Angriff auf den Geldbeutel Jede fünfte Phishing-Attacke zielt auf Online-Banking

Cyberkriminelle haben es auf Zugangsdaten zu Konten abgesehen. Weil der Markt wächst, lohnt sich das Geschäft mit den illegalen Daten.

Zehn Abzocker-Tricks im Internet
Trojaner und Co.Viren, Würmer und Trojaner können erhebliche Schäden auf dem PC anrichten. Beliebt bei Abzockern sind vor allem die Trojanischen Pferde, die vom Nutzer meist unbemerkt auf dem Rechner lauern und sensible Daten wie Passwörter abfangen, mit denen dann Schindluder getrieben werden kann. Wie kann man sich schützen?Bei allen Downloads aus dem Internet ist Vorsicht geboten. Das BSI warnt davor, dass sich in der Flut von Gratis-Programmen und Dateien unzählige Schadprogramme verstecken, die dann den Rechner infizieren. Manche davon verbreiten sich auch über USB-Sticks, weshalb man diese am besten nicht mit anderen austauschen sollte. Bemerkt man die Infektion, sollte man an einem "sauberen" PC umgehend alle wichtigen Passwörter, besonders von Online-Händlern oder Auktionshäusern, ändern. Die Kontoauszüge sollte man in der nächsten Zeit stets kritisch prüfen, da Betrüger an Kontodaten gelangt sein könnten und nun im Namen des Geschädigten Geschäfte tätigen. Quelle: REUTERS
PhishingDas Wort, das wie "Fischen" klingt, ist in aller Munde. Im Prinzip geht es auch genau darum: Abzocker werfen die Angelrute nach Passwörtern aus. Auf gefälschten Internetseiten, die etwa denen von sozialen Netzwerken oder Banken täuschend ähnlich sind, geben ahnungslose Nutzer ihre Daten ein - und sind sie auch schon los. Die Betrüger sind auf Passwörter, persönliche Daten oder Kreditkartennummern aus. Wie kann man sich schützen?Grundsätzlich sollte man bei E-Mails, die etwa scheinbar von der Bank oder einer Firma kommen und die den Empfänger dazu auffordern, seine Daten zu aktualisieren, misstrauisch sein. Diese Mails werden massenhaft verschickt und die Angreifer spekulieren darauf, dass einige der Adressaten tatsächlich Kunde bei dem vorgegebenen Unternehmen ist. Um so einen gefälschten Link zu enttarnen, muss man mit der rechten Maustaste auf den angegebenen Link in der E-Mail klicken und dann "Quelltext anzeigen" auswählen, rät das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). So kann man erkennen, was sich tatsächlich hinter dem "offiziellen" Link verbirgt. Quelle: dpa/dpaweb
Spam, Spam, SpamSpam- oder auch Junk-Mails sind nicht nur ärgerlich, weil sie den Posteingang zumüllen. Lädt man die Massen-Mails herunter, können dem Nutzer je nach Internet-Anbieter Kosten für den Datenverkehr entstehen. Laut BSI entstehen jedes Jahr Kosten in Milliardenhöhe für Versand, den Zeitverlust fürs Lesen, das Entfernen oder sogar Beantworten des elektronischen Schrotts. Wie kann man sich schützen?Egal wie sehr man sich ärgert, man sollte niemals auf ungewollte Newsletter oder Werbepost antworten - denn die Nachrichten werden oft vollautomatisch an Hunderttausende per Zufallsprinzip erstellte Mailadressen versandt. Reagiert der Adressat auf die unerwünschte Müllpost, zeigt er nur, dass ein realer Nutzer erreicht wurde, und erhält noch mehr Spam. Wird man immer vom gleichen Absender belästigt, kann ein Filter im Mail-Programm helfen, der den Spammer blockiert. Bei extremer Belästigung hilft oft nur noch die Aufgabe der Mail-Adresse und das Erstellen einer neuen - bei der man dann wesentlich vorsichtiger damit umgehen sollte, wo und wem man sie weitergibt. Quelle: AP
Geschenke und GewinnspieleWenn beim Surfen plötzlich ein Browserfenster aufgeht, dass man ein Handy oder gar eine tolle Kamera gewonnen hat, kann man sich doch freuen - oder? Mitnichten! Die Verbraucherzentralen warnen vor solchen vermeintlichen Geschenken, denn es sind nur fiese Köder, die zum Beispiel von den Kosten für das Gewinnspiel ablenken sollen. Oft sind die Betrüger aber auch hier einfach auf die intimen Nutzerdaten aus. Wie kann man sich schützen?Vorsicht bei verlockenden Gewinnspielen und angeblichen Präsenten von Anbietern zweifelhafter Seriosität - denn wer hat schon etwas zu verschenken? Die persönlichen Daten wie Name, Alter, Anschrift, Telefonnummer oder E-Mail-Adresse landen meist nur bei Adressensammlern, die diese dann in Paketen weiterverkaufen und sich so die Taschen füllen. Das einzige, was sich beim Opfer füllt, ist dann der Anrufbeantworter oder das Mail-Postfach, und zwar mit nerviger, ungewollter Werbung. Im Zweifelsfall also lieber: Finger weg! Quelle: dpa
Betrug per AppSmartphones sind ja sehr praktisch. Auch unterwegs hat man nicht nur ein Telefon, sondern eben auch immer einen Zugang zum Internet dabei. Doch auch bei dieser neuen Spielerei finden natürlich Betrüger Mittel und Wege, um Nutzern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Abzocke per App, also einem kleinen Programm auf dem Handy, nimmt laut Verbraucherzentrale zu. In Spielen oder anderen Anwendungen, die erstmal gratis heruntergeladen werden können, verbergen sich meist kleine Werbebanner, etwa mit Hinweisen auf eine Erweiterung (zum Beispiel: "Hier gibt's neue Level" oder ähnliches). Berührt man die Stelle auch nur aus Versehen, kann das teuer werden, denn oftmals werden so über die Handynummer Käufe oder sogar Abos getätigt, die bis zu 60 Euro pro Monat kosten können. Wie kann man sich schützen?Die Verbraucherzentrale stuft einen Vertrag, der über das bloße Antippen eines Banners zustande kam, als ungültig ein. Die Bundesnetzagentur prüft derzeit einen Gesetzesverstoß. Geschädigte müssen sich selbst kümmern. Die Verbraucherzentrale rät dazu, den Vertragsabschluss gegenüber dem Mobilfunkprovider und der App-Firma zu bestreiten, und es zu kündigen. Vorbeugend können Smartphone-Nutzer eine sogenannte Drittanbieter-Sperre verhängen, die verhindert, dass dubiose Geschäftemacher über die Handyrechnung Geld einziehen können. Quelle: dapd
Lösegeld-ErpressungLösegeld-Erpressung? Ja, das gibt es auch im digitalen Bereich. Mit sogenannter Ransomeware wird der Rechner infiziert (zum Beispiel per E-Mail-Anhang oder auch per Facebook-Link), und der Nutzer kann auf einmal nicht mehr auf einzelne Dateien, Ordner oder gleich seine ganze Festplatte zugreifen. Für die Freigabe der Daten-Geiseln fordern die Schadprogramme Geld, das per anonymer Überweisung ins Ausland gehen soll. Berühmtheit erlangte der Bundespolizei-Trojaner, der Betroffenen vorgaukelte, eine offizielle Polizeibehörde habe den Rechner verschlüsselt, weil ungesetzliches Material (etwa Kinderpornografie) darauf gefunden worden sei. Wie kann man sich schützen?Alle Programme inklusive Antivirensoftware sollte immer auf dem neusten Stand gehalten werden. Vor allem gegenüber E-Mails von unbekannten Absendern, die Links oder Anhänge enthalten, sollte man misstrauisch sein. Ein beliebter Verbreitungsweg ist auch das soziale Online-Netzwerk Facebook: Hier verbreiten sich die Schadprogramme über Links in automatisch geposteten Videos oder Fragen, die zum draufklicken animieren (zum Beispiel: "Bist du das auf dem Foto?" oder "Total krasses Video!"). Hier heißt es wachsam sein, nachdenken und erst dann klicken. Hat man sich infiziert, sollte man auf keinen Fall zahlen und zudem Anzeige bei der Polizei erstellen. Quelle: dpa
berTeure AbofallenEigentlich wollte man doch nur über eine Website ein paar Gratis-SMS verschicken. Und nun flattert eine astronomische Rechnung ins Haus. Angeblich kostenfrei zu versendende Kurznachrichten oder Spiele, Logos und Klingeltöne, die man sich zu sagenhaft günstigen Preisen herunterladen kann, sind eine beliebte Abofalle. Nutzer übersehen das Kleingedruckte und schließen nichts ahnend ein teures Abonnement ab. Wie kann man sich schützen?Auch wenn es lästig ist: Man sollte auch bei scheinbar kleinen Beträgen für ein Onlinespiel oder vermeintlichen Gratis-Angeboten sehr genau darauf achten, was sich im Kleingedruckten versteckt. Man sollte sich genau durchlesen, welche Leistung verkauft wird und auf Schlagworte wie "wiederkehrende Leistung" achten - denn das ist nichts anderes als ein Abonnement, das richtig teuer werden kann. Quelle: gms

Online-Banker aufgepasst: Jeder fünfte Phishing-Versuch hat es auf die Zugangsdaten für Finanztransaktionen im Internet abgesehen. Das zeigt eine neue Analyse des Sicherheitsexperten Kaspersky Security Networks. Danach zielten 20,6 Prozent aller aufgezeichneten Attacken zwischen Mai 2012 und April 2013 auf Online-Konten bei Banken und Finanzdienstleistern ab.

Das Phishing ist bei Cyberkriminellen offensichtlich immer noch sehr beliebt. Dass vor allem Bankdaten für sie profitabel sind, hat einen einfachen Grund. Während die Zugangsdaten zu Sozialen Netzwerken, E-Mail-Konten oder Konten bei Suchmaschinen erst noch verkauft werden müssen, um tatsächlich Geld damit zu verdienen, lässt sich mit der Erschleichung von Zugangsdaten zu Bankkonten oder Konten bei Online-Shops direkt Kasse machen. Das erklärt, warum bereits jeder fünfte Phishing-Versuch auf derartige Nutzerdaten abzielt.

Worauf Bankkunden so alles hereinfallen
„Dies ist very wichtig...“Phishing ist ein großes Problem. Laut Kriminalstatistik sind jedes Jahr mehr als 5000 Fälle des Internetbetruges. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein und jeder Internetnutzer dürfte schon mal eine zweifelhafte E-Mail im Postfach gehabt haben. Betroffene können Phising-Mails bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen einfach in einem Online-Forum melden. Nicht immer sind aber Profis am Werk. Wer die Betreffzeile dieser E-Mail gelesen hat, wird wohl kaum auf den Betrüger hereinfallen. Diese Mail ist wohl das zweifelhafte Ergebnis einer Übersetzungssoftware. Handelsblatt Online zeigt eine Auswahl der kuriosesten Betrugsversuche aus dem Phishing-Radar der VZ-NRW. Quelle:
„Wir alle kennen und respektieren Sparkasse"Die Verfasser dieser E-Mail machten sich augenscheinlich gar nicht erst den Aufwand, die Sätze zu Ende zu formulieren. Doch auch die Absender-Adresse sollte Empfänger skeptisch stimmen: „Sparkaseen" gibt es in Deutschland wahrhaftig nicht. Auch bei weniger missglückten Mail warnen die Verbraucherschützer zur Vorsicht. Wenn Bankkunden die Mail nicht zu hundert Prozent identifizieren können, droht Gefahr. Die Links sollten dann auf keinen Fall angeklickt werden. Vor allem dann nicht, wenn im Browserfenster lange kryptische Anhänge sichtbar werden. Quelle:
„Wir Unmut zu verkünden"Gleiche Abschiedsfloskel, anderer Absender: Die Betrügeradresse hat nun ein „s" hinzugewonnen, doch von dem zusätzlichen „e" will man sich wohl nicht verabschieden. Auch die Deutschkenntnisse haben sich nicht wirklich verbessert. Quelle:
„LinkklickenundbestätigenSie"Nicht immer sind Phishing-Mails lästig, oft haben sie durchaus einen Unterhaltungswert. So auch dieses Beispiel: Der Verfasser dieser E-Mail hatte offensichtlich Probleme mit seiner Leertaste. Quelle:
„Folgen Sie den versorgten Schritten"Schon um einiges professioneller wirkt dieses Exemplar. Wer die E-Mail nur überfliegt, geht leicht in die Falle. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät: Wer auf diesen Links zur "Höflichkeitsmahnung" klickt, hat ein Problem. Kunden sollten die Adresse Ihrer Bank am besten manuell in das Browserfenster eingeben oder direkt als Favorit anlegen. Sichere Verbindungen erkennt man an einem Schlüsselsymbol im Browserfenster oder aber an dem Kürzel „https" am Anfang des Links. Quelle:
„Selbst grosse Weltunternehmen wie wir"In diesem Beispiel wird einfach die Regierung vorgeschoben: Auf Grund eines natürlich äußerst umstrittenen Gesetzes muss die Kreditkarte verifiziert werden - dagegen können auch internationale Großunternehmen nichts ausrichten. Wer einer solchen E-Mail auf den Leim geht, sollte sofort seine Bank informieren und bei der Polizei Anzeige erstatten, rät die Verbraucherzentrale. Quelle:
„Liebe geschätzte deutche Kreditkarteninhaber"Diese Bundesbank kennt den Namen ihres eigenen Landes nicht. Immerhin ist sie höflich, auch wenn es um die "nationale Sicherheit" geht. Quelle:

Die Ergebnisse werden durch eine zweite Umfrage von B2B International und Kaspersky Lab indirekt untermauert. Darin gaben 37 Prozent der befragten Banken an, während der vergangenen zwölf Monate mindestens einmal von einer Phishing-Attacke betroffen gewesen zu sein.

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Online-Banking ist in Deutschland sehr beliebt. Nach Angaben der Bitkom erledigen bereits 28 Millionen Nutzer ihre Bankgeschäfte im Internet. Damit gehören über 45 Prozent aller Bundesbürger im Alter von 16 bis 74 Jahren zu den sogenannten Web-Bürgern, die auch beim Online-Banking auf das Web vertrauen. Im EU-europäischen Schnitt sind es erst 38 Prozent. Auch beim Online-Banking werden mobile Geräte immer beliebter. Laut Bitkom fragt jeder fünfte deutsche Besitzer eines Smartphones seinen aktuellen Kontostand mobil ab oder tätigt unterwegs Überweisungen und Wertpapierkäufe. Hochsensible Aktivitäten also, auf die auch Cyberkriminelle längst mehr als nur ein Auge geworfen haben. 

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