch ist die Konsole extrem billig: Wer bei Kickstarter mindestens 95 Dollar für das Projekte spendete, dem versprach Ouya eine Konsole.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Das alles hört sich sehr gut an – für manche zu gut. PCmag.com vermutete gar einen Betrug hinter dem Projekt. Auch andere Branchenbeobachter reagierten mit Kritik. Viele äußerten sich skeptisch, ob eine 99-Dollar-Konsole es tatsächlich mit der teuren Spezial-Hardware von Playstation 3 und Xbox 360 aufnehmen kann. Zudem sei ein offenes System auch offen für illegale Schwarzkopien von Spielen – das zeigt auch der PC. Fraglich ist daher, ob Ouya mehr wird als eine Plattform für Hobby-Spiele-Entwickler.


    Spiele aus der Cloud könnten für Microsoft und Sony gefährlich werden

    „Wir brauchen keine Custom Chips oder teure First-Party-Spiele, wir müssen einfach ein offenes System machen, das großartige Spiele unterstützt“, entgegne Julie Uhrman, Chefin des Projekts im Gespräch mit Eurogamer auf die Kritik. Uhrman hofft auf eigene Spiele, die speziell für die Konsole geschrieben werden. „Es wird der offenste, direkteste und günstigste Weg für einen Spieleentwickler sein, ein Spiel auf einen Fernseher zu bringen“, so die Chefin des Projekts.

    Auch wenn die Hardware für die neusten 3D-Spiele-Hits nicht reicht, könnte die 99-Dollar-Konsole dennoch den Spielekonsolen-Marktführern Microsoft und Sony gefährlich werden. Denn Ouya unterstützt auch Spiele aus der Cloud des Anbieter OnLive. Dabei werden die grafisch aufwendigen 3D-Szenen auf Servern berechnet und nur das fertige Bild per Internet-Stream übertragen. Somit können neueste 3D-Spiele selbst auf billigster Hardware gespielt werden. Via OnLive sind damit auch neueste Spiele-Hits auf Ouya lauffähig – sei es die „Assassin’s Creed -Reihe, das Strategie-Spiel „Civilization 5“, oder der Ego-Shooter „Deus Ex: Human Revolution“.

    Ouya war auch deshalb so erfolgreich beim Einsammeln von Geld, weil der Frust bei Konsolen-Spielern groß ist: Mehr als fünf Jahre ist es her, dass die aktuelle Konsolengeneration – Xbox 360, Playstation 3 und Nintendo Wii – auf den Markt kamen. PCs sind in dieser Zeit den Konsolen technisch davongezogen. Dasselbe Spiel ist in der PC-Version heute in der Regel günstiger und grafisch deutlich besser als die Version für die rund  fünf Jahre alten Spielekonsolen. „Die Playstation 3 ist 2007 auf den Markt gekommen, sie hat also ohne Frage noch eine gute Zukunft. Die neuen Spiele zeigen, dass wir Vertrauen in die Plattform haben“, sagte Jim Ryan, Europachef von Sony Computer Entertainment, der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Zuletzt feierte vor allem Blizzard mit dem Action-Rollenspiel „Diablo 3“ einen großen Erfolg – ein reines PC-Spiel.

    Echte Spiele-Innovationen fanden derweil ohnehin abseits von Konsole und PC statt: Auf Smartphones und Tablets feierten neue innovative Mini-Spiele wie „Angry Birds“, „Osmos“ und „Wo ist mein Wasser?“ große Erfolge. Auch kleine Unternehmen ohne Geld für Lizenzen haben hier eine Chance, ihre Spiele-Idee im App Store anzubieten. Insbesondere für die Apple-Geräte iPhone und iPad entwickeln viele Unternehmen kommerziell erfolgreich – eine Hürde in Form von teuren Lizenzen gibt es nicht. Dafür hält Apple allerdings beim Umsatz die Hand auf: 30 Prozent von jedem App-Kauf zwackt sich das US-Unternehmen ab.


    Wenn Kunden die Regie übernehmen

    Auch ein anderes Crowdfunding-Projekt feiert derzeit einen Finanzierungserfolg, weil Kunden mit dem derzeitigen Geschäftsmodell der Branche unzufrieden sind: App.net will eine Alternative zum sozialen Kurznachrichtendienst Twitter sein und dafür 500.000 Dollar einsammeln. Schon jetzt haben die Projekt-Initiatoren ihr Ziel übererfüllt und mehr als 600.000 Dollar eingesammelt. Besonders nachdem der bekannte Blogger John Gruber auf das Projekt verwies, wuchs die Unterstützung sprunghaft an.

    Auch die Unterstützer von App.net stören sich am Geschäftsmodell von Twitter – und zwar weil der Kurznachrichtendienst gratis ist. Damit würde Werbekunden zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, den Nutzern dagegen zu wenig, monieren Kritiker. So hat es Twitter externen Entwicklern immer wieder schwer gemacht, wenn sie Anwendungen entwickeln wollten, die mit dem Dienst kommunizieren. Wegen der Werbeanzeigen hat Twitter ein Interesse daran, dass möglichst viele Nutzer auf die Website gehen und keine fremden Anwendungen nutzen, um auf Inhalte zuzugreifen – das bremst Innovationen. App.net dagegen soll kostenpflichtig und werbefrei werden. Ein Account kostet 50 Dollar im Jahr.

    Die Beispiele Ouya und App.net zeigen: Unternehmen mit unzufriedenen Kunden müssen sich nicht mehr nur vor anderen Unternehmen fürchten – sondern dank Crowdfunding auch vor den Kunden selbst.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%