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#aufschrei Sexismus-Debatte bei Twitter

Deutschsprachige Twitter-Nutzer schildern seit Donnerstag Erlebnisse von Alltagssexismus. Über 25.000 Mal wurde der dazu verwendete Hashtag #aufschrei in den letzten 48 Stunden erwähnt.

25.000 Tweets in 48 Stunden erschienen auf Twitter gegen Sexismus. Quelle: dpa

Twitter-Mems gab es schon viele. Aus einem oder einzelnen Tweets mit einem bestimmten Hashtag wird eine Lawine aus von hunderten, tausenden oder noch mehr Anwendern publizierten Twitter-Nachrichten, die Themen, Ideen oder Diskussionen im besten Fall einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Das in meinem Bewusstsein bis gestern noch immer präsenteste Beispiel für ein derartiges Phänomen in Deutschland war die kurzweilige Begeisterung über einen zerbrochenen Blumenkübel. Eine spaßige Sache, die allerdings wenig Weltveränderungspotenzial besaß.

Zehn Politiker-Patzer auf Facebook und Twitter
Julia KlöcknerBei der Bundesversammlung 2009 twitterte die CDU-Abgeordnete Julia Klöckner: "Leute ihr könnt wieder Fußball gucken. Wahlgang hat geklappt.“ Das Problem daran: Das offizielle Ergebnis vom Erfolg für Köhler wurde erst 15 Minuten später bekannt gegeben. Klöckner war Mitglied der Zählkommission. Sie verzichtete in der Folge auf das Amt der Schriftführerin des Parlamentes. Quelle: dpa
Steffen SeibertNachdem amerikanische Spezialkräfte das Versteck von Osama Bin Laden gestürmt und den al-Qiada-Führer getötet hatten, twitterte der Sprecher der Bundeskanzlerin Steffen Seibert: #Kanzlerin: „Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger, hat Grundwerte des Islam und aller Religionen verhöhnt." Seibert fiel schnell auf, dass er sich des Namens des amerikanischen Präsidenten bedient hatte, löschte die Nachricht und korrigierte sich. Quelle: dapd
Kristina SchröderHerzlich begrüßte die Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ihren Kollegen Hans-Peter Friedrich auf Twitter. "Ich begrüße - wenn auch 14 Tage zu spät :-) - meinen Kollegen Innenminister @HPFriedrich auf Twitter!" schrieb sie. Dumm nur, dass hinter @hpfriedrich gar nicht der werte Kollege steckte, sondern ein Fake-Accout. Quelle: dpa
Sylvia LöhrmannWie Kristina Schröder fiel auch Sylvia Löhrmann auf falsche Freunde herein, allerdings auf Facebook. Das ZDF berichtete, die NRW-Ministerin habe Freundschaftseinladungen von Personen angenommen, die sie nicht kennt. Diese wiederum hätten sich den Spaß erlaubt und sie ohne ihr Wissen zum Mitglied einer Gruppe gemacht, die für Sportwetten im Internet wirbt. Löhrmann bemerkte dies erst, als die ZDF-Redaktion sie darauf ansprach. Löhrmann trat sofort aus der Gruppe aus, da Sportwetten nicht mit der Auffassung der Grünen über Glücksspiel konform sind. Quelle: dapd
Sebastian EdathyAuf Facebook tickte der SPD-Politiker Sebastian Edathy aus. Ein Fotojournalist wies ihn im Zuckerberg-Netzwerk daraufhin, dass er urheberrechtlich geschützte Fotos auf Facebook verwendet hatte. Edathy reagierte patzig und schlug dem jungen Mann vor, doch einfach Klage einzureichen. Als dieser noch einmal genauer nachfragte, reagierte Edathy heftig: „Sie können mich mal kreuzweise.“ Der Dialog ist auf Facebook nicht mehr zu finden. Sowohl das Gespräch als auch die angesprochenen Fotos wurden gelöscht. Quelle: dapd
Peter Altmaier@peteraltmaier ist ein wahres Twitter-Vorbild unter den Politikern. Einmal hat er sich jedoch einen ordentlichen Rüffel eingefangen. Als der damalige Bundespräsident Christian Wulff sich weigerte, Journalistenfragen zur Affäre um seine Privatkredite öffentlich zu beantworten, twitterte der heutige Bundesumweltminister: „Wünsche mir, dass Christian seine Anwälte an die Leine legt und die Fragen/Antworten ins Netz stellt.“ Damit verärgerte er auch Kanzlerin Angela Merkel, die bis dahin versucht hatte, die Geschichte zu deckeln. Altmaier entschuldigte sich daraufhin für seinen Tonfall. Quelle: dpa
Hubert AiwangerMutig war ein Mitarbeiter von Hubert Aiwanger, Chef der Freien Wähler, als dieser sich entschied Blondinenwitze auf dem Facebook-Profil seines Vorgesetzten zu posten. Der hingegen fand das gar nicht komisch und zog sich als Reaktion komplett aus Facebook und Twitter zurück.   Quelle: dpa

Es mag sein, dass meine subjektive Wahrnehmung inhaltlich gehaltvollere Mems der letzten Zeit ausblendet. Doch am heutigen Samstag ist das egal. Denn gestern entwickelte sich rund um den Hashtag #aufschrei eines, das schon jetzt Geschichte geschrieben hat. Denn ein Problem von höchster gesellschaftlicher Bedeutung erreichte innerhalb einiger Stunden eine maximale Sichtbarkeit in der deutschsprachigen Twitter- und Blogossphäre – und breitete sich von dort über Mediendeutschland aus. Mehr als 25.000 Mal wurde der Hashtag innerhalb von 48 Stunden bei Twitter erwähnt (Spam nicht mitgezählt).

Das #aufschrei-Mem ist in zweifacher Hinsicht wegweisend: Zum einen sahen sich tausende zumeist weibliche Twitter-Nutzer dazu animiert, ihre Erlebnisse rund um im Alltag erlebten Sexismus zu schildern und damit Sorgen, Irritation und Frustration zu ventilieren, die sie bisher über mitunter lange Zeiträume mit sich herumgetragen haben. Gleichzeitig führte die schiere Quantität der Schilderungen zu einer breiten Auseinandersetzung mit dem Thema bei Twitter, in Blogs, bei nahezu allen Leitmedien des Landes und mit Sicherheit auch in diversen persönlichen Gesprächsrunden.

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