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App oder Website Der Browser ist tot, es lebe der Browser!

So mancher hat schon die Grabrede auf den Browser geschrieben. Er sei veraltet, langsam und einfach keine Konkurrenz zu Apps. Warum aber auch beim Browser gilt, dass Totgesagte länger leben.

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Apple iPhone 6, Apps Quelle: dpa

Wenn Sie wissen wollen, wie morgen das Wetter wird - was tun Sie? Checken Sie die Wetter-App auf dem Handy oder öffnen Sie den Browser und schmeißen die Suchmaschine an? Und wie sieht es mit der Zugverbindung aus? App oder Website?

Immer mehr Menschen weltweit beantworten diese Frage mit „App, natürlich“. Smartphone- und Tablet-Besitzer verbringen mittlerweile 90 Prozent ihrer Nutzungszeit mit Apps. Per mobilem Internet-Browser surfen sie dagegen nur noch zehn Prozent. Das geht aus einer Studie der amerikanischen Marktforscher von Flurry hervor. Das bringt viele zu der Frage, ob der Browser heute überhaupt noch eine Relevanz hat.

Der Gesamtmarkt für Apps und der Anteil der B2B-Apps

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    Eines scheint klar: Mobil büßt er gegenüber den Softwareprogrammen aus dem App-Store Nutzer ein. „Mittlerweile spielen Apps die wichtigste Rolle für den User – oder sie werden sie zumindest sehr bald spielen“, sagt Jan Wolter, Geschäftsführer von Applause EU, einem Unternehmen das sich mit dem Qualitätsmanagement von Apps und Software beschäftigt.

    Der Smombie schätzt den Browser nicht

    Der Grund dafür liegt in den menschlichen Gewohnheiten, die sich in wenigen Jahren erheblich gewandelt haben. Ein Wort, das vergangenes Jahr zum Jugendwort des Jahres nominiert war, steht repräsentativ für diese Veränderung: „Smombies“ – eine Wortmischung von Smartphone und Zombie. Menschen also, die durch die Gegend laufen und nur noch auf ihr Handy starren.

    „Man hat sein Smartphone immer dabei, wodurch es bei den Nutzern einfach zur Gewohnheit geworden ist“, sagt Wolter. „Egal, ob ich nach dem Wetter gucken oder meinen Kontostand prüfen möchte – ich nehme das Gerät dauernd in die Hand und verbringe immer mehr Zeit auf dem Smartphone als am Computer.“

    Die besten Wohlfühl-Apps
    Achtsamkeits-Apps Quelle: mauritius images
    Headspace Quelle: AP
    Breathing Zone Quelle: Fotolia
    Equanimity Quelle: dpa-dpaweb
    Omvana Quelle: Presse
    Die Achtsamkeits-App Quelle: Fotolia
    Calm Quelle: AP

    Wer viel Zeit mit dem Smartphone im Internet verbringt, muss sich zuhause schließlich nicht mehr an den Computer setzen. Da scheint es geradezu natürlich, wenn die private Nutzung des großen Screens und damit des Webbrowsers zurückgeht und auch Unternehmen zwar nicht ihre Websites abschaffen, aber Kurs auf Mobil nehmen.

    „Wir sehen bei unseren Kunden, dass die meisten Inhalte im Web mittlerweile mobil ausgespielt werden“, sagt App-Experte Wolter. „Auch die Investments gehen in den Mobile-Bereich. 80 Prozent unseres Neugeschäfts sind Mobile Apps.“

    Ist der Browser schnell und praktisch genug?

    Die Frage ist, muss der Browser zu einer Art mobilen App werden um auch auf dem Smartphone attraktiv zu sein? Muss er neben der Parallelität von vielen verschiedenen Websites in Tabs nebeneinander gereiht wirklich ähnliche Funktionen wie Apps heute schon bieten? Also Bildbearbeitung, Spiele, Telefonfunktion?

    Bislang geht vieles auch mobil schon im Browser, frisst aber sehr viel Arbeitsspeicher und macht das Programm so häufig sehr langsam – und bringt es im schlimmsten Fall zum Absturz. Dagegen steht: „Die Nutzung in einer App ist einfacher. App-Nutzung ist im Vergleich zum Browser schneller und flüssiger und Apps binden Funktionen des Geräts mit ein, wie etwa die Kamera“, erklärt Wolter. „In einer gelungenen App sollte der Nutzer mit sehr wenig Aufwand, schnell und unkompliziert die Dinge machen können, die er möchte – ohne großen Lernaufwand“

    Apps bieten also im Gegensatz zum Browser Schnelligkeit gepaart mit Einfachheit und Bequemlichkeit. Sie öffnen zwar nicht die Welt ins gesamte World Wide Web, wie es der Browser kann, aber sie öffnen die Welt, die man möchte, wenn man ihr Icon auf dem Tablet anklickt.

    Vorsicht, die Alpha-Apps kommen!

    Gleichzeit werden Apps immer komplexer. Twitter beispielsweise umgeht externe Browser mittlerweile. Wer einen Link aus einem Tweet öffnet, wird nicht mehr über den Browser auf die entsprechende Website geleitet, sondern sie wird im „In-App-Browser“ von Twitter geöffnet. Das gibt der Twitter-App in Zahlen Traffic, den das Netzwerk eigentlich gar nicht hat und der Nutzer bleibt in der Zwitscher-Applikation und ist mit einem Klick wieder beim Vögelchen und nicht im Browser, der so viel andere Möglichkeiten als nur die Twitterwelt bietet.

    Die chinesische App WeChat geht noch weiter: Neben einem Messenger, vergleichbar mit WhatsApp, bietet sie einen Lieferdienst à la Lieferando, die Möglichkeit etwa das eigene Konto zu checken (wie sonst bei der Bank-App) und gleichzeitig die Chance etwa Promis zu folgen, wie es Twitter bietet.

    Solche Alpha-Apps können dadurch verschiedene Aspekte und Möglichkeiten des Internets verbinden und werden so zum idealen Zugangsportal zum Netz – so wie traditionell der Browser am Computer. Den Tod des Browsers bedeutet das aber noch lange nicht.

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      Diese Browser werden in Deutschland am häufigsten genutzt

      „In dem Moment, in dem das Handy zum Smartphone wurde, setzte, was Betriebssystem und Programme angeht, die gleiche Entwicklung ein, wie auf dem Computer“, sagt Tobias Arns, App-Experte des Digitalverbands Bitkom. Denn genau wie auf dem PC gäbe es mit den Apps – was am Ende auch nur einfache Softwareprogramme sind – auf dem Smartphone zum einen Programme, mit denen man eine bestimmte Welt öffnet und eben den Browser, der die Tür ins World Wide Web insgesamt aufstößt. Eine Revolution seien die Apps damit keineswegs gewesen, urteilt Arns. Das alles sei also keine Gefahr für die Existenz des Browsers.

      Moderne Browser können mehr als man meint

      „Mit jeder neuen Version bekommen die Browser mehr Funktionen“, so Arns. „Wenn Sie heutige Webseiten mit einer Version der gleichen Seite von vor fünf Jahren vergleichen, dann zeigt sich eine viel höhere Komplexität und meistens auch eine viel höhere Nutzerfreundlichkeit.“

      Außerdem bietet der moderne Browser – genauso wie viele Apps – eine Integration auf sämtlichen genutzten Geräten.  „Werden viele verschiedene Geräte genutzt, macht es natürlich Sinn, dass die ein Stück weit interagieren wie ein Gerät und es egal ist, welches man nutzt, weil die Daten überall gleichermaßen hinterlegt sind“, sagt Wolter.

      So werden die fünf bekanntesten Büro-Apps bewertet
      EvernoteEin neues Tool misst die Zufriedenheit der User mit verschiedenen Apps. Dazu werden bestimmte Qualitätsstandards wie Inhalt, Eleganz, Kompatibilität, Preis, Datenschutz zusammengefasst. Für jede Kategorie wird schließlich ein Score ermittelt. Ein Algorithmus filtert wertvolle Bewertungen und Rezensionen nach Schlüsselattributen. Ziel dahinter ist es, Unternehmen und Entwicklern aufzuzeigen, wie die App beim Nutzer ankommt und sie gegebenenfalls zu optimieren. Evernote schneidet im Vergleich beispielsweise gut ab. Allerdings nur bei Android Nutzern. iOS-Nutzer bewerten die App durchschnittlich. Der allgemeine Applause Score liegt unter iOS-Nutzern bei 66 von 100 Punkten. Am besten schneidet die Kategorie Datenschutz ab. Bei einem Score von 73 Punkten ist das der beste Wert. Das Erscheinungsbild der App überzeugt die Nutzer allerdings nicht sonderlich. Hier liegt der Score lediglich bei 51 Punkten. Android-Nutzer sind mit der App Evernote hingegen ziemlich zufrieden, worauf ein Applause Score von 80 Punkten schließen lässt. Keines der analysierten Attribute verhält sich auf einem unterdurchschnittlichen Stand. Mit einem Score von 80 schneidet die App auch in Punkto Eleganz überdurchschnittlich ab. Quelle: Screenshot
      WunderlistJe nach App wird die Relevanz der einzelnen Kategorien unterschiedlich hervorgehoben. Wunderlist bietet beispielsweise hohe Scores in den Kategorien Usability und Performance, was auch nicht sonderlich unwichtig im Bereich der Büro-Organisation ist. Insgesamt schneidet Wunderlist recht gut ab. Der generelle Score liegt bei iOS-Nutzern bei 75. Bei Android-Nutzern pendelt sich der Wert auf 67 ein. Sicherheitsbedenken der Anwender sollten die Betreiber der App allerdings nachdenklich stimmen. In beiden Fällen liegen die Score-Werte jeweils deutlich unter dem Durchschnitt. In Sachen Kompatibilität sind sich beide Nutzer-Gruppen einig: der Score liegt hier jeweils bei 58 Punkten und ist recht dicht am Durchschnittswert angesiedelt. Das Preis-Leistungsverhältnis wird von beiden Nutzern als ausreichend bis gut eingeschätzt. Quelle: Screenshot
      Any.doAny.do ist unter den iOS-Nutzern die Büro-App mit dem höchsten Applause Score insgesamt. Er liegt hier bei 77 Punkten. Dicht dahinter folgt die App Wunderlist mit 75 Punkten. Bei Android-Nutzern ist Any.do mit 65 Punkten im guten Mittelfeld angesiedelt. Die Scores der einzelnen Kategorien verhalten sich in Bezug auf Performance, Zufriedenheit und Usability bei beiden Anwendungen über den Durchschnittswerten. Nur der Preis fällt sowohl bei iOS und Android weit zurück. Im Gegensatz zu 66 für iOS und 67 für Android erreicht der Score beider Anwendungen jeweils nur 46 Punkte. Quelle: Screenshot
      Google DriveDie App Google Drive besticht nun nicht sonderlich durch allgemeine Zufriedenheit der Nutzer, wie die Analysen von Applause Analytics verraten. Der generelle Score für iOS liegt bei 47, für Android mit 60 ein wenig höher. Nutzer iOS-Anwendungen sind mit der Sicherheit der App gar nicht zufrieden. Hier gibt es anscheinend erheblichen Verbesserungsbedarf, wenn man sich den Score von 14 anschaut. Angemerkt sei auch die große Kluft im Verhältnis zu Android-Nutzern. Hier liegt der Score von 54 sogar über dem Durchschnitt. Der durchschnittliche Applause Score für Apps in Deutschland liegt für iOS bei 64.37, für Android bei 67.59. Die Zahl der durch Applause Analytics untersuchten Apps in Deutschland liegt für iOS bei 1.054.934, für Android wurden 1.615.071 Apps untersucht. Insgesamt hat Applause Analytics 6.993.748 Rezensionen von iOS-Anwendern und 10.315.650 Rezensionen von Android-Nutzern untersucht. Quelle: Screenshot
      Microsoft OneNoteDie App Microsoft OneNote erfüllt die Erwartungen der Nutzer in vielerlei Hinsicht nicht und bildet somit das Schlusslicht der fünf bekanntesten Büro-Apps. Der generelle Applause Score für iOS liegt bei 56, für Android bei 44. Besonders der Sicherheits-Faktor ist hier wieder auffällig. Die Scores liegen bei iOS-Usern bei 29, durchschnittlich erhält diese Kategorie jedoch einen Score von 54. Im Falle von Android sieht die Bilanz nicht besser aus. Der Score von 24 liegt zur Hälfte unter dem Durchschnittswert von 48.   Da Analytics lediglich Werte ausgibt, die auf Basis aussagekräftiger Rezensionen und einer Fülle von Bewertungen gemacht werden können, sind fehlende Daten zu bestimmten Attributen kein Hinweis auf Fehler. Im Fall von Microsoft OneNote wurde beispielsweise von Android-Nutzern nicht ausreichend Information zur Eleganz gegeben. Der Vergleich verschiedener Apps könnte dem User mit Hilfe von Applause Analytics wesentlich leichter fallen. Quelle: Screenshot

      Das ist bei Apps wie zum Beispiel Facebook oder Evernote ganz normal – aber nicht exklusiv für Apps reserviert. „Mittlerweile kann man sich auch im Browser anmelden und es werden bestimmte Informationen wie meine Surfhistorie, meine Passwörter und meine Favoriten gespeichert“, erläutert Arns. „Dadurch kann man auf allen Geräten, bei denen man sich anmeldet, egal ob Smartphone oder Laptop, auf die gleichen Informationen zugreifen.“

      Das Internet verändert sich, der Browser zieht mit

      Und wer den Browser tot schreibt, der ignoriert, dass wir im Büro dann doch lieber zum Computer greifen. Intensive Recherchen, vielfältige Suchen, Multitasking – all das widerspricht der App und befürwortet ganz klar den Browser – und zwar am großen Bildschirm. Denn bestimmte Funktionen erfüllt im Grunde nur er und die sogenannten Heavy-User mit einer zum Bersten gefüllten Tab-Leiste werden ihn auch weiterhin am Leben halten – plus ein paar andere kleine, aber klare Argumente.

      Digitale Welt



      „Der Browser büßt definitiv viele Use Cases ein. Die Sozialen Netzwerke Facebook und Twitter nutzt man heute mobil über die App und Nachrichten lesen Nutzer auch zumeist über die App, aber wenn ich nach etwas suche, dann brauche ich nach wie vor meinen Browser. Ich kann zwar die im Gerät integrierte Suche nutzen, aber die landet anschließend auch im Browser“, räumt auch Wolter ein. „Wir werden aber das Verständnis für das Internet bald vielleicht nicht mehr so haben wie derzeit noch.“ Wenn zukünftig etwa aus der Suche hinaus keine Website mehr aufgeht, sondern direkt eine App dann wird die Konkurrenz noch größer – aber sind wir mal ehrlich: Dann bräuchte jeder Nutzer mehrere hundert Apps und wenn jeder in seine App-Liste guckt und einmal checkt, wie viele der aktuellen Apps tatsächlich regelmäßig genutzt werden, ist diese Liste vermutlich häufig doch deutlich kürzer als angenommen. Da könne die Speicherkapazität und die App-Vielfalt schnell einander entgegen und dem Nutzer in Sachen Geschwindigkeit des Smartphones ganz andere Probleme mit sich bringen.

      Deshalb ist wohl das realistischste Fazit im Kampf um die Internetnutzer: „Webbrowser und Apps werden noch eine ganze Weile gleichberechtigt nebeneinander existieren“, schätzt App-Experte Arns. „Einfach weil beide Systeme ihre Berechtigung haben.“

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