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Amazon Echo Jetzt bringt Amazon die künstliche Intelligenz ins Wohnzimmer

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Amazon will Echo deutsche Dialekte lernen lassen

So ähnlich wird es nun wohl auch in Deutschland laufen. Zigtausende Technikfans hatten sich gleich nach der ersten Echo-Präsentation in Europa Mitte September in London als Kaufinteressenten registriert. Aus denen suchen die Entwickler des IT-Unternehmens seither solche heraus, die etwa aufgrund ihres Wohnortes erwarten lassen, dass sie das System mit starkem Akzent oder ungewöhnlicher regionaler Grammatik vor besondere Herausforderungen stellen. Am Mittwoch werden es genau solche Interessenten sein, die ein Angebot zum Kauf der knapp 180 Euro teuren Echo-Box im E-Mail-Eingang erhalten werden. Amazon will sein System für alle Eventualitäten abhärten.

Denn das Feintuning ist mühsam: „Die deutsche Sprache und ihre Dialekte zu lernen ist selbst für eine künstliche Intelligenz ganz schön anspruchsvoll“, erklärt Amazon-Manager David Limp bei einem Treffen in Berlin. Limp, einst Manager bei Apple und Palm, ist heute als Chef von Amazons Endgerätesparte Bezos’ Mann fürs Hardwaregeschäft. Ihm gehe es zudem darum, das Sprachverständnis der Bots für die im Deutschen typischen und üblichen Doppeldeutigkeiten zu schärfen.

Alexa scheitert an Effi Briest

Wir testen das noch unfertige System bei einer ersten Präsentation: Auf die doppeldeutige Frage „Wie haben die Fohlen gespielt?“, folgt nach nicht einmal einer Sekunde das korrekte Fußballergebnis vom vergangenen Spieltag von Borussia aus Mönchengladbach. Bei Schöngeistigem hingegen klaffen noch Verständnis- oder Kompetenzlücken: „Was ist das Problem von Effi Briest?“, das weiß auch Alexa nicht zu beantworten: „Das wüsste ich auch gerne.“

Das werde so nicht bleiben, versichern die Entwickler. Der smarte Bot ist als ganz und gar lernendes System konzipiert. Basierend auf den Informationsbedürfnissen seiner Nutzer, aber auch anhand von deren wiederholt verwendeten Begriffen oder thematischen Assoziationen soll es sich fortlaufend neue Wissensfelder erschließen und diese verfeinern. Wie lange das exklusive Training mit den ersten Testnutzern in Deutschland dauern soll, dazu schweigt sich Amazon aus. Die Lernphase in den USA dürfte aber ein Indikator sein. Demnach könnte im zweiten Quartal kommenden Jahres der offizielle Verkauf starten.

Es geht dabei um mehr als selbstlernende Systeme, wie man Pizza per Chat, Zuruf oder SMS bequemer bestellen kann als per Telefon – wer den Wettlauf um die Bot-Herrschaft gewinnt, entscheidet vor allem darüber, mit wem wir überhaupt noch ins Geschäft kommen. Denn Amazon und Co. filtern und sortieren vor, wessen Dienste wir auf ihren Bot-Plattformen nutzen, und gerieren sich endgültig zu digitalen Torwächtern.

An dieser einen entscheidenden Schnittstelle zu sitzen, und zwar in jeder Lebenslage, wird für die Netzgiganten womöglich gar zur Überlebensfrage. Alleine das Marktpotenzial für smarte Boxen kalkuliert der Marktforscher Gartner bereits für das Jahr 2020 auf mehr als 2,6 Milliarden Dollar weltweit. Dazu kommen Milliardenerlöse aus den über Bots vermittelten Webdiensten.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat neulich die firmeneigenen Messenger für Bot-Dienste aller Art freigegeben. Apple hat seinen Sprachassistenten Siri zum ersten Mal überhaupt für die Nutzung mit Apps fremder Programmierer geöffnet. Vor allem aber ist es Microsoft-Chef Nadella, der Amazon-ähnlichen Führungsanspruch zeigt: Im vergangenen März stellte er sein hauseigenes Bot-Betriebssystem vor.

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