App-Labor Smartphone-Apps im Härtetest

Gute Handyprogramme müssen leicht bedienbar sein. Dafür müssen die Apps komplexe Tests durchlaufen, die an Polizeiermittlungen erinnern.

Experten untersuchen mithilfe von Testpersonen regelmäßig die verschiedenen Smartphone-Apps auf Benutzerfreundlichkeit. Quelle: dpa

Klein und unscheinbar fristet die kleine Glühbirne ihr Dasein, oben rechts in der Ecke des Handybildschirms. Weiß auf rotem Grund, sollte sie schnell ins Auge fallen, denn hinter dem Symbol verstecken sich viele nützliche Funktionen. Doch das ahnt Simone (Name geändert) nicht, die auf der Suche danach gerade ratlos auf dem Display ihres iPhones herumtippt.

Simone, eine 32-jährige Bankangestellte, sitzt in einem schmucklosen Frankfurter Bürobau im Ostend, in einem zwölf Quadratmeter großen Raum. Vor ihr eine verspiegelte Glasscheibe, dahinter vier weitere Menschen, die jede ihrer Bewegungen verfolgen. Stünden in dem Raum nicht Getränke und belegte Brötchen, das Frankfurter Labor des Beratungsunternehmens Sirvaluse wäre die perfekte Szenerie für ein Verhör im sonntäglichen Tatort.

Doch hier geht es nicht um Mordfälle. Die Experten untersuchen mithilfe von Testpersonen Smartphone-Apps auf Benutzerfreundlichkeit. Auftraggeber heute ist der Autovermieter Avis. „Intuitive Bedienbarkeit ist einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren einer App“, sagt Projektleiter Jens Weinhold von Sirvaluse, der den Test gemeinsam mit dem zuständigen Avis-Manager Andreas Büring durchführt.

Etwa zehn Milliarden für Handysoftware

Rund zehn Milliarden Dollar haben Unternehmen 2010 weltweit für neue Handyprogramme ausgegeben, weil die Miniprogramme immer wichtiger werden, um Kunden an sich zu binden. Allein in Deutschland haben Handybesitzer laut dem Berliner Marktforscher ResearchToGuidance vergangenes Jahr 900 Millionen Apps heruntergeladen. Die Avis-App war mehr als 25 000 Mal dabei. Um Stolperfallen in der alten Programmversion auszumerzen, gibt der Autovermieter die Software nun in die Hände neutraler Testpersonen.

Zehn Apps, die Sie wirklich brauchen
Mobiler VirenfängerSmartphones sind kleine Computer – mit allen Vor- und Nachteilen. Dazu gehört, dass die vielseitigen Telefone auch für Hacker immer attraktiver werden. Weil bei Android-Handys verschiedene Stores zugelassen sind, von denen nicht alle seriös arbeiten, sind Viren bislang vor allem auf der Google-Plattform verbreitet. Die Norton Mobile Security Lite bietet einen kostenlosen Basisschutz vor Schadsoftware. Alternative: Auch die Anti-Viren-Software AVG bietet mit Antivirus Free einen Basisschutz an. Quelle: PR
WetterweckerWecker-Apps gibt es viele. Doch der wetter.com Wetterwecker weckt nicht nur, sondern sorgt gleich beim Aufstehen für gute Laune – zumindest, wenn er gutes Wetter ankündigt. Je nach aktuellem Wetter weckt die App mit den passenden Tönen und Hintergrundbild. Bei starkem Schnee oder Regen weckt der Wetterwecker auf Wunsch auch früher. Auf Wunsch kann der Wecker auch mit Musik aus iTunes wecken. Preis: 1,59 Euro für iPhone und iPad. Quelle: PR
Gratis-Speicher im NetzEine Anwendung, die auf keinem Smartphone fehlen darf, ist die virtuelle Aktentasche von Dropbox – die für alle relevanten Plattformen verfügbar ist. Überall kann auf die in der Dropbox hinterlegten Daten zugegriffen werden. Die Daten sind verschlüsselt auf Amazons Cloud-Server gespeichert. Unterordner können auch für andere Dropbox-Nutzer freigegeben werden. Den Nutzern stehen Speichergrößen von zwei Gigabyte (gratis) bis 100 Gigabyte zur Verfügung. Der kostenlose Speicherplatz kann durch das Werben neuer Nutzer vergrößert werden. Schöner Nebeneffekt von Dropbox: Mit der App ist auch gleich ein PDF-Reader verfügbar. Alternative: Bei der Gratis-App Strato Hidri können ebenfalls Daten in der Cloud gespeichert werden, hier sind fünf Gigabyte gratis. Quelle: Screenshot
Mobiler BahnfahrplanUnverzichtbar für alle Bahnreisenden ist die App der Deutschen Bahn. Der DB Navigator führt zum gewünschten Bahnhof und bietet immer die aktuellen Fahrpläne samt aktueller Verspätungen und Umleitungen. Die kostenlose App gehört zu Recht zu den populärsten in Deutschland – schon mehr als eine Millionen Mal wurde das Programm geladen. Auch für Reisen nach Frankreich, Österreich, Schweiz und in viele weitere europäische Länder kann die App verwendet werden. Quelle: PR
Fahrplan für Bus und BahnMit dem Android-App Öffi haben Sie Ihren stets aktuellen persönlichen Fahrplan für den öffentlichen Nahverkehr immer dabei – und zwar in vielen Ländern Europas, darunter Deutschland, Schweiz, Österreich, Belgien, Niederlande, Norwegen, Polen und Schweden. Vor allem für Deutschland ist die Abdeckung dabei nahezu flächendeckend. Die kostenlose App sagt Ihnen, wo und wann Bahnen und Busse fahren, inklusive Verspätungen und Schienenersatzverkehr. Quelle: PR
Schweizer TaschenmesserFür das iPad gibt es die MegaApp kostenlos – eine Sammlung einfacher Tools für das Tablet, die in vielen Lebenslagen helfen. Zu der App gehört unter anderem ein Taschenrechner, ein Währungsrechner, Würfel, ein virtueller „USB-Stick“ zum Austausch von Dateien mit dem PC/Mac über iTunes und eine Wasserwaage, die sich der Lagesensoren des Tablets bedient. Quelle: PR
Mobiler NotizzettelEine Erweiterung des Gedächtnisses verspricht die kostenlose App Evernote für iPhone, iPad, Blackberry und Android. Mit Evernote lassen sich Notizen jeder Art erstellen und verwalten - egal, ob Texte, Fotos oder Tonaufzeichnungen. Die so gemachten Notizen können dann mit Mac oder PC synchronisiert werden. Das ist deutlich effizienter als die Notizen an vielen verschiedenen Orten aufzuschreiben oder zu speichern. Auch die Software für Mac und Windows ist kostenlos. Quelle: Blackberry Evernote
iPhone-LeuchteAnders als so manches anderes Mobiltelefon verfügt Apples iPhone nicht über eine eingebaute Taschenlampe. Daher gibt es Apps, die das interne LED-Blitzlicht entsprechend  umfunktionieren. Eine kostenlose Apps, die diese Aufgabe übernimmt, findet sich im App-Store unter der schlichten Bezeichnung Taschenlampe. Sie zu installieren lohnt sich spätestens, wenn der Schlüssel in der Dunkelheit verloren wurde. Übermäßige Zweckentfremdung des LED-Blitzes als Taschenlampe führt allerdings zu schnellen Entleerung des Akkus. Quelle: PR
LebenshelferEin To-do-Zettel scheint auf den ersten Blick eine einfache Angelegenheit zu sein – doch auf die Feinheiten kommst es an. Die App  Things für 7.99 Euro organisiert alle vorhandenen Projekte und bevorstehenden Aufgaben und organisiert sie nach dem „Getting-Things-Done“-Prinzip, der Selbstmanagement-Methode des amerikanischen Zeitmanagement-Beraters David Allen. Das Prinzip: Aufgaben, die weniger als zwei Minuten benötigen, werden sofort durchgeführt. Alle anderen Aufgaben werden zunächst festgehalten und priorisiert – und erst dann nach und nach abgearbeitet. Statt an viele Dinge gleichzeitig zu denken, hat man damit immer den Kopf für die gerade aktuell anstehende Aufgabe frei. Bei Things lassen sich die jeweiligen Aufgaben auch mit Deadline eintragen. Alternative: Die App Omifocus für das iPhone ist noch umfangreicher und kostet 15.99 Euro. Die iPhone-App Toodledo ist mit 1,59 Euro deutlich günstiger und lässt sich unter anderem mit Kalender-Anwendungen wie Microsoft Outlook oder Apples iCal synchronisieren. Für Android ist beispielsweise die App Remember the Milk verfügbar. Quelle: PR
Visitenkarten digitalWorld Card verspricht ein Ende der Zettelwirtschaft bei den Visitenkarten. Die pfiffige Anwendung scannt die Visitenkarte einfach per Smartphone-Kamera ein und überträgt sie mittels Schrifterkennung digitalisiert in das Adressbuch. Die Schriftenerkennung funktioniert erstaunlich gut. Geht dennoch mal etwas schief, lässt sich jeder eingescannte Eintrag leicht per Software nachkorrigieren. Die iPhone-Variante kostet 4,99 Euro, im Android-Market kostet sie 4,43 Euro. Quelle: PR

Die stolpern schon über die Aufgabe, das Miniprogramm aufs Smartphone zu laden: Blackberry-Besitzer Bojan (Name geändert), ein 41-jähriger Industriekaufmann, steuert über seinen Bildschirm direkt die Web-Site des Autovermieters an. Dass er die Software im Softwareshop des kanadischen Blackberry-Herstellers Research-in-Motion findet, ahnt er nicht. Er kennt ihn gar nicht. iPhone-Nutzerin Simone hingegen hat die Software binnen einer Minute in Apples App Store gefunden und installiert.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%