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Apple Jobs präsentiert neues iPhone

Nummer 4 ist mit neuen Funktionen, besserem Display sowie längerer Akkulaufzeit gerüstet und kommt erstmals zeitgleich in den USA und Deutschland in den Handel.

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Apple-Chef Steve Jobs Quelle: REUTERS

Die Präsentation von Steve Jobs auf der Apple Entwicklerkonferenz am Montagmorgen in San Francisco mutete streckenweise wie eine Untersuchung beim Augenarzt an. „Sehen Sie hier, sehen Sie den Unterschied?“, fragte der Apple-Chef mehrfach seine rund 5000 Zuschauer im  Moscone Konferenzzentrum.

Vor sich auf der Leinwand prangten zwei Screenshots der Webseite der US-Tageszeitung New York Times: links in annehmbarer Qualität mit leichten Fransen beim Test, rechts hingegen gestochen scharf. Man musste wirklich kurzsichtig sein, um den ziemlich klaren Unterschied nicht zu bemerken. „Wir nennen es Retina, ein Display, das 326 Pixel pro Zoll darstellen kann“, sagt Jobs. Das vierfache des Vorgängermodells. Genug, damit das menschliche Auge keine einzelnen Bildpunkte mehr erkennen kann. Die Auflösung beträgt 960 x 640 Bildpunkte, der Kontrast beträgt 800:1. Schrift wirkt so wie gedruckt, besonders auf dem kleinen Display. „Wenn man Retina erlebt hat, will man nicht mehr tauschen“, schwärmt der Apple-Chef.

Retina stellt iPad Display in den Schatten

Um den Effekt auf der fernen Leinwand über der Bühne überhaupt demonstrieren zu können, hatte Apple extra einen Spezialprojektor besorgen müssen.

All das, um eins der Aushängeschilder der neuesten iPhone Generation zu bewerben – ein ultrascharfes Display. Dank seiner extrem hohen Auflösung kann das 3.5 Zoll große Display wesentlich mehr auf seinem Screen anzeigen, laut Apple rund 78 Prozent der Bildfläche des 9.7 Zoll großen iPad Bildschirm abbilden.

Am 24. Juni kommt Apples neues iPhone in Deutschland in den Handel, hiesige Preise konnte Apple noch nicht nennen.

In den USA wird es zum Preis von 199 Dollar für die 16 GB Version und 299 Dollar für den doppelten Speicherplatz verkauft werden, gekoppelt mit einem Zweijahresvertrag.  Neues Einstiegsgerät ist das Vorgängermodell 3GS, dessen Preis auf 99 Dollar gesenkt wird. Neu – und dort holt Apple den Rückstand zu Wettbewerbern auf – ist eine 5 Megapixel Kamera mit LED-Blitz, die gleichzeitig Videos in HD-Qualität aufnimmt. Auf der Vorderseite ist eine VGA-Kamera integriert, die Videokonferenzen via Mobiltelefon ermöglicht. Sie erfasst das eigene Konterfei. Man kann im Gespräch auf die hintere Kamera wechseln und so live zeigen, was man gerade vor sich hat – beispielsweise den tollen Sonnenuntergang über dem Meer oder das neue Enkelkind. Und das alles unterwegs.

Videotelefonie nur im Wlan

Im Apple-Slang heißt die Videotelefonie „Facetime“ und wie so oft überschlägt sich Apple beim Vermarkten. „Facetime hat mein Leben verändert“, gibt sich iPhone Softwarechef Scott Forstall beeindruckt. Nun ist das bei weitem keine Apple-Erfindung, Wettbewerber wie HTC und Samsung bieten das auch an. Aber Apple hat sich einen schöneren Begriff ausgedacht.  

Voraussetzung für die mobile Videotelefonie ist  allerdings drahtloser Internet-Zugang, derzeit funktioniert der Service nicht übers Mobilfunknetz. Zumindest nicht in den USA, der deutsche Exklusivpartner T-Mobile hat sich noch nicht dazu geäußert. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Netzbetreiber nicht davon begeistert sein werden, die in den Ballungszentren ohnehin überlasteten Mobiltelefonnetze noch weiter zu verstopfen – jedenfalls nicht ohne Aufpreis.

Eckiges Design im Edelstahlrahmen

Das neue iPhone 4 von Apple Quelle: REUTERS

In dem neuesten iPhone steckt der von Apple selbst entwickelte A4 Chip, der auch das iPad antreibt. Dank des stromsparenden Chips und eines etwas größeren Akkus gibt Apple Laufzeiten von bis zu 40 Prozent mehr gegenüber dem 3GS an, die Standbyzeit wird mit bis zu 300 Stunden beziffert, die Gesprächszeit in UMTS-Netzen im Schnitt mit sieben Stunden oder zehn Stunden Surfen via Wifi.  Bemerkenswert ist, dass Apple die größere Batterie in ein noch kleineres Gehäuse gezwängt hat. „Das iPhone 4 ist das flachste Smartphone der Welt“, behauptet Jobs.

Das Design des iPhones hat sich verändert, der halbrunde Rücken ist eckig geworden. Geanu wie schon vom Blog Gizmodo vorab mit Fotos eines iPhone Prototypen berichtet, der einem Apple-Ingenieur in einer deutschen Biergaststätte im Silicon Valley geklaut (Behauptung Jobs) - oder verloren wurde und von den Bloggern erworben (Version von Gizmodo).

Das Vorführmodell lag gut in der Hand, aber auch nicht viel anders die Vorgängervariante. Mit 137 Gramm ist es nur zwei Gramm schwerer als das 3GS und vier Gramm schwerer als das 3G – und damit als Unterschied nicht wahrnehmbar.

Nummer 4 ist nur 9,3 Millimeter dick und damit zweieinhalb Millimeter dünner als das 3GS, was man allerdings nur bemerkt, wenn man die Geräte direkt nebeneinander legt. Wie von Jobs versprochen, sticht das extrem hochauflösende Display ins Auge. Text und Fotos wirken gestochen scharf. Was um so stärker auffällt, da der Bildschirm des derzeitigen Modells ohnehin nur Durchschnitt ist. Allerdings dürfte „Retina“ frischgebackenen Besitzern von Apples iPad die Laune vermiesen. Warum konnte Apple so ein hochauflösendes Display nicht in seinen Flachcomputer einbauen, der ja gerade erst auf den Markt gekommen ist? Das hätte zwar das Gerät verteuert, aber nun fühlt sich das iPad schon wieder überholt an.

Panne bei der Präsentation

Spendiert hat Apple auch ein zweites Mikrofon, das Umgebungsgeräusche herausfiltern soll. Das ist bei anderen Mobiltelefonen, beispielsweise Googles Nexus bereits Standard. In die Gehäuse-Seitenwände des neuesten iPhones hat Apple in einem Metallstreifen alle Antennen für Mobilfunk, Wlan, GPS und Bluetooth integriert. Das erlaubt den Verzicht auf den Plastikrahmen, der bei den früheren Modellen nötig war, um die Empfangsqualität nicht zu beeinträchtigen. Ob sich dadurch auch der Empfang verbessert, muss sich erst noch erweisen.

Ein Film auf dem neuen iPhone Quelle: REUTERS

Bei der Präsentation kämpfte Perfektionist Jobs jedenfalls für einige Minuten mit der Fassung, weil seine Vorführtelefone auf der Bühne die angewählten Webseiten nur langsam (3GS) oder gar nicht (iPhone 4) aufbauen konnten. Nach kurzem Raunzer hinter die Bühne war klar, woran das lag. Im Saal, so verteidigten sich die Bühnentechniker kleinlaut, waren über 500 Basisstationen am Funken, die Jobs das Wlan-Signal raubten oder störten. Erst nachdem diese größtenteils abgeschaltet waren, konnte der Apple-Chef mit der Präsentation fortfahren.

Betriebssystem Update ab 21. Juni

Das iPhone4 wird mit dem neuen Betriebssystem iOS4 ausgeliefert, das unter anderem erstmals das sogenannte Multitasking beherrscht, also das gleichzeitige Ausführen von mehreren Anwendungen. Diese Funktion war seit langem überfällig.

Besitzer von iPhone 3G, iPhone Touch und iPhone 3GS können das Update ab 21. Juni kostenlos herunterladen. Beim iPad kommt es erst im Herbst. Beim iPhone 3G funktioniert das Multitasking jedoch nicht. „Die Hardware gibt das leider nicht her“, bedauert Jobs.

Muss man das neue iPhone kaufen? Wenn man den Vorvorgänger 3G besitzt und damit in der Regel einen bald auslaufenden Mobilfunkvertrag, ist die Entscheidung einfach. Die Investition beschert ein wesentlich besseres Gerät, mit beeindruckenden Display, Videotelefonie, Kamera mit Blitz, HD-Videorecorder und vor allem ein moderneres Betriebssystem mit der Möglichkeit so viele Anwendungen wie gewünscht gleichzeitig laufen zu lassen. Navigationsanwendungen beispielsweise machen so erst Sinn, weil man zum Telefonieren nicht mehr das Programm beenden muss.  Schwerer ist die Entscheidung beim 3GS,  das alle Funktionen des kostenlosen Betriebsystem-Updates nutzen kann. Wobei das Upgrade hier leichter fallen dürfte, falls der Akku des neuesten Geräts tatsächlich das hält, was Apple verspricht. 

Und für Leser, die schon beim bloßen Erwähnen von neuen Apple-Produkten genervt sind, sei erwähnt: Nein, man muss das Gerät natürlich nicht kaufen. Auch Nokia, HTC, Samsung und Research in Motion (Blackberry) bieten exzellente Smartphones an. Deren Kaufpreis ist ohnehin nebensächlich, wenn von der Mobiltelefongesellschaft quersubventioniert. Teuer, und das gilt im Besonderen für das iPhone, ist vor allem der Unterhalt des Smartphones. Darüber können auch viele neue Funktionen nicht hinwegtrösten.

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