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Beschaffung von Bürobedarf Eine der letzten analogen Bastionen soll fallen

Online ordern Internetportale wollen Unternehmen den Einkauf ihrer Materialien erleichtern (Illustration: Jochen Schievink)

Von Amazon bis Zalando – Onlineshopping ist im Endkundenbereich Alltag. Aber Bestellplattformen für Unternehmen gibt es nur wenige. Einige Anbieter wollen das nun ändern.

Florian Lordt hat es immer eilig: Der Gesellschafter der Go-on Group aus Düsseldorf hilft ausländischen Firmen, vor allem der Öl- und Gasbranche, in Deutschland Kunden zu gewinnen. Dazu vermittelt er Kontakte und lässt niemanden lange warten. Lordt hat keine Zeit, Kataloge zu wälzen, um Aktenordner und Büroklammern zu ordern, will sich nicht damit aufhalten, das Netz zu durchforsten nach Tintenpatronen, deshalb bestellt er „99 Prozent der Artikel, die wir brauchen“, über Crowdfox: Kugelschreiber, Marker, Hefter, aber auch Schreibtischstühle und neue Computer.

Bei dem Start-up aus Köln handelt es sich um eine klassische Plattform: Egal, welchen Lieferanten aus welchem Land der Erde Lordt auswählt – die Rechnung kommt immer von Crowdfox. Für den Kaufmann ist das vor allem bequem: Würde er etwa direkt bei einem chinesischen Lieferanten bestellen, erhielte er auch von ihm die Rechnung. Kein Problem? Nun, sie umsatzsteuerlich korrekt geltend zu machen sei gar nicht so einfach, sagt Lordt.

Deshalb Crowdfox: Das sogenannte Ein-Kreditoren-System erleichtert Lordt die interne Verbuchung seiner Einkäufe. Zudem arbeitet die Bestellplattform mit einem semantischen Matching: Alle auf der Internetseite angebotenen Produkte werden automatisch kategorisiert und sind für die Kunden auf einen Blick vergleichbar.

Noch ist Lordt eine Ausnahme. Die digitale Transformation hält zwar längst Einzug in Produktion, Logistik, Buchhaltung. Doch der Einkauf von Materialien wie Schrauben oder Büroartikel läuft immer noch oft weitgehend analog ab: anhand von dicken Papierkatalogen verschiedener Händler, die ihre Waren je anders gewichten und stückeln und damit den Preisvergleich erschweren.

Dem Privatkunden bieten sich dank zahlreicher Portale von Amazon bis Zalando längst Dutzende Möglichkeiten fürs Onlineshopping. Doch vergleichbare Angebote für die alltäglichen Besorgungen eines Unternehmens, die gibt es erst seit Kurzem. „Viele Unternehmen haben übersehen, dass jetzt eine Generation von Mitarbeitern ins Arbeitsleben drängt, die mit Einkaufsplattformen für den Eigenbedarf aufgewachsen ist“, sagt Kai Rohwerder, Digitalisierungsexperte bei der Unternehmensberatung EY: „Die wollen ähnlich einfache Lösungen im Unternehmen.“

Der Bedarf ist enorm, der mögliche Markt sehr groß: Laut Bundesverband für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) belief sich im Jahr 2016 das Beschaffungsvolumen von sogenannten C-Artikeln wie Kugelschreibern oder Schrauben in Deutschland auf mehr als 100 Milliarden Euro jährlich. Was alle C-Artikel gemein haben: Sie kosten einzeln wenig, sind aber aufwendig zu beschaffen, das heißt: Bei ihnen sind die Kosten des Einkaufs im Verhältnis zum Warenwert überproportional hoch. Entsprechend groß ist das Einsparvolumen durch die Digitalisierung. Softwareanbieter wie Crowdfox, aber auch Internetportale wie Wer-liefert-was oder Mercateo wollen den Einkauf raus aus der analogen Steinzeit und rein in die Netzgegenwart holen.

Die Internetseite von Crowdfox etwa wirkt auf den ersten Blick ähnlich wie die von Amazon oder Otto, nur gibt es zusätzlich einen eigenen Bereich für Geschäftskunden. Dort können Unternehmen aus mehr als 60 Millionen Angeboten wählen. Bis zum Ende des Jahres will Crowdfox-Gründer und Chef Wolfgang Lang die Marke von 200 Millionen Angeboten knacken. „Praktisch jedes Unternehmen sucht so eine Technik, wie wir sie haben“, sagt er selbstbewusst.

Die Idee, eine neue Onlineplattform für Unternehmen zu schaffen, hatte Lang vor vier Jahren: eine Webseite, auf der sich Waren leicht miteinander vergleichen lassen, nicht nur im Preis, sondern auch in ihrer Beschaffenheit. Die erste Million Euro zur Entwicklung nimmt Lang aus der eigenen Tasche; später sucht er sich auch Investoren. Inzwischen sitzt das Vergleichsportal Idealo mit im Boot, ebenso die Takkt AG, ein Versandhandelsunternehmen.

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