Amazons Smartphone-Pläne Der Vierkampf um das Internet

Wenn Amazon demnächst ein eigenes Smartphone auf den Markt bringt, erreicht die Transformation der vier führenden Internetkonzerne einen kritischen Punkt. Der Onlinehändler, Google, Microsoft und Apple stehen sich dann so nah gegenüber wie nie zuvor.

Ich möchte ein iPhone-Killer sein
Amazon plant laut Medienberichte, ein eigenes Handy herzustellen. Die Software soll auf Android basieren. Man darf auf den Preis gespannt sein. Seinen Tablet Fire und E-Reader Kindle hat der Internethandelsgigant mit Kampfpreisen in den Markt gedrückt. Quelle: dapd
Microsoft brachte im April 2010 das Kin 1 und Kin 2 ein eigenes Handy heraus. Zwei Monate später war es mit der Produktion des Handys vorbei. Das Unternehmen setzte stattdessen auf sein mobiles Betriebssystem Windows Phone und eine enge Kooperation mit Nokia - doch vielleicht wird daraus demnächst noch eine Hochzeit. Quelle: AP
Facebook hat bereits die Android- und die Apple-Welt erorbert - die App gehört zu den am meisten runtergeladenen Apps. Das Problem für Facebook: Für die Werbung, die im Internet auf der Social-Network-Seite überall ausgespielt wird, bleibt auf den kleinen Smartphone-Bildschirmen kaum Platz. Facebook arbeitet daher bereits seit 2010 an einem eigenen Telefon. Doch die Entwicklungsprobleme haben dem größten Sozialnetzwerk mehrere Mal aus der Bahn geworfen. Jetzt folgt laut New York Times der dritte Versuch. 2013 könnte das Facebook-Telefon auf den Markt kommen. Quelle: REUTERS
Oracle plante die Übernahme vom Blackberry-Hersteller Research in Motion. Der Datenbankspezialist hatte bisher stets ein Auge auf den Smartphonemarkt und scheute auch nicht die juristische Auseinandersetzung um Patente mit Google. Doch Oracle-Chef Larry Ellison entschied sich dafür von RIM die Finger zu lassen. Das kanadische Unternehmen strauchelt, muss Arbeiter entlassen - und fällt ins Visier von Microsoft. Quelle: dapd
Es war Googles Aufschlag, die Antwort auf Apples iPhone, drei Jahre nachdem die Jungs von Cupertino mit ihren Smartphone zur Welteroberung ansetzten. Mit dem Nexus One wollte Google 2010 beweisen: Was Apple kann, können wir schon längst - nämlich Software und Hardware aus einer Hand anbieten. Danach hat sich Google zunächst auf die Entwicklung von Android beschränkt. 2011 kaufte Google den Handyhersteller Motorola für 12,5 Milliarden Dollar auf, die komplette Übernahme glückte im Mai 2012. Folgt jetzt ein neuer Strategiewechsel bei der größten Internetsuchmaschine? Quelle: AP
Klein, liegt gut in der Hand, mit ihm kann man bereits sparen - eigentlich ist Sony's PlayStation Portable, Model Vita wie geschaffen für den nächsten Schritt: mobiles Internet und telefonieren. Spekulationen darüber gab es immer wieder. Das Ergebnis: Im Jahr 2010 ... Quelle: dapd
... brachte Sony Ericsson mit dem Xperi Play ein aufklappbares Handy zum Daddeln heraus. Quelle: dapd

Noch vor einigen Jahren waren die Kerngeschäfte der führenden IT- und Internetfirmen klar abgesteckt und deutlich voneinander abgegrenzt: Google wurde vorrangig mit seiner Suchmaschine assoziiert, Amazon verkaufte Produkte über das Internet, Microsoft verdiente sein Geld mit Windows, Office, der Xbox und Enterprise-Lösungen, und von Apple kamen formschöne Computer sowie der iPod. Doch die stetig zunehmende Bedeutung von Informationstechnologie sowie der Drang nach permanentem Wachstum sorgten dafür, dass alle vier Firmen ihr Territorium auszuweiten begannen und neue Märkte betraten. Immer häufiger kam es dabei zu Überschneidungen der jeweiligen Angebote. Betroffen war jedoch selten das Kerngeschäft, weswegen sich die Konkurrenzkämpfe bisher auf kleinere Scharmützel beschränkten. Doch indem die “Big Four” der Webwelt sich alle zu Hardware-Anbietern im Zukunftsmarkt “Mobile” wandeln, beenden sie die Ära der relativ ungestörten Koexistenz für immer.

Amazon zieht nach

Apple hat das iPhone und iPad. Google verteilt nicht nur sein Android-Betriebssystem an Smartphone- und Tablet-Hersteller, sondern verkauft mit dem Galaxy Nexus auch ein Smartphone unter eigner Marke. Das kommende Nexus 7-Tablet manifestiert Googles neuen Hardware-Fokus, der nicht zuletzt auch durch die Übernahme von Motorola Mobility unterstrichen wurde. Auch Microsoft steht kurz vor der Veröffentlichung eines eigenen Tablets, dem Surface. Noch fehlt im Portfolio der Redmonder ein hauseigenes Smartphone, aber die enge Zusammenarbeit mit Nokia geht durchaus in diese Richtung. Gerüchten zufolge soll der Softwareriese auch an BlackBerry-Hersteller Research In Motion interessiert sein. Und natürlich bietet es mit Windows Phone ein eigenes mobiles Betriebssystem an, das Hersteller lizensieren können – auch wenn sich der Marktanteil des OS bisher noch in Grenzen hält.

Bis zum Herbst 2011 war Amazon der einzige Vertreter der Big Four, der abgesehen von seinen E-Book-Lesegeräten keine eigene Hardware vorzuweisen hatte. Dann jedoch lancierte der Onlinehändler sein preiswertes Android-Tablet Kindle Fire – das sich schnell als großer Erfolg erwies und ein Anlass für Google gewesen sein dürfte, ebenfalls ein preiswertes 7-Zoll-Tablet zu entwickeln. Denn Amazon strengt sich an, die Präsenz von Android auf seinem Tablet-Neuling möglichst nicht zu sehr in den Vordergrund zu rücken – anstelle von Google Play ist sogar ein eigener App Market integriert.

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