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Das digitale Ich Angriff der Körpermesser

Datenbrille, smarte Uhr, Sensor-Shirt – solche Wearables verknüpfen unseren Körper mit dem Netz. Sie sollen uns fitter machen, gesund halten und klüger wirken lassen. Die Technik ist reif, uns in Computermenschen zu verwandeln. Ist sie das nächste große Ding, auf das die Mobilfunkbranche wartet?

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Wie der Mensch in kleinen Schritten zum Cyborg wird
Brillen-SchlangeGoogles Datenbrille Glass verwandelt Models auf einer Modenschau in New York in Cyber-Wesen. Wer die Brille haben will, muss sich bewerben. Preis: ca. 1.100 Euro. Quelle: dapd
Kinder-ÜberwachungDas Sensorhemd Mimo Baby Monitor vom US-Anbieter Rest Devices erfasst Atemfrequenz, Temperatur, Liegeposition und Aktivität des Kindes. Preis: ca. 145 Euro Quelle: Presse
Bewegungs-MelderDas Konzept-Sportshirt Move der amerikanischen Modedesigner von Electricfoxy korrigiert mit Vibrationen die Körperhaltung von Golfern oder Yoga-Schülern. Preis: unbekannt Quelle: Presse
Quassel-KastenDer Anstecker von Sigmo übersetzt Gesprochenes via Smartphone in 25 Fremdsprachen. Preis: ca. 47 Euro Quelle: Presse
Schlaf-VermesserDas Armband Flex vom US-Startup Fitbit misst die Schlafdauer, zählt Schritte, die zurückgelegte Strecke und verbrannte Kalorien. Preis: ca. 100 Euro Quelle: Presse
Finger-FernbedienungDer Daumenring Fin des indischen Herstellers RHLvision verwandelt die Hand in eine Steuerkonsole für Smartphones, Fernseher und mehr. Preis: ca. 87 Euro Quelle: Presse
Karten-KlunkerDer Funkchip-Ring des Startups The Ring Theory dient in Bostons U-Bahn als Fahrkarte. Quelle: Presse

Ein guter Butler bleibt unsichtbar, hieß es früher in den gehobenen Kreisen. Wenn es nach Ashley Beattie geht, hat bald jeder von uns so einen diskreten Diener, der nie auffällt. Klein wie ein Streichholzheft ist der elektronische Helfer, den der kanadische Gründer des Startups Kiwi Wearables entwickelt hat, und vollgepfropft mit Sensoren. Am Hemdkragen befestigt, liest er Beattie jeden Wunsch von den Lippen ab; am Handgelenk angebracht, erkennt er jede seiner Gesten.

Der tragbare Diener lässt sich per Smartphone programmieren: Erhebt sich sein Herr morgens aus dem Bett, ist der Anstecker schon wach und schaltet per Funk die Deckenlampe an. Zählt der Hausherr auf, was im Kühlschrank fehlt, schreibt sein Butler, immer dienstbereit, eine Einkaufsliste ins Handy. Im Fitnessstudio notiert Kiwi jeden Klimmzug, nur fürs Protokoll. Und natürlich findet er auch geschwind heraus, von wem dieses neue Lied im Radio ist: Da malt die Hand nur einen Notenschlüssel in die Luft, schon sucht Kiwi im Netz nach dem Titel.

Kiwi Move, der Butler der Smartphone-Ära, ist Teil einer neuen Generation von Mobilgeräten: Brillen mit Bildschirmen, sei es Google Glass oder Recon Jet, projizieren uns den Wetterbericht oder Nachrichten ins Auge; Computer-Uhren, etwa Samsungs Galaxy Gear, zeigen uns E-Mails und Termine am Handgelenk an; Armbänder, nehmen wir das Fuelband von Nike, wachen über unsere Fitness.

Sogar Hemden, die unseren Puls messen, und Socken, die unsere Schritte zählen, sind plötzlich erschwingliche Massenprodukte. Sie helfen uns, so das Versprechen, produktiver zu sein und gesund zu bleiben.

Setzt sich das alles durch, dann werden Computer und das Internet endgültig Teil unserer Existenz: Sie begleiten uns in der Freizeit, auf der Arbeit, ja im Bett. Und so wie heute unsere E-Mails und Musik auf entfernten Servern liegen, so wandern Protokolle unseres Blutdrucks, unserer Schwimmtrainings, unserer Essgewohnheiten in die Cloud. Ein digitaler Doppelgänger erwacht, ein zweites Ich in der Datenwolke.

Wie viel tragbare Elektronik weltweit verkauft wird (zum Vergrößern bitte anklicken)

Wearables, so der Name der neuen tragbaren Geräte, sind diese Woche das Trendthema, wenn in Barcelona die Mobilfunkbranche auf dem Mobile World Congress über ihre Zukunft räsoniert. Sie könnten, das hoffen viele im Silicon Valley, das nächste große Ding der Computertechnik werden – und die Welt mindestens so verändern wie zuvor das Smartphone.

Seit Jahrzehnten träumen Technik-Utopisten wie der langjährige MIT-Forscher Steve Mann von tragbaren Computern, die unsere Fähigkeiten erweitern. Nun endlich ist es so weit: Speicherchips, Kameras und Batterien sind heute kompakt genug, um Rechner fürs Handgelenk zu bauen, Sensoren billig genug, um sie mit allerlei Sinnen auszustatten, und Bluetooth-Funk sparsam genug, um die Geräte rund um die Uhr mit Handy und Internet zu vernetzen.

Die Technik ist reif, uns zu Computermenschen zu machen. Sind wir es auch?

Ein Wink genügt

Google, Samsung und Co. versprechen uns, dass es bald einfacher denn je sein wird, mit Computern umzugehen. Wir müssen nicht mehr mühselig das Handy aus der Tasche fummeln, nicht mehr auf Bildschirmen herrumtippen. Wir bedienen unsere Rechner stattdessen mühelos per Sprachbefehl, Gesten oder Blicksteuerung – bis wir sie kaum noch bewusst wahrnehmen.

Mobile Revolution

Wie schlau sind Smartwatches wirklich?

„Vor allem smarte Uhren und Brillen“, prophezeit Joshua Flood, Analyst beim US-Marktforscher Abi Research, „können unseren Umgang mit mobilen Geräten revolutionieren.“ Seine Prognose: Dieses Jahr werden 90 Millionen Wearables verkauft – und 2015 schon 165 Millionen. „Langsam erst begreifen wir“, sagt Flood, „was mit vernetzen Geräten möglich wird.“

Drei Faktoren treiben die Entwicklung: Erstens machen die Computer zum Anbinden, Anstecken und Aufsetzen das Internet überall verfügbar. Die virtuelle Welt wird Teil der Wahrnehmung. Googles Datenbrille Glass etwa lotst Nutzer des Fahrradverleihs Citi Bike durch New York, zeigt an, wie viel Mietzeit ihnen noch bleibt, und informiert über Sehenswürdigkeiten.

Subtiler noch agiert die smarte Jacke Navigate, die das australische Startup Wearable Experiments verkauft: Sie navigiert ihren Besitzer mit Vibrationen in den Ärmeln nach links und rechts und so zum Ziel.

Zweitens sind smarte Uhren, Brillen und Ansteck-Computer darauf getrimmt, uns nur die Informationen zu liefern, die zu unserer Situation passen. Das silberne Armband Memi etwa vibriert diskret, wenn ein Anruf auf dem Handy eingeht – aber es bleibt am Wochenende stumm, wenn der Chef dran ist.

Drittens überwacht und vernetzt die Technik nun auch unseren Körper. Forscher arbeiten beispielsweise an Sensor-Pflastern, die permanent Blutwerte wie die Zucker- oder die Calcium-Konzentration messen – und per Mobilfunk beim Hausarzt Alarm schlagen, wenn eine Krankheit im Anmarsch ist.

Um den Trend nicht zu verschlafen wie vor sieben Jahren beim Smartphone, bringen die großen Elektronikhersteller, seien es Samsung, Sony oder LG, reichlich Wearables auf den Markt. Sie wollen sich nicht wieder von jemanden wie Apple überraschen lassen. Dutzende Startups im Silicon Valley hoffen derweil, die nächste Milliarden-Dollar-Idee im Köcher zu haben, und Investoren schließen gewaltige Wetten ab. So sammelte Jawbone, Anbieter eines Fitnessarmbandes, 250 Millionen Dollar ein – und ist jetzt 3,3 Milliarden Dollar wert.

Im Rausch der neuen Hardwarewelle entstehen teils skurril anmutende Produkte. Etwa die Ansteckkamera des schwedischen Anbieters Narrative, die alle 30 Sekunden ein Foto schießt – und so ein Bilderbuch des Alltags in der Cloud ablegt. Oder das Mikrofon-Armband des US-Startups Kapture, das rund um die Uhr Gespräche und Geräusche aufnimmt – und auf Knopfdruck die letzten 60 Sekunden speichert. Wie vielen Menschen wird sie die 99 Dollar Kaufpreis wert sein?

Das eigene Leben optimieren

Größere Verkaufschancen als viele der Nischenprodukte dürften nach Ansicht der Marktforscher smarte Uhren haben. Denn sie bündeln, ähnlich wie das Smartphone, mehrere Funktionen in einem Gerät. Samsung und andere Hersteller haben vorgelegt – nun fragt sich die Branche, wie iPhone-Erfinder Apple mit dem Trend umgeht. Der Konzern gilt als unschlagbar darin, nicht nur ein neues Gerät zu erfinden, sondern eine völlig neue Produktkategorie.

Wann kommt Apples iWatch?

Asus stellt ZenWatch 2 vor
ZenWatch 2Asus hat die nächste Generation der ZenWatch vorgestellt. Die Uhr funktioniert mit dem Android-Wear-Betriebssystem, Asus hat wie beim Vorgängermodell aber auch einige eigene Funktionen wie eine Fitness-App eingebaut. Über eine bessere Remote-Camera-Verbindung soll das Sucherbild der Smartphone-Kamera auf der Smartwatch dargestellt werden. Die Smartwatch besteht aus Edelstahl und kommt in verschiedenen Farb- und Armbandvarianten auf den Markt, die laut Asus individuell zu 18 verschiedenen Varianten kombiniert werden können. Neben klassischem Leder- oder Gummiarmband ist auch ein Armband mit geprägtem Diamantenmuster und Swarovski-Steinen zu haben. Um auch an kleinere Handgelenke zu passen, gibt es die ZenWatch 2 in zwei Größen: 49 mal 41 Millimeter und 45 mal 37 Millimeter. Wann sie in den Handel kommt und was sie kosten soll, wurde noch nicht verraten. Quelle: REUTERS
Apple WatchApple hat den Start seines ersten völlig neuen Geräts seit fünf Jahren ungewöhnlich still eingeleitet. Nur in wenigen Luxusgeschäften sind seit Ende April die Uhren zu haben. Die Apple Watch gibt es in drei Varianten: Sportler-, Standard- und Luxusmodell. Damit sie an kleinen Handgelenken nicht klotzig wirkt, ist die Apple Watch in zwei Größen erhältlich: 38 und 42 Millimeter. In einem ersten Test hat unser Redakteur Thorsten Firlus die Apple Watch unter die Lupe genommen. Quelle: AP
Vector Luna und Meridian Quelle: Screenshot
Withings Activité PopWer mit bunten Armbändern und klobigen Smartwatches nichts anfangen kann, sollte einen Blick auf die Withings Activité werfen. Es handelt sich um eine analoge Uhr in schlichtem, elegantem Design, in die auch ein Fitnesstracker eingebaut ist. Die Edel-Variante der Schweizer Uhr mit Lederarmband und Saphirglas schlägt mit fast 400 Euro zu Buche - für schmalere Geldbeutel hat Withings nun eine erschwinglichere Variante präsentiert. Die Variante Pop ist mit Kunststoffarmband und Mineralglasabdeckung etwas einfacher gehalten. Sie kommt in drei Farben daher und kostet 149,95 Euro. Neben der Zeitanzeige läuft in der rechten Ecke eine Prozentanzeige ab, die nachhält wie viel des selbstgesteckten Aktivitätsziels man bereits erreicht hat. Die Uhr ist über die Health-Mate-App via Bluetooth mit dem iPhone verbunden und kann Lauf- und Schwimmbewegungen erfassen. Eine Android-Variante ist laut Hersteller derzeit noch in Arbeit. Quelle: obs
Jabra Sport Pulse WirelessWarum noch ein weiteres Wearable mit sich herumtragen, wenn man beim Joggen gern Musik hört? Das dachte sich wohl der Headset-Spezialist Jabra und bringt nun In-Ear-Kopfhörer samt Mikrofon heraus, die den Puls messen können. Der sportliche Begleiter misst per Infrarottechnologie die Herzfrequenz und sendet die Daten an eine Smartphone-App. Das funktioniert über Bluetooth oder NFC sowohl bei iOS- als auch bei Androidgeräten. Ein virtueller Fitnesscoach kann die Daten auch gleich durchsagen und durch Work-Outs leiten. Die Kopfhörer kommen mit vier verschiedenen Haltebügeln und In-Ear-Stöpselformen, aus denen man individuell wählen kann, was am bequemsten zu tragen ist. Die Stöpsel sind schnurlos, so dass man sich beim Training nicht verhededdert, und nur 16 Gramm schwer. Über die Kopfhörer können auch Musikwiedergabe und Anrufe geregelt werden. Laut Hersteller hält der Akku bis zu fünf Stunden Musik oder Gesprächszeit durch. Preis: 199,99 Euro Quelle: Presse
Microsoft BandDas schwarze Armband „Microsoft Band“ mit langgezogenem Display soll unter anderem Herzschlag und Stress messen sowie die UV-Strahlung, der ein Träger ausgesetzt ist. Der Cloud-Service soll auch Daten von Fitness-Accessoires anderer Anbieter aufnehmen, wie Microsoft-Manager Yusuf Mehdi dem Technologieblog „The Verge“ am späten Mittwoch erläuterte. Preis: 199 Dollar Quelle: Microsoft
Fitbit ChargeDas Fitness-Tracker-Armband ist das Einsteigermodell. Es kann Fitnessstatistiken und Anrufe anzeigen - auch ein stummer Vibrationsalarm und eine Weckfunktion sind eingebaut. Das Armband misst Schrittzahl, zurückgelegte Distanzen, den Kalorienverbrauch und auch die bewältigten Stockwerke. Neu ist eine automatische Schlaferkennung, die anhand der Bewegungen Auskunft über die Qualität des Schlafes geben soll. Die Akkulaufzeit gibt der Hersteller mit bis zu sieben Tagen an. Charge löst das Vorgängermodell Force ab, dass die Firma wegen allergischer Reaktionen vom Markt nehmen musste. Die neuen Materialien sind laut Hersteller nun von Dermatologen geprüft. Preis: 129,95 Euro. Ab dem 17. November soll Charge im Online-Store und bei ausgewählten Partnern erhältlich sein. Farblich gibt es das Band zunächst in Schwarz und Schiefergrau, Burgunderrot (im Bild) und Blau sollen folgen. Quelle: Presse

Angeblich arbeiten 100 Mitarbeiter des Apfel-Konzerns an einer Datenuhr namens iWatch, die Nachrichtenzentrale und Telefon, Pulsuhr und gar Blutdruckmesser in einem sein soll. Ein geheimes Entwicklerteam soll obendrein erforschen, ob sich Herzinfarkte vorhersagen lassen, indem die Uhr das Geräusch des Blutstroms analysiert. Katy Huberty, Apple-Analystin bei der US-Bank Morgan Stanley, erwartet, dass Apple im ersten Jahr 60 Millionen Uhren verkaufen und damit 17,5 Milliarden Dollar Umsatz machen könnte.

Wie es ist, wenn Wearables unsere Trainer und Ärzte werden, hat der Berliner Autor Christoph Koch in einem Buch zusammengefasst. Ein Jahr lang hat er seinen Körper mit Armbändern und Apps überwacht, die seine Schritte und erklommene Treppenstufen zählten, seinen Schlaf vermaßen und seinen Kalorienumsatz notierten.

Koch wurde zu einem Self-Tracker. So nennen sich Menschen, die Daten über ihr Verhalten und ihre Gesundheit sammeln, um sich mehr zu bewegen, besser zu schlafen, konzentrierter zu arbeiten.

Das Resultat des Experiments: „Früher nahm ich nur den Aufzug“, sagt Koch. „heute immer die Treppe.“ Statt auf die Straßenbahn zu warten, geht Koch oft zu Fuß, um 12.000 Schritte am Tag zu machen. Nachmittags trinkt er keinen Kaffee mehr. Denn damit, das legen die Daten seines Schlaf-Stirnbands nahe, verlängert sich sein Tiefschlaf um 20 Minuten.

Für diese Form der Selbstoptimierung liefern die Hersteller eine ganze Armada von Produkten: etwa den daumennagelgroßen Anstecker Lift des US-Startups Lumo Bodytech, der seinen Nutzer mittels Vibrationsalarm animiert, sich gerade zu halten. Oder das Fitness-T-Shirt Sensoria von Heapsylon, einem amerikanischen Sportartikelhersteller, das dank eingewebter Sensoren den Puls zählt. Neu ist auch das Armband June des französischen Anbieters Netatmo, das UV-Strahlung misst und vor Sonnenbrand warnt.

Dennoch bleibt die Frage, wie schnell die Konsumenten des Schrittzählens und Kalorienmessens müde werden – und die Armbänder in der Schublade landen. Entscheidend könnte sein, den Wettkampfgeist anzustacheln, wie es der Sportartikelhersteller Nike tut. Läufer oder Radfahrer laden dann etwa ihre Fitnesswerte ins Internet, um sie zu vergleichen – Fachleute sprechen von Gamification. Das weckt den Konkurrenzneid und spornt an, die Sportkumpels zu übertrumpfen.

Der Arzt weiß alles

Von der Fitness ist es nicht weit zur Gesundheit: So sollen Wearables bald Krankheiten erkennen und die Wirkung von Medikamenten überwachen.

Das US-Startup Sano Intelligence etwa entwickelt ein Pflaster, das mit winzigen Nadeln in die Haut eindringt – schmerzfrei, aber tief genug, um kontinuierlich Blutwerte zu messen: den Gehalt an Blutzucker, an Elektrolyten und an Kreatinin – einem Stoff, der Rückschlüsse auf die Funktion der Nieren erlaubt. Die Werte überträgt das Pflaster drahtlos an ein Handy. Diabetiker, so die Vision, müssen bald nicht mehr per Nadelstich ihren Blutzucker ermitteln, weil das smarte Pflaster erkennt, dass es Zeit ist, Insulin zu spritzen. Google möchte dasselbe Ziel mit einer Kontaktlinse erreichen, die in Tränen den Blutzuckergehalt analysiert und die Werte per Funk weitergibt.

Datenschützer sind alarmiert

Zärtlichkeit per Bluetooth
FitbugDas Armband "Fitbug" misst sowohl die Aktivität als auch den Schlaf des Trägers. Die Aktivität wird in normales Gehen und Sport unterschieden. Per Knopfdruck lassen sich die Daten an eine dazugehörige App auf dem Smartphone schicken, wo die gesammelten Daten ausgewertet und visualisiert werden. Der Fitbug des gleichnamigen Startups geht mit einem Kampfpreis von 45 US-Dollar in den Markt. Quelle: dpa
Guard2MeDas Startup Guard2Me hat eine Datenuhr für demenzkranke Menschen im Gepäck. Die Uhr lässt sich per GPS und über Mobilfunknetze finden und auf einer Karte anzeigen. Die Bewegungssensorik misst außerdem, ob eine Person gestürzt ist oder längere Zeit auf dem Boden liegt. Außerdem ist die Uhr mit einer SOS-Taste ausgestattet, über die der Träger Hilfe rufen kann. Zudem sind in der Uhr Name, Adresse, Blutgruppe und wichtige Informationen zu Medikamenten gespeichert. Quelle: dpa
Sony CoreDas "Core" speichert unterschiedliche Lebensgewohnheiten auf einer Android-App namens Lifelog. Gemeint sind die Schritte, die am Tag gegangen werden, die Zeit des Musikhörens, die Schlafstunden und so weiter. Lifelog wandelt die Daten, die per Funk an die App übertragen werden, in Grafiken und Tabellen um. Quelle: AP
E309 von Ares Über einen Zugang zum Google Play Store und einen Steckplatz für eine Mikro-SIM-Karte verfügt diese Uhr, die gleichzeitig wie ein Smartphone eingesetzt werden kann. Das Angebot umfasst dabei auch Karten- und Navigationsdienste, Spiele und Whats App. Wie andere Smartwatches ist sie mit 47,5 mal 42 mal 13 Millimetern recht groß, verfügt dabei aber auch - durch die Mikro-SIM-Karte über die Möglichkeit des Telefonierens. Offenbar hat Ares eine eigene Benutzeroberfläche entwickelt, die aber an die Kacheloptik von Windows 8 erinnert. Quelle: Screenshot
Lifeband TouchLG stellte in Las Vegas das Lifeband Touch vor. Der Fitness-Tracker misst zum Beispiel die tägliche Bewegung und die Kalorien, die am Tag konsumiert wurden. Die Informationen werden sowohl auf einer speziell programmierten App angezeigt, als auch auf dem Armband selbst. Quelle: dpa
TaptapMit dem Taptap Armband lassen sich Berührungen übertragen. Wer den Sensor auf seinem Armband antippt, erzeugt damit automatisch eine Vibration auf dem Armband des Partners. Die Entfernung der Armbänder voneinander spielt dabei keine Rolle, da das Signal über das Internet übertragen wird. Als Brücke dient eine Bluetooth-Verbindung auf dem Smartphone. Die Signale werden dann über eine App an das andere Armband weitergeleitet. Das Partnerarmband kann allerdings auch zu anderen Zwecken eingesetzt werden - zum Beispiel als Vibrationsalarm am Körper, oder beim Sport, um Laufzeiten zu messen. Entwickelt wurde das Produkt von einem internationalen Entwicklerteam, dass unter dem Namen Woodenshark agiert. Für ihr Produkt suchen sie gerade Investoren über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Quelle: kickstarter.com Quelle: Screenshot
Nike Fuel SEDer Sportartikel-Hersteller Nike hat die zweite Generation seines Fuel-Band vorgestellt. Und anders als der Vorgänger, soll das Gadget auch in Deutschland in den Handel kommen. Das Unternehmen hat vor allem an der Verbesserung des Algorithmus gearbeitet. Das Display besteht aus hundert weißen und 20 farbigen LEDs. Der Akku hält nach Herstellerangaben etwa vier Tage durch. Außerdem ist das Armband einigermaßen wasserdicht. Duschen und einen Schauer hält es angeblich aus, beim Schwimmen sollten Sportler es allerdings abnehmen. Auch das Fuel SE stellt per Bluetooth eine Datenverbindung zum Smartphone her. Dabei setzt Nike voll auf Apple. Eine Android-Version ist zum Verkaufsstart am 6. November nicht geplant. Kosten soll das Armband 139 Euro. Quelle: Screenshot

Das russische Startup Gero Lab wiederum forscht daran, die Bewegungsmuster von Fitness-Armbändern für die Diagnose von Parkinson, Depressionen und anderen Krankheiten zu verwenden, die mit typischen Bewegungsmustern einhergehen. Die Genauigkeit soll bei 60 bis 85 Prozent liegen.

Künftig werden mobile Geräte stetig Gesundheitsdaten an unseren Hausarzt schicken, glaubt Cédric Hutchings, Chef des französischen Medizintechnikherstellers Withings (siehe Interview unten). „Er wird nicht mehr die Person sein, zu der wir gehen, wenn wir krank sind. Er wird die Person sein, die unsere Gesundheit steuert und dafür sorgt, dass wir gesund bleiben.“

Doch wird die Technik das Gesundheitswesen entlasten – oder erst recht die Hypochonder in die Praxen treiben? Nicht nur das ist eine offene Frage – auch Datenschützer sind alarmiert: Erst wollten Apple, Google und Co. unsere Freizeit erfassen. Jetzt wollen sie auch noch unseren Körper. Und bald, so die Befürchtung, hat gar die Krankenkasse per Handy rund um die Uhr Zugriff auf unsere Blutwerte.

In den USA ist es fast so weit: Der Ölmulti BP hat 23 000 Mitarbeiter mit einem Fitbit-Armband ausgestattet, das ihre Schritte zählt. Wer eine Million Schritte im Jahr zurücklegt, verdient 500 Wellness-Punkte. Wer auch anderweitig vorbeugt und so insgesamt 1000 Punkte sammelt, darf die 50 Prozent preiswertere HealthPlus-Krankenversicherung des Konzerns abschließen.

Wird künftig jeder einen Trikorder mit sich tragen, einen Gesundheitsscanner, wie ihn die Helden der „Star Trek“-Filme besitzen? Die amerikanische X-Prize-Stiftung hat genau zu diesem Ziel zehn Millionen Dollar Preisgeld ausgeschrieben. Das Geld erhält der Entwickler des ersten medizinischen Wundergeräts, das anhand des Blutdrucks, der Körpertemperatur oder Atemfrequenz 15 Krankheiten diagnostiziert.

Nicht nur in der Medizin sollen Wearables eine Zeitenwende auslösen – sondern auch in unseren Beziehungen. So ermöglicht das Startup Woodenshark Paaren, sich via Internet zu berühren: Tippt ein Nutzer auf sein Armband namens TapTap, vibriert das Band des Partners.

Auch Fremdsprachen sollen die Menschen bald nicht mehr voneinander trennen. Word Lens, eine App für Google Glass, übersetzt gedruckte Texte in andere Sprachen. Blickt der Nutzer etwa auf ein spanisches Hinweisschild, zaubert die App ihm eine deutsche Version ins Blickfeld. Das funktioniert nicht immer perfekt – aber meist gut genug, um den Text zu verstehen.

David Barnett und Marti Karrer, zwei Gründer aus der Schweiz, bauen gar einen elektronischen Dolmetscher. Ihr Anstecker namens Sigmo, nicht größer als eine Streichholzschachtel, übersetzt gesprochene Sprache mit einer Computerstimme in eine von 25 Fremdsprachen. Für die Übersetzung bedient sich das Gerät via Bluetooth-Funk und Smartphone beim Internet-Dienst Google Translate. Doch wer dessen Qualität kennt, weiß, dass es noch ein weiter Weg ist, bis Maschinen wie Menschen sprechen.

Cyberbrillen schrecken ab

Dennoch: Setzen sich Krawatten-Dolmetscher, Datenbrillen und Sensor-Pflaster durch, dann wird die alte Vision wahr, dass wir zu Cyborgs werden, zu Zwitterwesen, halb Organismus, halb Maschine.

Mobiles Shoppingcenter

Hardware für Jedermann
Am Handgelenk getragen misst und zeigt das Fuel Band des Sportartikelherstellers Nike wie viel, wie oft und wie intensiv sein Nutzer sich bewegt. Preis: 139 Euro
Der Ball des Berliner Startups Panono ist ein Fotoapparat zum Werfen: Am höchsten Punkt der Flugbahn knipsen 36 Kameras ein 360-Grad-Panorama-Bild. Preis: 490 Euro
Der Spielball Sphero vom US-Hersteller Orbotix rollt dank integriertem Motor von selbst und lässt sich in Wettrennen per Handy-App durch Parcours steuern. Preis: 130 Euro
Wer das Sensor-Armband TapTap des New Yorker Designbüros Woodenshark antippt, lässt ein digital gekoppeltes Partnerarmband vibrieren. So lassen sich Berührungen virtuell übers Internet übertragen. Preis pro Paar: 90 Dollar
Der Roboter von Double Robotics macht's möglich von fern im Büro dabei zu sein. Ein iPad ersetzt Augen und Gesicht des Nutzers. Preis: 2500 Dollar
Beim E-Scooter, des spanischen Startups Xkuty, wird das Handy zum Tacho und Bedienpult. Bis 100 Kilometer Reichweite. Preis: Ab 2800 Euro
Seine 41-Megapixel-Kamera macht das Nokia-Smartphone Lumia zum derzeit besten Fotohandy. Bildauflösung und Lichtstärke übertreffen viele Kompaktkameras. Preis: 550 Euro

Und das ist vielen noch unheimlich, so groß die Faszination über die Chancen der Körper-Computer auch ist. „Trägt jemand eine Datenbrille, weckt er bei vielen Menschen Ängste, er könne sie ausspionieren“, erklärt Tim Bosenick, Leiter der Hamburger Tochter SirValUse des Marktforschungsriesen GfK, die Technik auf ihre Bedienerfreundlichkeit testet. „Die Gesellschaft wird noch lange aushandeln müssen, wo und wie sie Datenbrillen tolerieren will.“

Trotzdem haben „Datenbrillen im Handel und der Industrie gewaltiges Potenzial“, versichert Gerhard Tröster, Leiter des Wearable-Computing-Labors an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich.

So verwandelt die App Glashion die Google-Brille in ein mobiles Shoppingcenter. Ein Blick auf die Handtasche der Passantin nebenan, ein Sprachbefehl – und eine Software zur Bilderkennung identifiziert die Marke und sucht im Internet nach einem Anbieter, der sie verkauft.

„Aber auch völlig neue Computerspiele werden möglich“, ergänzt Tröster. Denn längst arbeiten Forscher an Brillen, die nicht nur kleine Infokästen ins Blickfeld einblenden, sondern dreidimensionale Objekte. Die Cyberbrille Moverio vom japanischen Elektronikkonzern Epson oder die Space Glasses des US-Startups Meta etwa, die aussieht wie eine Fliegerbrille, haben statt Brillengläsern zwei durchsichtige Displays, die zusammen ein dreidimensionales Bild erzeugen. Zugleich scannt die Brille von Meta mit einem Infrarotsensor und zwei Kameras den Raum. So erkennt sie Wände, Objekte und Handgesten.

In Arbeit
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Schon im Juli soll auf diese Weise die Welt von Tony Stark Wirklichkeit werden, dem Helden der „Iron Man“-Filme. Er hantiert in seinem Labor mit Hologrammen wie mit echten Gegenständen. Computerspieler können mit Cyberbrillen wie den Space Glasses im analogen Raum gegen digitale Kontrahenten antreten. Designer können sie nutzen, um mit ihren Händen virtuelle Schmuckstücke zu formen – und sie dann im 3-D-Drucker entstehen lassen.

Verrückt? Irgendwann werden wir das alles vielleicht ganz normal finden.

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