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ARCHIV - Ein Netzwerkkabelstecker leuchtet am 16.10.2014 in einer Netzwerkzentrale in Friedrichshafen (Baden-Württemberg) rot. Die Zahl der Cyberattacken und Fälle von Datenklau bei niedersächsischen Unternehmen steigt, ganz unabhängig von der Branche. Foto: Felix Kästle/dpa (zu dpa

Heute trifft es Zuckerberg, morgen dich!

Die ganze Welt hofft auf die Digitalisierung. Spätestens seit Hacker erneut Facebook knackten, muss aber allen klar sein: Es wird viel teurer als gedacht.

Konzernchefs mimen in der Öffentlichkeit gerne die Coolen. Das Geschäft läuft immer besser als gedacht. Probleme gibt es nie, höchstens Herausforderungen. Jeder kennt diese Phrasen aus dem Handbuch für nichtssagende Unternehmenskommunikation. Umso erfrischender ist die Erfahrung, wenn dieselbe Person in einem intimen Rahmen ungefiltert die Realität beschreibt. Da wirkt etwa der Top-Manager aus der Energiebranche plötzlich uncool, wenn er erzählt, wie er seine Kraftwerke verzweifelt vor Hackerangriffen schützt. Er spricht nicht von eleganten Softwarelösungen, sondern von brachialen Methoden. Seine Leute würden alle Verbindungen ins Netz kappen und auf pneumatische Steuerungen setzen.

Die Flucht ins Analoge ist die Ultima Ratio in einer Welt, die aufs Digitale setzt. Keine Entwicklung verändert den Alltag von Firmen und Menschen mehr. Keine schafft mehr Effizienzgewinne und so viele neue Geschäftsmodelle. Aber keine ist auch so verletzbar. Spätestens seit letzter Woche muss das jedem klar geworden sein. Ein weiterer Hackerangriff auf Facebook traf 50 Millionen Nutzerkonten – inklusive der Daten von Firmengründer Mark Zuckerberg. Der hat jetzt Anzeige erstattet.

Damit wirkt der König der sozialen Medien so hilflos wie der deutsche Mittelständler. Und das ist das Erschreckende. Absolut jeden trifft es früher oder später, egal, wie hochgerüstet seine IT-Abteilung dasteht. Bankenaufseher gehen sogar davon aus, dass in naher Zukunft ganze Institute tagelang lahmgelegt werden könnten – im schlimmsten Fall der Auslöser für die nächste Finanzkrise.

Obwohl Hackerangriffe immer öfter in den Risikoberichten der Konzerne auftauchen, wird die dunkle Seite der Digitalisierung noch zu oft verdrängt. Firmenchefs müssen Cyberattacken endlich als Bedrohung für ihr Kerngeschäft begreifen und nicht nur als lästige Nebenwirkung der Digitalisierung. Es spricht Bände, dass die Versicherungen das angebliche Wachstumsgeschäft mit den Cyberpolicen still und leise runterfahren – weil die Risiken unbeherrschbar sind.

Deutschland braucht nicht nur eine Cyberagentur, sondern dringend einen nationalen Aktionsplan zur Cybersicherheit von Bund, Ländern und Privatwirtschaft. Die Hacker dürfen nicht zur existenziellen Gefahr für Unternehmen werden. Die Digitalisierung wurde hierzulande schon zu spät angegangen. Sie sollte nicht auch noch zu naiv weitergeführt werden. Sonst müssen am Ende alle von der Pneumatik schwärmen.

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