5G-Mobilfunk: Mit Vollgas durch Berlin

5G-Mobilfunk: Mit Vollgas durch Berlin

von Jürgen Berke

Die Telekom baut in Berlin-Schöneberg die erste 5G-Teststrecke. Die Highspeed-Show soll demonstrieren, dass Europa besser auf diesen Technologiesprung vorbereitet ist.

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Deutsche-Telekom-CTO Bruno Jacobfeuerborn bei der 5G-Vorstellung in Berlin.

Es ist ein historischer Ort, an dem die Deutsche Telekom all die tollen Innovationen für die fünfte Mobilfunkgeneration (kurz: 5G) vorstellt. Das sechsgeschossige Backsteinhaus im Herzen von Berlin, in der Winterfeldtstraße 21, beherbergte 1929 das sogenannte Fernamt 1.

Damals arbeitete dort die größte Vermittlungsstelle, sie läutete ein neues Zeitalter des Fernsprechens ein. Mehr als 1000 Fräulein vom Amt saßen hier dicht gedrängt, um per Hand die Verbindungen in alle Welt zu stöpseln.

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Heute, knapp 90 Jahre später, stellt hier die Deutsche Telekom ihre Innovationen und Ideen für den zukünftigen 5G-Mobilfunk vor. Stärke demonstrieren und Innovationskraft ausstrahlen – dieses Ziel verfolgen Claudia Nemat und Bruno Jacobfeuerborn, die beiden Technik-Gurus der Telekom, mit ihrer 5G-Show in Berlin. Die Telekom will nicht länger den Konkurrenten in Japan und Südkorea überlassen, die ersten Live-Experimente zu zeigen.

Drei Mobilfunkmasten – in der Pohlstraße, in der Martin-Luther-Straße und auf dem Dach des alten Fernamtes – hat die Telekom umgerüstet, um erstmals bisher nicht für möglich Geschwindigkeiten von zwei Gigabit pro Sekunde und Reaktionszeiten von unter drei Millisekunden live zu demonstrieren. "Das ist ein ganz entscheidender Entwicklungsschritt auf dem Weg zum weltweiten Start von 5G, der für 2020 geplant ist", sagt Technik- und Innovations-Vorstand Claudia Nemat. "Wir sind bereit für 5G. Gerade die Industrie wird von 5G für eine Vielzahl von Anwendungen profitieren." Als Beweis blendet die Telekom einen "5G-Speedometer" auf der Leinwand ein. Die Geschwindigkeit schwankt zwischen 1,75 und 2,25 Gigabit pro Sekunde. Die versprochenen zwei Gigabit werden also erreicht.

PremiumMobilfunk 5G Das Tor zum Supernetz

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Quelle: Illustration: Miriam Migliazzi & Mart Klein

Mehrere Showcases zeigen, wofür die Kunden solche Geschwindigkeitsrekorde gebrauchen könnten. Telekom-Mitarbeiter zeigen Online-Spiele, bei denen die Figuren auf dem Bildschirm sofort auf jede Bewegung des Joysticks reagieren. Ein Mitarbeiter aus dem technischen Service, der normalerweise bei den Kunden Störungen behebt, setzt sich eine Virtual-Reality-Brille auf, um mit gestochen scharfen Bildern besser und schneller Reparaturen in den Verteilerschränken am Straßenrand vornehmen zu können. Und ein mit 5G aufgemotzter Carrera-Rennwagen in der Telekom-Farbe Magenta fährt natürlich der Konkurrenz davon. Zusätzliche Informationen rund um das Autorennen zaubert die Telekom in Echtzeit direkt auf die Spezial-Brille, die noch viel zu groß für das Massengeschäft ist.

Telekom sucht nach aufgeschlossenen Bürgermeistern

Aber das wird sich ändern. "Computer-Power erobert die Brillen", sagt Technik-Chef Jacobfeuerborn. Im Nachbarraum zeigt die Telekom die erste Live-Übertragung hochauflösender Videodaten über 5G. Per Webcam superscharfe Bilder auf den Fernseher oder das Smartphone zaubern – auch das ist mit 5G möglich.

Die superschnelle 5G-Infrastruktur soll so stabil und zuverlässig sein, dass alle Maschinen, Autos und alle möglichen Alltags-Gegenstände im sogenannten Internet der Dinge miteinander vernetzt werden können. Smarte Laternen könnten dann energiesparend gedimmt werden. Mülltonnen sollen einen Mini-Sensor bekommen, der der Müllabfuhr signalisiert, wann er gelehrt werden muss. Und natürlich zeigt bald eine App an, wenn ein Parkplatz frei wird. Die Telekom sucht in weiteren Großstädten nach innovativen Bürgermeistern, die mit ihr zusammen Smart Cities mit den neuen 5G-Netzen aufbauen und ausprobieren.

Mobilfunk Industrie will eigene 5G-Netze bauen

Den drei Mobilfunkbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica droht beim bevorstehenden Bau der Netze für die fünfte Mobilfunkgeneration (5G) unerwartete Konkurrenz von deutschen Industrieunternehmen.

Die drei Mobilfunkbetreiber Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone. Quelle: dpa/Montage


Eigentlich will die Telekom auch mit der Industrie die smarten Fabriken 4.0 aufbauen. Deshalb kommen die Pläne der im Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) zusammengeschlossenen Unternehmen, eigene "private 5G-Netze" aufzubauen, auch für die Mobilfunkbetreiber etwas überraschend. "Das wird teuer", prophezeit Technik-Chef Jacobfeuerborn. Kampflos will die Telekom den Unternehmen die 5G-Versorgung in den Fabriken allerdings nicht überlassen. Denn auch Campus-Netze mit 5G-Technik will der Technik-Chef künftig bauen. Dann werde die Kunden ja sehen, wer die erforderlichen Kompetenzen für den Betrieb solcher Netze besitzt.

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