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Arbeitgeber-Bewertungsplattform Glassdoor eröffnet deutsche Niederlassung

Quelle: Fotolia

Der Konkurrenzkampf der Jobvermittler nimmt weiter zu. Mit einer Niederlassung in Hamburg will das amerikanische Portal Glassdoor jetzt seine Macht ausbauen – und den Druck auf Konkurrenten wie Kununu erhöhen.

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Erst jüngst hat sich der Fachkräftemangel in der IT noch einmal zugespitzt: Laut Branchenverband Bitkom sind derzeit 82.000 Stellen für Informatiker in der deutschen Wirtschaft unbesetzt – die Zahl stiegt binnen eines Jahres um knapp 50 Prozent. Das ermöglicht nicht nur ITlern und Programmieren immer höhere Gehälter, sondern treibt auch das Geschäft der Jobvermittler an.

Am Mittwoch eröffnet das amerikanische Portal für Arbeitgeber-Bewertungen Glassdoor in Hamburg seine deutsche Niederlassung. Zunächst wird dort ein fünfköpfiges Team arbeiten, das Bestandskunden auf der Unternehmensseite betreuen und das Geschäft mit Recruiting-Lösungen weiter ausbauen soll. Das Unternehmen mit Hauptsitz in San Francisco startete im Jahr 2008 und ist in den USA laut eigenen Angaben inzwischen die zweitgrößte Jobbörse.

Weltweit nutzen mehr als 67 Millionen Berufstätige monatlich die Glassdoor-Plattform, um nach Jobs zu suchen und sich über potenzielle Arbeitgeber zu informieren. Den Kern des Dienstes bilden weltweit mehr als 49 Millionen Arbeitgeberbewertungen und Erfahrungsberichte über fast eine Million Unternehmen. Der auf den deutschsprachigen Raum fokussierte Rivale Kununu kommt im Vergleich dazu auf 4,3 Millionen Insider-Informationen von über 900.000 Arbeitgebern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Auf Glassdoor finden Job-Interessierte diverse Hintergrundinformationen zu potenziellen Arbeitgebern – angefangen beim Unternehmensklima über Kantinen und sonstige Zusatzleistungen bis hin zum Gehaltsniveau. Zum deutschen Software-Konzern SAP etwa haben die Nutzer rund 775 Kommentar abgegeben und die Walldorfer mit 4,6 von 5 möglichen Punkten bewertet. 93 Prozent würden das Unternehmen einem Freund empfehlen; 95 Prozent befürworten Vorstandschef Bill McDermott – der damit auf Glassdoor gleichsam zum beliebtesten Manager 2018 avanciert.

Allerdings ging erst Ende Mai hierzulande Google for Jobs an den Start – und setzte umgehend die Jobsuche-Tochter des Springer-Konzerns Stepstone unter Druck: Laut dem Datenanalyseunternehmen Sistrix avancierte der neue Google-Dienst in Deutschland praktisch „über Nacht zum Marktführer“ in Sachen Sichtbarkeit, wie die WirtschaftsWoche Anfang Juni berichtete.

Rivale Glassdoor beginnt hierzulande ebenfalls nicht bei Null: Bereits Anfang 2015 starteten die Amerikaner die deutsche Webseite Glassdoor.de und die dazugehörigen lokalisierten mobilen Apps für Apple iOS und Android. Mehr als 2,4 Millionen Deutsche besuchen aktuell jeden Monat die Webseite und die mobilen Apps.

Zudem kann das neue Glassdoor-Office in Hamburg auf einer großen Basis an Geschäftskunden aufbauen, die bisher aus den anderen europäischen Standorten in Dublin und London betreut wurden. Dazu zählen unter anderem Continental, SAP, Bayer, Zalando, Siemens, Puma and Deutsche Bank. Diese nutzen bisher vor allem die verschiedenen Recruiting-Lösungen der Amerikaner, die dabei helfen sollen, potenzielle Bewerber für offene Stellen zu finden.

„Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, der den Arbeitsmarkt in Deutschland die nächsten Jahre weiter prägen wird, ist es ein guter Zeitpunkt, um das Büro in Hamburg zu eröffnen und die richtigen Jobsuchenden mit den richtigen Unternehmen zu verknüpfen“, sagt Glassdoor-Europachef John Lamphiere. „Unsere Plattform erlaubt Jobsuchenden, nicht nur einen Job zu finden, sondern sich darüber hinaus auch ausführlich vor ihrer Entscheidung über ihren zukünftigen Arbeitgeber zu informieren.“

Im vergangenen Jahr wurde Glassdoor von der japanischen Recruit Holdings übernommen und hat seitdem sein internationales Wachstum beschleunigt. Zu den bereits existierenden europäischen Standorten Dublin und London kam im März das französische Büro in Paris hinzu. Darüber hinaus startete das Unternehmen Anfang des Jahres weitere lokale Webseiten in Singapur, Hongkong und Neuseeland und kommt damit auf insgesamt 18 weltweit.

Rivale Kununu, der seit 2013 zum deutschen Business-Netzwerk und Job-Spezialisten Xing aus Hamburg gehört, zeigt sich von der Expansion des US-Rivalen unbeeindruckt. „Knunu ist die größte Arbeitgeber-Bewertungsplattform in Europa“, sagt Kununu-Chef Moritz Kothe auf Anfrage der WirtschaftsWoche. Nachdem man 2016 in den USA ein eigenes Büro eröffnet habe, komme nun halt Glassdoor nach Deutschland. „Und da besucht heute bereits jeder zweite Jobsuchende Kununu, um seine Jobentscheidung zu treffen.“ Direkte Maßnahmen als Reaktion auf Glassdoor plant Kothe daher nicht.

Glassdoor wiederum sieht dem Konkurrenzkampf mit Google gelassen entgegen – vor allem dank der Erkenntnisse aus den USA. „Dort ist Google for Jobs schon länger aktiv“, erklärt ein Glassdoor-Sprecher gegenüber der WirtschaftsWoche. Die Google-Suche belohne vor allem eigene Inhalte einer Webseite in der Trefferliste; dank der vielen Arbeitgeber-Bewertungen von den Nutzern schneide Glassdoor hier gut ab. „Unsere Erfahrungen sind daher positiv.“

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