5G Dämpfer für die Träume vom Supernetz

Ab 2020 sollen die neuen Supernetze der Mobilfunker für rasantes Wachstum sorgen. Doch längst nicht alle Netzbetreiber sind so optimistisch wie die Deutsche Telekom.

5G wird jetzt Realität“, verspricht Telekom-Chef Tim Höttges beim Mobile World Congress in Barcelona.

Tim Höttges ist so etwas wie der Fraktionsvorsitzende der Optimisten unter den großen Telekommunikations-Konzernen. Wenn der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom über die neue, fünfte Mobilfunkgeneration (5G) spricht, hört sich das immer positiv an.

„5G wird jetzt Realität“, verspricht Höttges dann auch auf der Pressekonferenz während des Mobile World Congress in Barcelona. Und weiter: „5G wird überall sein. Mobilfunk und Festnetz werden zu einer Einheit verschmelzen.“

Klar ist: Die Telekom will ganz vorne als Technologieführer mitmischen.

Zahlen und Fakten zum Mobilfunk-Markt

Nicht nur die Telekom, die gesamte Mobilfunk-Branche verspricht sich wahre Wunderdinge von 5G. Bereits im nächsten Jahr soll die Standardisierung so weit fortgeschritten sein, dass die ersten Testläufe starten können. Dann soll die neue Technik alles übertreffen, was es bisher im Mobilfunk gegeben hat.

Die Übertragungsgeschwindigkeit soll auf zehn Gigabit pro Sekunde explodieren, 100 mal mehr als bisher. Die Latenzzeiten auf eine Millisekunde sinken, 30 bis 50 mal schneller als bisher. Eine Million Verbindungen pro Quadratkilometer soll die neue 5G-Technik verarbeiten, 100 mal mehr als die heutige Technik. All das soll auch noch funktionieren, wenn ein ICE oder TGV mit 400 oder 500 Kilometern pro Stunde durch die Funkzellen rasen.

Die MWC-Highlights in Bildern
Sony Xperia ZSony schickt sein neues Mobilfunk-Flaggschiff Xperia XZ ins Rennen gegen die Premium-Hersteller. Als weltweit erstes Smartphone könne das Gerät auf seinem 5,5 Zoll großen Display Bilder in Ultra-HD-Auflösung (4K) und der Bildoptimierungstechnik HDR darstellen, kündigte Sony-Mobile-Chef Hiroki Totoki am Montag auf dem Mobile World Congress in Barcelona an. Die 19-Megapixel-Kamera ermöglicht dank einer neuen Speicher-Technologie Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 960 Bildern. Das ergebe vier Mal so detailreiche Aufnahmen als bisher möglich, sagte Totoki. In Kooperation mit dem Netzwerkspezialisten und Chiphersteller Qualcomm hat der japanische Konzern sein Premium-Modell auch fit für die Netze der Zukunft gemacht. Das Xperia XZ unterstützt Gigabit LTE, über das Filme und Musik in Sekundenschnelle auf das Smartphone heruntergeladen werden können. Quelle: REUTERS
Samsung Tab S3Am größten Smartphonebauer der Welt sind die vergangenen Monate nicht spurlos vorbeigegangen. Nach dem Desaster um das brandgefährliche Galaxy Note 7 stellte der Konzern auf dem Mobile World Congress in Barcelona kein neues Smartphone-Flaggschiff vor. Stattdessen präsentierte der Konzern zwei neue Geräte aus der Notebook- und Tablet-Klasse. Das Tablet Galaxy Tab S3, das Samsung am Sonntag vorstellte, soll sich mit hochwertigem Design und üppiger Ausstattung vor allem in der Oberklasse behaupten, die Apple mit seinem iPad dominiert. Das Gerät mit Android-Betriebssystem ist sowohl auf Unterhaltung als auch auf Produktivität ausgerichtet. Die Rückseite ist komplett in Glas gehalten. Der Amoled-Bildschirm soll Bilder detailgenau in brillanten Farben (HDR, High Dynamic Range) wiedergeben. Eingesteckt in eine Tastatur lässt sich das Gerät auch als Notebook-Ersatz nutzen. Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy BookMit dem Galaxy Book stellte Samsung zudem ein sogenanntes Convertible vor, das mit Microsofts Betriebssystem Windows 10 und Intel-Prozessor (Kaby Lake) ausgestattet ist. Die Eingabe auf dem 10,6 Zoll großen Bildschirm erfolgt wahlweise über die Tastatur oder mit Hilfe eines Stiftes, der haptisch den Eindruck erwecken soll, tatsächlich auf Papier zu schreiben. Es lassen sich zwei separate Oberflächen - zum Beispiel für die private und die berufliche Nutzung einrichten, die sich mit einem seitlichen Wisch mit dem Finger sofort wechseln lassen. Klappt man die Tastatur zurück, wechselt das Display automatisch in den Tablet-Modus. Quelle: REUTERS
Nokia 3310Einst war Nokia der Inbegriff für Macht auf dem Mobilfunkmarkt. Dann verschliefen die Finnen den Aufstieg des Smartphones und erlebten einen Albtraum. Das Unternehmen stürzte in die Bedeutungslosigkeit. Ein Wiederbelebungsversuch durch Microsoft geriet zum kolossalen Flop. Unter der Führung von HMD Global meldet sich die Marke nun zurück und belebt öffentlichkeitswirksam eine Legende wieder: Der Konzern hat eine Neuauflage des 3310 - Snake und Nokia-Klingeltone inklusive. Das Original wurde im Jahr 2000 veröffentlicht und erfreute sich enormer Beliebtheit. Auch die Neuauflage soll vor allem mit der Akku-Power überzeugen: Laut Unternehmen sind 22 Stunden Sprechzeit und bis zu einem Monat Standby möglich. Auf den mittlerweile gewohnten Smartphone-Komfort müssen Käufer allerdings verzichten. Kosten soll das Gerät gerade einmal knapp 50 Euro . Quelle: dpa
Nokia 6HMD Global zeigte in Barcelona aber auch gleich mehrere neue Smartphones - alle mit dem Betriebssystem Android. Das für den wachsenden chinesischen Markt gebaute Nokia 6 (Bild) wird bald auch Europa vertrieben. Mit einem Preis von 300 Euro für die Special-Edition und 229 Euro für die normale Variante gilt es ein typisches Mittelklasse-Smartphone. Als Einsteiger- oder Zweitgerät eignet sich der kleine Bruder. Das Nokia 5 ist 5,2 Zoll groß, aus Aluminium, in verschiedenen Farben verfügbar und soll etwa 189 Euro kosten. Noch günstiger ist das Nokia 3: Der Preis liegt bei 139 Euro. Das Gerät verfügt über einen fünf Zoll großen HD-Screen. Quelle: REUTERS
Huawei P10 und P10 PlusAttacke der Nummer 3: Huawei will mit zwei neuen Modellen seiner P-Serie seine Marktposition stärken und Apple und Samsung Konkurrenz machen. Besonderes Augenmerk hat Huawei beim P10 und das P10 Plus auf die Kameraleistung gelegt. Das Objektiv ist in Kooperation mit den Traditionshersteller Leica gefertigt. Damit seien nahezu professionelle Aufnahmen möglich, versicherte Smartphone-Sparten-Chef Richard Yu (im Bild). In seiner Präsentation verglich Yu die neuen Modelle mehrfach mit Apples iPhones. So soll das P10 Plus bei gleicher Größe eine größere Batterieleistung haben als das iPhone 7 Plus. Zahlreiche Verbesserungen wie eine schnellere Ladezeit, eine Akkulaufzeit von 1,8 Tagen bei normalem Gebrauch sowie ein hochwertiges Display sollen die Geräte in die Spitzenliga bringen. Dass Marktführer Samsung nach seinem Note-7-Debakel das Nachfolgemodell seines Galaxy S7 aller Voraussicht nach erst im April auf den Markt bringen wird, könnte den Ambitionen des chinesischen Herstellers ebenfalls entgegenkommen. ("Diese Attacke soll Apple und Samsung zittern lassen": Zum Artikel über das Huawei-Event) Quelle: REUTERS
Huawei Watch 2Neben dem Smartphone-Flaggschiff stellte Huawei im Rahmen des MWC auch eine neue Smartwatch vor. Die Uhr namens Watch 2 soll im März in zwei Varianten auf den Markt kommen: der normalen und einer „klassischen“ Version. Die Watch 2 richtet sich mit GPS-Modul und Herzfrequenz-Tracker an sportliche Nutzer. In der teuren Version der Uhr ist auch eine direkte Verbindung zum Mobilfunknetz möglich: Wer eine Nano-Sim-Karte einsetzt, kann die Uhr unabhängig vom Smartphone nutzen. Andernfalls wird die Uhr über Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Auch die Optik ist auf sportlich und kommt in knalligen Farben. Die Huawei Watch 2 Classic hat ein in Gehäuse aus Edelstahl und ein klassisches Lederarmband. Allerdings gibt es zum Beispiel nicht die Möglichkeit, eine Sim-Karte einzusetzen. Preise: In der Bluetooth-Version kostet die Huawei Watch 2 329 Euro, in der 4G-Variante 379 Euro. Die Watch 2 Classic liegt bei 399 Euro. Quelle: REUTERS
LG G6Ein Smartphone, um aus den roten Zahlen zu kommen: Mit dem G6 will der südkoreanisch Hersteller LG Kunden zurückgewinnen. Das Vorgängermodell war mit einem neuartigen Modulkonzept auf wenig Gegenliebe gestoßen und hat für hohe Verluste gesorgt. Das G6 hat ein 5,7 Zoll großes Display im ungewöhnlichen 18:9-Format und soll dadurch dem Hersteller zufolge dennoch leicht mit einer Hand zu bedienen sein. „Anders als andere Geräte passt das G6 bequem in eine Hand und bietet zudem das einmalige Erlebnis eines großen Bildschirms“, erklärte LG am Sonntag. ("Bloß nicht nochmal auf die Nasen fallen": Der Artikel zur LG-Präsentation) Quelle: REUTERS
Lenovo Moto G5Mit seiner Moto-Serie will Lenovo so etwas wie die Highend-Geräte der Mitteklasse bieten. Die Geräte wirken durchaus hochwertig, kosten aber nicht viel. In diese Kerbe schlagen auch Moto G5 und Moto G5 Plus. Die 5 beziehungsweise 5,2 Zoll großen Geräte sollen im Frühjahr für 199 und 299 Euro auf den Markt kommen. Quelle: dpa
Blackberry KEYoneSchon am Samstag vor dem MWC stellte Blackberry seinen neuesten Streich vor: Das Tastatur-Smartphone KEYone. Es ist das erste Gerät, seit Blackberry Entwicklung und Produktion der Telefone komplett in die Hand der chinesischen Firma TCL (bekannt für Alcatel) gelegt hat - und der Versuch, endlich wieder Boden gut zu machen. Das KEYone hat einen 4,5 Zoll großen Touchscreen. Durch die Hardware-Tastatur ist das Format des Displays anders als von den Wettbewerbern gewohnt, im Verhältnis 3:2 und vor allem für die Hochkantnutzung ausgelegt. Auf dem Gerät lauft kein hauseigenes Betriebssystem, sondern - wie beim Blackberry Priv - Googles Android in der Version 7.1 Der Preis: 600 Euro. ("Futter für Tastenfans": Der Artikel über die Blackberry-Präsentation) Quelle: dpa

Die Phantasten in den Forschungslabors träumen auch noch von so einem geringen Energieverbrauch, dass Batterien oder Akkus zehn Jahre lang halten. Und diese 5G-Netze sollen auch noch so sicher sein, dass sie keine Angriffsflächen für Hacker und Cyberkriminelle bieten.

Diese Visionen einer schönen, heilen Mobilfunkwelt ohne die heutigen Funklöcher, schlechten Verbindungen und Sicherheitslücken lebt auch in diesem Jahr in Barcelona wieder auf. Doch anders als in den Vorjahren dämpfen bereits am Eröffnungstag prominente Skeptiker die Euphorie. Sie fragen, ob der Traum vom Gigabit-Zeitalter in einer „hyperconnected world“ (Ericsson) wirklich so einfach bis zum geplanten Start im Jahr 2020 zu realisieren ist.

Der neue Chairman des Mobilfunk-Weltverbandes GSMA, Sunil Bharti Mittal vom indischen Mobilfunker Bharti Enterprise, wies in seiner Eröffnungsrede darauf hin, dass die Zahl der Mobilfunkkunden zwar die Fünf-Milliarden-Marke kürzlich überschritten habe. Aber die Zuwachsraten bei Kunden (plus 7 Prozent) und beim Umsatz (plus 3 Prozent) waren deutlich schwächer als in den Vorjahren. Die Börsenbewertung der größten Mobilfunkbetreiber stagniere sogar. Bei einer Gesamtinvestition von weltweit 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr sei es für alle Netzbetreiber zunehmend schwierig, die hohen Gewinnmargen früherer Jahre zu erwirtschaften.

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