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Dekra-Award Nachhaltig heißt wirtschaftlich denken

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Finck wusste: Die vielen Sportgruppen, die er ins Leben gerufen hatte, waren eine feine Sache, ersetzten aber kein ganzheitliches Gesundheitsprogramm. Deshalb initiierte Finck 2009 gemeinsam mit dem Betriebsrat den Bau eines neuen, vergrößerten Gesundheitszentrums auf dem Werksgelände.

Es ist heute der Kern des Neff-Gesundheitsmanagements. Hier praktizieren Betriebsarzt und -physiotherapeut. Hier befinden sich ein Fitnesszentrum und Räume für Kurse und Trainingsgruppen. Sporttherapeuten betreuen von sechs Uhr morgens bis acht Uhr abends die Mitarbeiter beim Training. Auch tagsüber sind die Fitnessräume nicht verwaist: Viele Mitarbeiter klinken sich in Absprache mit den Vorgesetzen oder der Arbeitsgruppe regelmäßig für eine Stunde aus der Arbeit aus, um zu trainieren.

Parallel zur Sportoffensive prüften Experten die Arbeitsplätze in Produktion und Büro über die gesetzlich vorgeschriebene Begutachtung hinaus und änderten sie, wo es nötig war. So richteten die Neff-Manager ein spezielles Fließband für Schwerbehinderte ein. „Die Berücksichtigung von älteren oder behinderten Mitarbeitern durch Maßnahmen wie individuell einstellbare Höhe des Montagebandes oder die Montagelinie für Behinderte sind vorbildlich“, lobt die Dekra-Jury.

Zum Gesundheitsprogramm gehört auch, dass statt Fritten und Schweinefleisch heute Salate und leichte Kost den Speiseplan der Kantine bestimmen. Vor einem Jahr zündete Finck die dritte Stufe, ein individuelles Gesundheitsprogramm. Dabei erstellt der Betriebsarzt mit dem Mitarbeiter einen Trainings- und Beratungsplan und schließt eine Zielvereinbarung ab wie regelmäßiges Ausdauer- oder Muskeltraining. Bis jetzt haben 40 stark gesundheitlich angeschlagene Mitarbeiter mitgemacht. Finck will das Programm künftig für alle Mitarbeiter anbieten.

Neben der Senkung des Krankenstandes bringt die betriebliche Gesundheitspolitik für Neff weitere Vorteile: „Durch den gemeinsamen Sport bilden sich neue Vernetzungen über die Abteilungsgrenzen hinweg“, sagt Finck. Inzwischen setzen die Badener ihr Gesundheitsprogramm gezielt ein, um Mitarbeiter zu halten und neue anzulocken. Die Fluktuation sei, so Finck, fast auf null gegangen. „Und wenn wir Bewerbern unser Fitnessstudio oder die Kantine zeigen, sind die sichtlich beeindruckt.

Preisträger Liefersicherheit

Das war haarscharf. Thomas Burger, Geschäftsführender Gesellschafter der SBS-Feintechnik, wird die Situation nicht so schnell vergessen. Kleinmotoren aus China kamen plötzlich nicht mehr wie gewohnt an bei dem Hersteller von Antriebs- und Regulierungssystemen für Automobil- und Haustechnik. Im März 2011 dieses Jahres hatten in Japan Erdbeben und Tsunami ein Werk für Fette und Lager lahmgelegt. Für dessen Abnehmer in China hieß das, dass er Burger nicht mehr mit seinen Kleinmotoren beliefern konnte. 

Für SBS-Feintechnik kam es dennoch nicht zum Desaster. Das Unternehmen aus Schonach im Schwarzwald mit 340 Mitarbeitern und 70 Millionen Euro Umsatz hat in den vergangenen fünf Jahren sein sogenanntes Wertstrom-Management perfektioniert und seine Lieferketten auf Schwachstellen durchforstet. Ein Ergebnis war die Einrichtung von Puffern beim Lieferer und im eigenen Haus. Alle Lieferer mussten sich zertifizieren lassen. Wer die Anforderungen nicht erfüllte, musste nachbessern, etwa bei der Auswahl der eigenen Lieferer, der Informationstechnik, beim Warnsystem oder durch die Einrichtung von Puffern. „Auditierung der Lieferer, Eskalationsmanagement und IT-gestützter Regelkreis sichern die Lieferungen auf beispielhafte Weise“, befand die Jury. Viele Lieferer schafften die Hürde nicht. Zugleich senkte SBS-Feintechnik ihre Zahl von 200 auf 100. So wurden die Beziehungen enger und weniger anonym. Bei den chinesischen Motorenbauern genügte ein Anruf, um für eine Übergangszeit noch eine kleine Zahl von Motoren zu erhalten. Die Japaner kamen bald wieder auf die Beine. Es hat nie – auch nicht für eine Stunde – eine Unterbrechung der Produktion in Schonach gegeben. „Die nachhaltige Organisation der Wertschöpfungskette hat sich für uns gelohnt“, sagt Burger heute stolz. n

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