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Betriebssystem Microsofts unlösbare Aufgabe Windows 8

Totaler Fehlschlag oder großer Erfolg? Ein halbes Jahr nach dem Vertriebsstart ist das Urteil über Windows 8 tief gespalten. Warum es so kommen musste. Und, wie es mit Windows nun weiter geht.

Ein Besucher probiert in Berlin auf einer Veranstaltung zum Verkaufsstart von Windows 8 das neue Betriebssystem des Softwarekonzerns Microsoft. Quelle: dapd

Es ist der Fluch des Erfolges: Je besser sich ein Produkt in der Vergangenheit verkauft hat, je mehr Kunden es bereits benutzen, je weiter es im Markt schon verbreitet ist, desto schwerer wird es für den Hersteller, in Zukunft noch mehr davon unters Volk zu bringen. Irgendwann bekommt die schönste Wachstumskurve einen hässlichen Knick.

Es gibt kaum eine Branche und kaum ein Produkt, das von dieser Entwicklung, nicht schon betroffen war. Irgendwann hatte jeder Deutsche einen VW-Käfer, jeder Haushalt einen Fernseher, jeder Manager einen Laptop, jeder Koffein-Junkie seine Espresso-Maschine. Auf Wachstum folgt – bestenfalls – Austausch in einem gesättigten Markt. Und ist es ein großer Markt, dann ist es ein ebenso großes Austausch-Geschäft.

In einer Welt, die den digitalen Durchmarsch des Personal Computers erfolgreich durchlaufen hat, ist es für den Anbieter des dominierenden Betriebssystems dieser elektronischen Revolution nicht anders. Genau in diesem Dilemma steckt Microsoft mit seinem aktuellen Betriebssystem Windows 8. Die Windows-Plattform ist nach wie vor der Motor des PC-Zeitalters, sie verkauft sich zig-Millionen-mal.

Microsoft setzt Milliarden von Dollar damit um – alleine 5,8 Milliarden Dollar im ersten Vertriebsquartal nach dem Windows-Start im Oktober vergangenen Jahres und ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Und die Zahlen Ende des ersten Quartals 2013 werden natürlich wieder zehnstellig sein.

Die Windows 8-Kritiker
Das koreanische Unternehmen Samsung ist vom neuen Microsoft Betriebssystem Windows 8 nicht überzeugt. Zumindest haben die Koreaner begonnen ihre Tablet-PCs mit Windows RT, der Schmalspurversion von Windows 8, vom Markt zu nehmen. Grund dafür seien die geringen Verkaufsaussichten für die Gadgets. Laut heise.de sollen die Tablets auf in Deutschland nicht mehr ausgeliefert werden. Wie es mit anderen europäischen Ländern aussieht, ist bisher nicht klar. Quelle: dapd
Acer-Chef Jim Wong kritisierte Windows 8 in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Dabei sagte er, dass das System für den User viel zu kompliziert sei. Lesen Sie das ganze Interview. Quelle: Presse
Eine herbe Klatsche gab es auch vom IT-Experten Jakob Nielsen. Der Spezialist für die User-Interface-Kommunikation und kritisierte das Grundkonzept mit seinen zwei Bedienungskonzepten. Dadurch sei die Einarbeitungszeit an den Geräten zu lang. Allerdings habe er Hoffnung, dass der Nachfolger Windows 9 diese Anfangsfehler bereinigt haben könnte. Quelle: www.nngroup.com Quelle: Screenshot
Auch Microsoft-Gründer Bill Gates äußerte sich zu dem Vorzeige-Projekt seines Nachfolger Steve Ballmer. Im US-Fernsehen sagte er, dass Windows 8 der Schlüssel für die Zukunft sei. Gleichzeitig vermisse der Innovationskraft seines Unternehmens. Quelle: REUTERS

Das sind Absatz- und Umsatzzahlen, nach denen sich so mancher Großkonzern die Finger leckte. Warum also reißt dennoch die Kritik nicht ab, dass Windows 8 für den Softwareriesen aus Redmond alles andere als Erfolg sei, dass der Absatz eigentlich enttäusche und das neue Windows im Grunde sogar ein Fehlschlag für Konzernchef Steve Ballmer?

Weil Windows 8 die Antwort auf die Frage nach dem künftigen Wachstum eben noch nicht gibt, sondern bestenfalls andeutet. Im Januar vermeldete Microsoft in seinem Unternehmens-Blog, dass der Absatz des neuen Windows mit rund 60 Millionen Stück seit Marktstart in etwa auf dem Niveau des Vorgängers Windows 7 läge.

Der Sprung in den mobilen Markt

Windows 8 im Test - Schocktherapie für Nutzer
Flotter StartZum Start ein Fisch: Windows 8 startete in unserer virtueller Testumgebung auf einem aktuellen iMac innerhalb des Virtualisierungsprogramms Virtualbox binnen Sekunden. Der Fisch zeigt übrigens an, dass es sich um die Consumer-Vorschau-Variante des kommenden Windows-Systems handelt. Schon in der Beta-Version von Windows 7 kam der Kampffisch (Gattung Betta) zum Einsatz, aus der fertigen Version wird er verschwunden sein. Quelle: Screenshot
Wischen ist angesagt!Dann werden wir von einem schicken Login-Screen begrüßt. Nun gilt es bereits, sich dem neuen Windows-Paradigma zu nähern: Wischen statt klicken! Erst nachdem der Login-Screen mittels Wisch-Geste nach oben verschoben wurde, dürfen wir uns einloggen. Damit ist eine der beiden wichtigsten Gesten eingeführt: Das Wischen zum Scrollen von Inhalten. Die zweite wichtige Geste bei Windows 8 ist das einfach antippen einer Schaltfläche - der Doppelklick hat auf der Metro-Oberfläche ausgedient. Übrigens: Wer bei der Installation dem Wunsch von Microsoft widerspricht, sich einen Microsoft-Account für Windows 8 anzulegen, landet nach dem Start direkt auf der Metro-Oberfläche ohne den Login-Screen. Quelle: Screenshot
Kacheln statt FensterUnd dann das: Bunte große Kacheln statt Fenster. Auf einen Blick wird hier deutlich, warum Microsoft-Chef Steve Ballmer Windows 8 als die bislang “riskanteste Produktwette” von Microsoft bezeichnet. Windows 8 ist der bislang größte Traditionsbruch in der Geschichte des Windows-Systems, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1983 zurückreichen. Windows 8 hat sich von Windows Phone 7 inspirieren lassen, damit es sich genauso mittels Touch-Gesten steuern lässt wie mittels Maus auf dem PC. Anwendungen (“Apps”) und Widgets wie das aktuelle Wetter werden als Kacheln dargestellt. Für jede installierte Anwendung hängt Windows 8 eine weitere Kachel auf dem Startbildschirm an. Vorsortiert wird dabei nicht - die Sortierung übernimmt der Nutzer. Quelle: Screenshot
Anwendungen im Metro-GewandEin Klick auf die Kachel Internet Explorer und wir landen in dem Microsoft-Browser in der Metro-Variante. Bislang gibt es nur eine Handvoll mit Windows 8 ausgelieferte Microsoft-Programme, die in dem Vollbild-Metro-Modus laufen. Unter anderem von Googles Webbrowser Chrome und Mozillas Browser Firefox sind Metro-Varianten angekündigt. Ältere Windows-Software sieht dagegen auch unter Windows 8 so aus wie immer - und lässt sich damit per Touch-Bedienung nach wie vor nicht vernünftig bedienen. Anderseits ist die Bedienung der Metro-Programme mit der Maus äußerst gewöhnungsbedürftig. Nachdem wir eine Webadresse in den Browser eingegeben hatten, ist die Adressleiste plötzlich verschwunden. Erst ein Klick auf den unteren Rand des Fensters bringt sie zurück - und das erst nach einigem Ausprobieren. Alternative: ein Rechtsklick. Quelle: Screenshot
Anfängliche Verzweiflung: Wo geht’s hier raus?Und wie kommen wir nun aus dem Internet Explorer wieder raus? Ein “X” ist nirgendwo zu finden. Die altebekannte Tastenkombination Alt+F4 funktioniert auch nicht. Also schnell gegoogelt. Fazit: Wie bei einem Tablet-Konzept üblich, lassen sich die Metro-Apps gar nicht mehr so einfach beenden. Sie laufen im Hintergrund weiter und werden nur noch ausgeblendet. Und wie blendet man die App nun aus? Bei der Touchbedienung wird von rechts in den Bildschirm gewischt, um die sogenannten Charms - so nennt Microsoft das dann auftauchende Menü - herbeizuzaubern. Doch wie geht das mit der Maus? Erst ein Demonstrationsvideo von Microsoft bringt die Erkenntnis: den Cursor nach ganz unten oder ganz oben links bewegen. Damit werden die Charms rechts (siehe Screenshot) aufgerufen - und damit die Schaltfläche “Start”, um auf die Metro-Oberfläche zurückzukehren. Generell funktioniert mit der Maus vieles anders als mit der Touch-Bedienung - und manches ist auch unnötig verwirrend. Quelle: Screenshot
Zurück zum GewohntenFast wie Windows 7 sieht dagegen der klassische Desktop aus. Zu ihm gelangt der Nutzer jederzeit über den Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche. Hier lässt sich auch wie gewohnt das Dateisystem mittels Windows Explorer durchforsten. Auch ansonsten beruhigt den eingefleischten Windows-Fan hier endlich ein gewohnter Anblick: Im unteren Bereich ist immer noch die Taskleiste, in der links die laufenden Programme und rechts Systemicons wie Lautstärkeregler, Warnungen des Wartungscenters und ein Netzwerk-Symbol angezeigt werden. Quelle: Screenshot
Einfach drauf lostippenHaben Sie beim letzten Bild etwas bemerkt? Ganz wie Windows 7 sah der Desktop doch nicht aus. Was fehlt? Genau, der mit Windows 95 eingeführte Windows-Start-Button ist ersatzlos gestrichen worden. In der ersten nur an Entwickler gerichteten Vorschau von Windows 8 war er noch vorhanden. Wie kommt der Anwender nun an seine Programme? Die Antwort ist für alte Windows-Hasen sehr ungewohnt: einfach drauf lostippen. Das funktioniert elegant und superflink - allerdings nur von der Metro-Startfläche aus, nicht vom Desktop. Wie bisher lassen sich Verknüpfungen auf Programme aber auf den Desktop oder in die Taskleiste legen. Zum Start aller anderen Anwendungen führt nun aber kein Weg am Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche vorbei. Quelle: Screenshot

Das war eine gute Nachricht, und eine schlechte zugleich: Gut, weil Windows 7 nach dem zurecht gescholtenen Vorläufer Windows Vista ein großer Sprung nach vorne war – technologisch, wie ökonomisch. Eine Schlechte, weil konstante Verkäufe eben (sic!) kein Wachstum mehr bedeuten.

Das muss aus anderen Geschäftsfeldern kommen als dem traditionellen Geschäft mit Schreibtisch- oder Laptop-Computern. Und hier hat Microsoft in den vergangenen Jahren die Konkurrenz von Apple und Google mit seinen iPad- und Android-Tablet-Rechnern mangels wettbewerbsfähiger Software nahezu unbedrängt davon ziehen lassen. Auch, weil Windows 7 (wohl von der Programmierung aber nicht vom Bedienkonzept) für den Einsatz auf den Flachcomputern gänzlich ungeeignet war.

Diese Neuerungen bietet Windows 8

Entsprechend radikal musste der Umbruch in Optik und Design ausfallen, wenn Microsoft mit Windows 8 endlich eine wettbewerbsfähige Tablet-taugliche Plattform auf den Markt bringen wollte. Und genau das ist das vor ziemlich genau einem halben Jahr eingeführte Betriebssystem auch geworden: radikal anders und eine Zumutung für die etablierten Windows-Anwender.

Kein Wunder also, dass sowohl Anwender als auch Hardwarepartner über das neue Windows stöhnen, sich an konzeptionellen Brüchen stoßen und (völlig zurecht) den Verlust des vertrauten „Start“-Buttons bemängeln. Es gab und gibt jede Menge Erklärungsbedarf beim Kunden.

Und die Begeisterung der potenziellen Tablet-Kundschaft für die neue Oberfläche ist – für Microsofts Verhältnisse – noch sehr überschaubar. An die Absatzzahlen von iPad oder Android-Tablets jedenfalls reicht das neue Windows noch nicht heran, selbst wenn Umfragen speziell im Unternehmensumfeld großes Interesse für die entsprechenden Geräte ergibt. Doch das ist eben bisher nicht mehr als ein Versprechen.

Aber reicht das, um Microsoft abzuschreiben, um Windows 8 als Enttäuschung abzutun?

Das Massengeschäft für Tablets kommt noch

Die neuen Geräte mit Windows 8
Laptop oder Tablet-Computer? Was das IdeaPad Yoga 13 von Lenovo ist, hängt davon ab, wo Nutzer den Bildschirm hindrehen. Denn der lässt sich nicht nur im 90-Grad-Winkel aufstellen, sondern komplett umklappen. Im Vergleich zu Geräten wie dem iPad ist das IdeaPad jedoch relativ groß und schwer: Es misst 13 Zoll und wiegt 1,5 Kilogramm. Auch der Preis von rund 1300 Euro ist stattlich. Alternativ bietet sich das Lenovo Ideapad Yoga 11 (im Bild) an. Das Gerät ist mit seinem 11-Zoll-Bildschirm deutlich handlicher und mit 1300 Gramm auch etwas leichter. Kostenpunkt: 799 Euro. Quelle: dpa
Fliegender Wechsel: Das Vaio Duo 11 lässt sich mit einer Schiebebewegung vom Ultrabook zum Tablet verwandeln. Das flache, leichte und leistungsfähige Gerät hat allerdings seinen Preis: Sony vermarktet es ab 1200 Euro – auch für ein Ultrabook ist das nicht gerade günstig. Quelle: Sony
Premiere für Microsoft: Der Konzern beschränkte sich bislang auf die Rolle des Software-Lieferanten, jetzt bringt er mit dem Tablet-Computer Surface auch eigene Hardware heraus. Installiert ist Windows 8 RT, das für Geräte mit den stromsparenden ARM-Prozessoren konzipiert ist. In den USA kommt das Surface zu Preisen ab 500 Dollar auf den Markt, damit kostet ähnlich viel wie das iPad, bietet aber mehr Speicher. Doch es gibt Alternativen zum Microsoft-Flachmann. Quelle: Reuters
Ein klasisches Tablet hat auch Asus entwickelt, das VivoTab, das es mit WLAN wie auch mit UMTS-Anschluss gibt. Über ein verdecktes Scharnier lässt sich jedoch eine Tastatur mit Zusatz-Akku anschließen. In der günstigsten Version kostet das VivoTab rund 600 Euro, im Paket mit der Docking-Station 730 Euro. Auf diese Doppellösung sind auch andere Hersteller gekommen. Quelle: PR
Drehen, klappen, fertig: Das XPS 12 von Dell wird mit wenigen Handgriffen vom Ultrabook zum Tablet-Computer. Da es sich um ein vollwertiges Notebook handelt, ist nicht das abgespeckte Windows 8 RT an Bord, sondern die volle Version. Das Tablet-Notebook soll in Deutschland ab 1000 Euro kosten. Quelle: PR
Ein Konvertit ist der Ativ Smart PC von Samsung: Der Tablet-Computer lässt sich mit Fingergesten oder einem Stylus bedienen, wird aber mit einer Anstecktastatur zum Laptop. Der koreanische Konzern vermarktet eine ganze Reihe von Geräten unter dem Namen Ativ, darunter ein Smartphone mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8. Quelle: dpa
Ein klassisches Tablet ist das Elitepad 900 von Hewlett-Packard. Mit einen 10,1 Zoll großen Bildschirm ähnelt seine Größe dem iPad. Wer komfortabel damit arbeiten will, kann ihn mit sogenannten Smart Jackets erweitern, etwa um eine Tastatur oder einen Ständer mit diversen Schnittstellen und einem Zusatzakku. Zudem gibt es eine Docking-Station, die das Tablet zum zweiten Bildschirm eines PCs macht. Das Elitepad 900 kommt im Januar 2013 in den USA auf den Markt. Zum Preis hat sich HP noch nicht geäußert. Quelle: PR

Es wäre ein gefährlicher Irrtum. Denn bei aller Euphorie für Tablets im Endkundenmarkt, das Massengeschäft für die Flachcomputer bei Unternehmenskunden ist noch gar nicht richtig angelaufen. Gerade da aber wird Microsoft von der installierten Reichweite profitieren und massiv zulegen können. Umso mehr, als mit Windows 8 erstmals eine Tablet-taugliche Software existiert.

Und umso mehr als zumindest ein Teil der Mängel und Limitation des runderneuerten Windows vermutlich schon im Spätsommer oder Herbst von einem Betriebssystem-Update behoben werden könnten, dass gegenwärtig unter dem Codenamen „Windows Blue“ im Netz für Diskussionen sorgt.

Voraussichtlich auf der Entwicklerkonferenz „/build/“, deren Web-Seite Microsoft gerade erst freigeschaltet hat , wird der Konzern in San Francisco die nächste Betriebssystem-Version erstmals vorstellen. Auf der Build-Konferenz im September 2011 hatte Microsoft erstmals im Detail gezeigt, wie Windows 8 aussehen soll und den Entwicklern eine Vorschau-Software freigegeben.

Die Versionen von Windows 8

Was konkret sich mit „Blue“ ändern wird, verrät Microsoft bisher nicht – und auch der Codename dürfte sich primär auf die dominierende Farbe der Build-Webseite beziehen. Doch es spricht viel dafür, dass das nächste Windows mehr wird als die in der Vergangenheit üblichen „Service-Packs“, die regelmäßigen Updates während des Lebenszyklus’ eines Betriebssystems.

Der Strategiewechsel

Ob das nächste Windows dabei tatsächlich – neben behobenen Inkonsistenzen in der gegenwärtigen Bedienung – auch ein paar neue Funktionen mitbringt, Golem etwa berichtet von einem neuen Datei-Manager, einer Uhren-App oder einem Audio-Rekorder, ist eher sekundär.

Viel wichtiger ist der Strategiewechsel, den Microsofts oberster Kommunikationschef Frank Shaw vor ein paar Tagen im Konzern-Blog auch unter Verweis auf das nächste Windows ankündigte:  Es gehe um die “grundlegende Veränderung unseres Geschäfts von einer Softwarefirma zu einem Geräte- und Service-Unternehmen” schreibt Shaw unter Bezug auf Konzernchef Steve Ballmer. Der hatte im November vergangenen Jahres vor Aktionären von einer neuen Ära gesprochen, in der Microsoft auch Geräte baue und Dienste bereitstelle.

Office für unterwegs

Die Stärken und Schwächen der Tablets
Huawei MediaPad X1 7.0Auch die Chinesen begeben sich mit ihrem neuen Android-Tablet in den Wettkampf um den besten 7-Zöller. Was es bietet: Vorinstalliert ist das Betriebssystem Android (4.4.2). Die Bilder auf dem 7,2 Zoll großen Bildschirm werden mit 1200x1920 Pixel ausgespielt. Der interne 16 Gigabyte große Speicher kann auf 32 Gigabyte erweitert werden. Das Gehäuse besteht aus Aluminium und das Surfen im Netz per Turbo-Internet LTE möglich. Außerdem haben die Chinesen eine 13-Megapixelkamera eingebaut. Fazit: Die veraltete Android-Version ist sicher eine Enttäuschung, dennoch ist der Preis von rund 400 Euro für die ordentliche Hardware mehr als gerechtfertigt. Vor allem die gute Kamera macht neugierig. Quelle: REUTERS
LG G PadHandlich, ein gutes Display und tolle Software: Nach über zwei Jahren haben die Koreaner wieder ein Android-Tablet auf den Markt gebracht. Was es bietet: Der 8,3 große Display ist löst die Bilder mit 1920x1200 Pixel auf, was für eine sehr gute Bildqualität sorgt. Die Farben und Kontraste lassen sich individuell einstellen, was vor allem für farbenblinde Menschen eine große Hilfe ist. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff, die Rückseite aus gebürstetem Aluminium. Ein Manko ist, dass der Display nicht erkennt, ob das Gerät gezielt angesteuert wird oder der Daumen ausversehen darauf landet (anders als Apple mit dem iPad Mini). Auf der Rückseite ist eine 5-Megapixel-Kamera mit Autofokus eingebaut. Der Arbeitsspeicher beträgt 2 Gigabyte, der Flash-Speicher 16 Gigabyte. Über eine Micro-SD-Karte kann der Speicherplatz auf 64 Gigabyte erweitert werden. Fazit: Vor allem der Preis ist mit unter 300 Euro sehr fair und ein harter Konkurrent für Googles Nexus 7. Quelle: REUTERS
Lenovo YogaMit diesem Tablet ist Lenovo endgültig im Tablet Markt angekommen. Auf den ersten Blick macht das Gerät einen sehr guten Eindruck. Was es bietet: Was sich andere Hersteller als Zubehör teuer bezahlen lassen, hat Lenovo gleich integriert: Ein Standfuß, um den flachen Bildschirm aufrecht hinstellen zu können. Zum Fernsehen ist das besonders praktisch. In den Fuß haben die Entwickler den Akku eingebaut, der bis zu beeindruckenden 18 Stunden durchhält. Gleichzeitig lässt sich die Wölbung ideal als Griff benutzen, so dass das Gerät sehr gut in der Hand liegt. Das Yoga Tablet kommt in zwei Größen, mit einem 8-Zoll-Display (20 Zentimeter) oder mit 10 Zoll (25 Zentimeter). Beide Android-Modelle lösen Bilder mit 1280 × 800 Pixel auf. Zwei Kameras sind in das Tablet eingebaut, die rückwärtige allerdings ungünstig im Akkugriff. Sie löst mit fünf Megapixel auf. Fazit: Der Preis von 230 Euro in der W-Lan- oder 280 Euro in der Variante mit Mobilfunk ist sehr attraktiv. Auch das Yoga Tablet 10 ist günstig, hier liegen die Preise bei 300 und 350 Euro. Quelle: REUTERS
iPad AirDünner, leichter, schneller - Apple hat mit dem iPad Air seinem Tablet einen Feinschliff verpasst. Was es bietet: Der 9,7-Zoll Retina Display ist in einem neuen dünneren und leichteren Design verfügbar. Das iPad Air ist 20 Prozent dünner und 28 Prozent leichter als das iPad der vierten Generation und mit einer schmaleren Einfassung sind die Kanten des iPad Air deutlich dünner. Das neue iPad verfügt über die von Apple entworfene 64-Bit A7 Chip Desktop-Architektur. Sie beschleunigt die mobile Datenübertragung. Das gerät läuft mit dem Betriebssystem iOS 7. Fazit: Mit dem A7-Chip setzt Apple was Schnelligkeit angeht neue Maßstäbe. Entsprechend ist das Gerät vor allem für Heavy-User interessant. Quelle: dpa
iPad Mini 2Konzern-Gründer Steve Jobs lehnte 7-Zoll-Tablets noch ab. Nun vollzieht Nachfolger Tim Cook die Kehrtwende. Was es bietet: 389 Euro berechnet Apple für die 16-Gigabyte-Version ist das Mini. Im Gegensatz zum Vorgänger ist das neue Mini mit einem Retina Display (2048x1536 Pixel) ausgestattet. der Bildschirm ist nun7,9 Zoll groß. Filme werden mit einer Full HD-Auflösung wiedergegeben. Die 475.000 Apps wurden speziell für das iPad designt. Der A7 Chip bietet 64-Bit Desktop-Architektur, moderne Grafik und eine verbesserte Bildsignalverarbeitung früherer Generationen. Fazit: Wie schon der Vorgänger ist auch das iPad Mini 2 für Tablet-Neulinge eine gut Option. Verarbeitung und Bedienkonzept liegen auf gewohnt hohem Niveau, und auch das App-Angebot ist riesig. Quelle: AP
Lumia 2520 Kurz bevor die Smartphone-Sparte von Nokia an Microsoft abwandert, haben die Finnen noch ein eigenes Tablet vorgestellt. Was es bietet: Das Windows-RT-Tablet hat einen 10.1-Zoll großen Bildschirm und wird in vier verschiedenen Farben ausgeliefert. Eingebaut ist ein 2.2-GHz-Prozessor und eine Zeiss-Kamera. Per 4G, Wi-Fi und LTE können die Nutzer im Internet surfen. Nokia spielt vor allem seine Foto-Kompetenz aus. Die Apps Pro Cam und Smartcam kombiniert der Hersteller zur Nokia Cam. Außerdem hat das Tablet eine Software enthalten, die eine reihe von 5-MP-Bildern schießt und diese dann in einem Bild zusammenrechnet. Dadurch kann der Fotograf im nachhinein den Fokus verstellen und andere Bereiche im Bild isolieren. Fazit: Das Lumia 2520 ist ideal für alle, die sowohl ein Tablet als auch einen Laptop nutzen. An das Tablet lässt sich problemlos eine Tastatur anschließen. Der einzige Nachteil: Der App-Store von Windows Phone immer noch deutlich kleiner als der von Google oder Apple. Wer also ausgefallene App-Wünsche hat, wird bei dem Lumia 2520 eventuell darauf verzichten müssen. Quelle: dpa
Microsoft Surface 2Microsoft stellte die zweite Generation seiner Windows-Tablets Surface vor, die in vielen Details verbessert wurden. Seit Mitte Oktober ist das Tablet im Handel. Was es bietet: Die neuen Surface-Tablets seien schneller, leichter und verfügten gleichzeitig über eine längere Akkulaufzeit, versprach Surface-Chef Panos Panay. Auch diese Generation gibt es in zwei Varianten: Mit einem stromsparenden, aber leistungsschwächeren Prozessor auf Basis der ARM-Technik (Surface 2) sowie einem vollwertigen PC-Prozessor (Surface Pro 2). Eine Variante mit kleinerem Bildschirm stellte Microsoft dagegen nicht vor. Die Geräte werden ab dem 22. Oktober in Deutschland verfügbar sein. Die Preise bewegen sich zwischen 429 Euro für das Surface 2 mit 32 Gigabyte Speicher bis hin zu 1279 Euro für das Surface Pro 2 mit einem Speicher von 256 Gigabyte. Zusätzlich sollen Nutzer für zwei Jahre kostenlos auf jeweils 200 Gigabyte Speicher über das Cloud-Angebot SkyDrive zugreifen können; Telefonieren über Skype soll ein Jahr kostenfrei sein. Fazit: Die Hardware des Tablets ist ein echter Konkurrent zu Apples iPad. Allerdings ist das App-Angebot noch deutlich kleiner. Und die bestehenden Anwendungen sind längst nicht so ausgereift wie bei iOS. Ein Problem, das alle mobilen Endgeräte mit Windows 8 haben. Dafür ist das Surface 2 allerdings auch relativ teuer. Quelle: AP

Was er damit meinte, zeigt nicht nur Microsofts inzwischen eingeführter Tablet-Rechner „Surface“. Vor allem ist es ein Wandel weg vom klassischen Verkauf von Software-Boxen mit Windows- oder Office-CDs respektive –Lizenzen. Die Blaupause für das, was künftig wohl auch in der Windows-Welt passieren soll, liefert Microsofts aktuell wieder zweitwichtigste Sparte, das Office-Geschäft. Dort nämlich versucht der Softwareriese mit einer Art Abo-Modell für das neue Office 365 die traditionellen Einzelverkäufe durch kontinuierlich Service-Einnahmen zu ersetzen.

Wer sich statt der herkömmlichen Box, das neue Abo zulegt, bekommt nicht nur zusätzliche Optionen, die Software auf mehreren Rechnern zu nutzen und ein festes Minuten-Kontingent für Telefonat über den mittlerweile von Microsoft übernommenen Kommunikationsdienst Skype mit im Paket. Er kann die Office-Software sogar von beliebigen Computern aus (also etwa aus Internet-Cafés oder von Konferenz-Computern) für den zeitlich begrenzten Gebrauch aus dem Internet starten, und Dokument aus Microsofts Cloud-Speicher Skydrive bearbeiten. Ist alles erledigt, verschwinden Programm und Dokumente wieder spurlos vom Rechner.

Bewahrheiten sich die Prognosen mancher Visionäre, und vieles spricht dafür, dann wird das Windows der Zukunft seinen Nutzern ähnliche Optionen bieten. Der Weg ist vorgezeichnet, denn schon das aktuelle Windows 8 ist in der Lage, Oberflächeneinstellungen, Passwörter, E-Mail-Konten, Browser-Favoriten kontinuierlich zwischen den (Windows-8-basierenden) Endgeräten eines Nutzers abzugleichen – vom Schreibtischrechner über das Surface-Tablet bis zum Windows-Phone-8-Handy.

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Und künftig wird die Nutzerumgebung womöglich komplett vom Endgerät unabhängig, wird sich die virtuelle, „persönliche“ Windows-Oberfläche mit allen Links- und Dokumenten genauso von jedem Endgerät aufrufen und aus der „Cloud“ öffnen lassen. Spätestens dann wird ein wie auch immer genanntes „Windows X“ ebenso zum Abo-Service, wie das heute mit Office 365 schon der Fall ist.

„We're far from done“, schreibt Microsoft als Vorschau auf der Build-Seite: „Wir sind noch lange nicht fertig“. Das darf der Wettbewerb von Apple bis Google getrost als Kampfansage verstehen.

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