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Andreas Gauger Ein deutscher Web-Pionier knöpft sich Amazon vor

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Angriff auf Amazon, Google und Microsoft

Das ist ein rasant wachsender Markt, der nach Berechnungen der IT-Beratung Gartner 2014 weltweit von 9 auf rund 13 Milliarden Dollar wuchs und im nächsten Jahr bereits knapp 25 Milliarden Dollar schwer sein soll. Noch dominieren die US-Riesen wie Amazon, Google, Microsoft oder auch IBM das IaaS-Geschäft.

Doch Gauger will das ändern. Als Marketingchef bei Profitbricks ist sein Job das Verkaufen. Gemeinsam mit Achim Weiß, seinem Kumpel und Geschäftspartner aus frühen Karlsruher Tagen, hat er die Firma 2010 gegründet. Weiß ist CEO und steckt als Technikchef hinter der neu entwickelten Plattform des Start-ups. Als genialer Informatiker hat er schon bei 1&1 als Vorstand die IT auf Effizienz getrimmt.

Keine Luft für Luxus

„So flexibel, schnell und – vor allem – so kostengünstig wie wir ist im IaaS-Geschäft sonst keiner“, behauptet Gauger keck. Und versprich: „Wir wollen doppelt so schnell sein wie Amazon und nur halb so teuer.“

Vor- und Nachteile des Cloud Computing

Das ist, wohlgemerkt, angesichts der komplexen Preisgestaltung im Cloud Computing erst einmal nur ein Versprechen. Luft für Luxus ist da nicht. Daher haben sich die Online-Revolutionäre im Osten Berlins in einem alten Gewerbebau eingemietet. Vier Stockwerke belegt Profitbricks schon. Am Eingang weist ein handgeschriebener Zettel weiteren Bewerbern den Weg zu den Vorstellungsgesprächen.

Da heißt es zusammenrücken. Auch für die Gründer Gauger und Weiß, die sich ihr winziges Büro mit Strategiechefin Petra-Maria Grohs teilen, einst Top-Managerin bei den Computerherstellern Compaq, Oracle und Sun. Wenn Gauger etwas an seinem Arbeitsplatz stört, dann allenfalls, keinen Platz zu haben für seine zweite Leidenschaft. Er ist passionierter Fan der Kultserien „Star Wars“ und „Star Trek“. Wenn er von seinem Faible erzählt, blitzt der große Junge durch. Mit seinem raspelkurzen Haar, dem verschmitzten Blick und der Dynamik, mit der er Gänge und Treppenhäuser des Hinterhofbaus durcheilt, wirkt der Vater von zwei fast erwachsenen Kindern ohnehin jünger, als er ist.

Mit diesen Typen sollten Sie ein Unternehmen gründen
Gründer und Co-Founder„Nur weil sich zwei Menschen privat, beim Feiern und Kaffee trinken gut verstehen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch gut zusammenarbeiten können“, warnt Thorsten Reiter, dessen Buch „Start up – Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen“ gerade im Campus-Verlag erschienen ist. Er rät eher davon ab, im Freundeskreis nach potentiellen Mitgründern zu suchen und empfiehlt statt dessen sich im Kreis derer umzusehen, mit denen man bereits zusammengearbeitet hat. „Jeder Gründer muss den Geschäftspartner finden, der zu ihm passt und der die eigenen Fähigkeiten komplettiert.“ Reiter hat gewisse Charaktere ausgemacht, die in Kernteams vieler erfolgreicher Gründungen vertreten sind... Quelle: dpa
Visionäre, Leader und ProjektmanagerViele Gründer fallen in diese Kategorie, denn sie haben das große Ganze vor Augen und die Fähigkeit, andere für ihre eigenen Ziele zu begeistern. Sie rücken mit dem Holzhammer an, wenn es um die Umsetzung von Strategien geht und haben selten Zeit für Details. Die Teammitglieder bekommen immer wieder Sprüche wie: „Ich weiß nicht wie, aber ich weiß, dass!“ oder „Geht nicht, gibt’s nicht!“ zu hören. Reiter: „Sie sind beinahe idealistisch kompromisslos und profitieren von einem starken Team, das sie herausfordert und ergänzt.“ Quelle: dpa
Techies und EntwicklerWenn sie nicht gerade Minecraft spielen, sind das die Geeks im Team. Sie hacken scheinbar unzusammenhängende Zahlen- und Buchstabenkombinationen in die Matrix hinein und verstehen das Produkt wie niemand sonst. Das Problem ist nur: Sie halten die Vorteile für so eindeutig, dass sie sie nicht vermitteln können. „Ohne sie gäbe es kein Produkt – wären sie ohne Team“, sagt Reiter, „würde es sich nie verkaufen und letztlich als Open-Source-Lösung irgendwo im Netz landen Quelle: dpa
DesignerAuch dieser Charakter lässt sich häufig in Gründungsteams finden. Sie sind die Schöngeister, die Künstler des Teams. Egal ob in digitaler oder analoger Form, ihr Auge für Schönheit macht das Produkt für ein breites Publikum erst interessant und benutzbar. Reiter: „Eine Enge Zusammenarbeit zwischen ihnen und den Entwicklern ist essenziell für jede erfolgreiche Produktinnovation.“ Quelle: dpa
Marketer und Sales-People„Wenn der Preis stimmt, würden sie sogar ihre Großmutter verkaufen“, so das klare Urteil von Thomas Reiter über die Verkaufstalente im Team. Sie bringen das Produkt unter die Leute, verstehen den Markt und die Kundenwünsche. Für den Experten sind diese Kenntnisse in der Gründungsphase unerlässlich – Sales-Personal kann auch später angeheuert werden. Quelle: REUTERS
Buchhalter und Finance-PeopleFrüher oder später braucht jedes Gründungsteam Leute, die sich um die Zahlen kümmern. Auch wenn viele Start-ups diesen Part oft extern auslagern, ist jemand, der die Zahlungsströme versteht laut Reiter im Kernteam „sehr zu empfehlen.“ Manchmal wird die Rolle indirekt von Financiers wie dem Venture Capitalist übernommen, die darüber wachen, dass Einnahmen und Ausgaben ausbalanciert sind oder in der Wachstumsphase zumindest die prognostizierten Ziele erreicht werden. Quelle: dpa Picture-Alliance
Administrator und Office-ManagerDie Leute fürs Detail – sie dürfen in keinem Gründer-Team fehlen. Denn: „Während die Visionäre die langfristige Strategie im Auge haben und Techies sich um die Weiterentwicklung des Produkts kümmern, sollte es jemanden geben, der die täglich anstehenden Aufgaben im Blick hat“, rät Thomas Reiter. Er sagt es ist essentiell, das Tagesgeschäft nicht ständig selbst überwachen zu müssen, sondern sich auf das Wachstum des gesamten Unternehmens konzentrieren zu können. Quelle: AP

Im Januar erst hat er fast ein Wochenende damit verbracht mit seiner Freundin ein Lego-Modell des Star-Wars-Roboters R2-D2 zusammenzubauen. Nicht so ein kleines Set, meint er – gespielt entrüstet –, „sondern ein ganz seltener Bausatz – ungefähr kniehoch und ziemlich kompliziert“. Der ist zu groß fürs Büro. Immerhin hängt an der Wand noch eine riesige Grafik eines Sternenkriegers.

Sieht sich Gauger mit seiner kleinen Mannschaft als Jedi-Ritter gegen die wenn nicht dunklen, so doch unschlagbar scheinenden Mächte im Netz? Den Vergleich findet er doch zu martialisch. Aber zumindest die Größenverhältnisse passten.

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