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Big Data Aigner fordert hohen Datenschutz

Big Data – Goldmine oder Dynamit? Im Rahmen des Safer Internet Day haben das Bundesministerium für Verbraucherschutz und der Internet-Verband Bitkom das Thema heiß diskutiert.

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Die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU). Quelle: dapd

Big Data – dieser Begriff steht für unstrukturierte Informationen aus verschiedensten Bereichen und in unterschiedlichen Formaten, die innerhalb kürzester Zeit gesammelt, analysiert und ausgewertet werden. Das Datenmeer wächst mit jeder Sekunde. Je mehr Daten, desto größer die Möglichkeiten der Auswertung, desto größer aber auch die Gefahr des Missbrauchs und des Kontrollverlustes. Um Fragen rund um das Thema zu diskutieren, luden am Dienstag - im Rahmen des Safer Internet Day - das Bundesverbraucherministerium und der IT-Verband Bitkom zu einer Konferenz unter dem Titel: „Big Data – Goldmine oder Dynamit?“ nach Berlin ein.

IT-Experten sind sich einig. Big Data wird das nächste große Ding, das das Handeln von Politik und Wählern, Unternehmen und Konsumenten beeinflussen wird. Eines der aktuellsten Beispiele, das gezeigt hat wohin die Reise gehen kann, ist der letzte Wahlkampf in den USA. Das Team von Barack Obama konnte dank genauester Analyse der Daten potentielle Wähler gezielt ansprechen und zum Kreuzchen bei den Demokraten bewegen. Die Wiederwahl Obamas wurde besiegelt. Ein anderes Phänomen ist der Internethändler Amazon, der die früheren Bestellungen und Suchen seiner Kunden speichert und so wie durch Zauberhand weiß, was einen noch interessieren könnte. Jeder kennt das überraschend genaue Ergebnis, das einem auf der Homepage direkt angezeigt oder auch per Newsletter zugeschickt wird. Auch bei Google ist die Datenverarbeitung das wichtigste Geschäftsmodell. In die Suche über die berühmte weiße Maske mit dem schmalen Schlitz fließen über den Algorithmus, der für die Ergebnisse verantwortlich ist, ebenfalls frühere Suchen ein.

Konkrete Big-Data-Beispiele

Und nicht nur hier ist Big Data möglich. Bitkom-Präsident Dieter Kempf betonte, dass mit der fortschreitenden Digitalisierung in den Bereichen Energie, Gesundheit, Verkehr, Bildung und öffentliche Verwaltung die Datenmengen noch einmal deutlich ansteigen werden: „Der Wert digitaler Infrastrukturen liegt in der sinnvollen, kontrollierten Nutzung von Daten zum Wohl des einzelnen Menschen sowie der Gesellschaft insgesamt.“

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner warnte in Berlin: „Big Data-Anwendungen bringen nicht nur große Potenziale für die Wirtschaft, sondern können auch zur Lösung gesellschaftlicher Probleme beitragen. Die Akzeptanz der Verbraucherinnen und Verbraucher für umfangreiche Daten-Analysen lässt sich aber nur gewinnen, wenn der Datenschutz auf hohem Niveau sichergestellt wird.“

Über 200 Teilnehmer, unter ihnen Datenschützer, Wirtschaftsvertreter, Verbraucherschützer, Bürgerrechtler und Vertreter aus Politik und Medien, waren der Einladung zum Safer Internet Day 2013 gefolgt. Der Safer Internet Day ist ein von der Europäischen Union initiierter weltweiter Aktionstag für mehr Sicherheit im Internet. Er findet jedes Jahr im Februar statt.

Bewegungsdaten können leicht zugeordnet werden

Mit Daten gegen Stau und Krebs
Big Data gegen den Stau: Forscher arbeiten an Systemen, die Verkehrsdaten in Echtzeit auswerten. Ziel ist es, dank intelligenter Steuerung das tägliche Stop and Go auf den Autobahnen zu vermeiden. Die Informationen liefern Sensoren in den Autos und am Straßenrand. Ein Pilotprojekt läuft derzeit beispielsweise in der Rhein-Main-Region, allerdings nur mit rund 120 Autos. Langfristig ist sogar das vollautomatische Autofahren denkbar – der Computer übernimmt das Steuer. Quelle: dpa
Es waren nicht nur gute Wünsche, die US-Präsident Barack Obama zur Wiederwahl verholfen haben: Das Wahlkampf-Team des Demokraten wertete Informationen über die Wähler aus, um gerade Unentschlossene zu überzeugen. Dabei griffen die Helfer auch auf Soziale Netzwerke zurück. Quelle: dpa
Was sagen die Facebook-Freunde über die Bonität eines Nutzers aus? Das wollten die Auskunftei Schufa und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam im Sommer 2012 erforschen. Doch nach massiver Kritik beendeten sie ihr Projekt rasch wieder. Dabei wollten die beiden Organisationen lediglich auf öffentlich verfügbare Daten zugreifen. „Die Schufa darf nicht zum Big Brother des Wirtschaftslebens werden“, warnte etwa Verbraucherministerin Ilse Aigner ( CSU). Auch andere sind mit Big-Data-Projekten gescheitert. Quelle: dapd
Bewegungsdaten sind für die Werbewirtschaft Gold wert. Der Mobilfunk-Anbieter O2 wollte sie deswegen vermarkten und sich damit neue Einnahmequellen erschließen. Dafür gründete er Anfang Oktober die Tochtergesellschaft Telefónica Dynamic Insights. In Deutschland muss die Telefónica-Tochter allerdings auf dieses Geschäft verzichten: Der Handel mit über Handys gewonnenen Standortdaten sei grundsätzlich verboten, teilte die Bundesregierung mit. Quelle: AP
Welches Medikament wirkt am besten? Die Auswertung großer Datenmengen soll dabei helfen, für jeden Patienten eine individuelle Therapie zu entwickeln. So könnten die Mediziner eines Tages die Beschaffenheit von Tumoren genau analysieren und die Behandlung genau darauf zuschneiden. Quelle: dpa
Damit die Energiewende gelingt, müssen die Stromnetze intelligenter werden. Big-Data-Technologien können helfen, das stark schwankende Stromangebot von Windrädern und Solaranlagen zu managen. Quelle: dpa
Welche Geschenke interessieren welchen Kunden? Und welchen Preis würde er dafür zahlen? Der US-Einzelhändler Sears wertet große Datenmengen aus, um maßgeschneiderte Angebote samt individuell festgelegter Preise zu machen. Dabei fließen Informationen über registrierte Kunden ebenso ein wie die Preise von Konkurrenten und die Verfügbarkeit von Produkten. Die Berechnungen erledigt ein Big-Data-System auf der Grundlage von Hadoop-Technik, an dem der Konzern drei Jahre gearbeitet hat. Quelle: dapd

 

Bundesverbraucherministerin Aigner erklärte bei der Veranstaltung außerdem: „Im digitalen Raum wird mit riesigen Datenmengen operiert. Es ist an der Zeit, klare Regeln und Grenzen für die Datennutzung zu definieren.“ Und weiter: „Gerade bei Big Data-Anwendungen muss der Datenschutz schon im Design berücksichtigt und die Selbstbestimmung der Betroffenen gewahrt werden, indem sie aktiv einwilligen müssen. Dies gilt besonders, wenn Nutzerprofile gebildet werden.“ Eine massenhafte Auswertung dürfe es nur bei anonymisierten Daten geben. Hierfür reiche es nicht, nur die Namen zu löschen. „Bewegungsdaten könnten leicht auch ohne Namen oder Telefonnummer zugeordnet werden, wenn jemand sich zum Beispiel am üblichen Aufenthaltsort zur Schlafenszeit orientiert oder bestimmte Aufenthaltsorte einer Person kennt“, so Aigner. 

Balance zwischen Innovation und Privatsphäre

Zum Schutz der Verbraucher und Internetnutzer forderte die Verbraucherschutzministerin, die EU-Datenschutz-Grundverordnung zügig voran zu bringen und den Datenschutz europaweit auf hohem Niveau festzuschreiben: „Das Datenschutzrecht muss endlich auch im Informationszeitalter verankert werden – und zwar auf europäischer Ebene.“ Dabei müsse das europäische Datenschutzrecht die Balance zwischen Innovation und Privatsphäre wahren: „Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Debatte über den Datenschutz angesichts immer perfekterer Aufzeichnungs- und Analysetechniken. Daher ist es wichtig, dass wir jetzt die Eckpfeiler für den Datenschutz und für Big Data setzen, bevor es zu spät ist.“ 

In Arbeit
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Bitkom-Chef Kempf erklärte: „Die ITK-Branche unterstützt das Vorhaben der EU, den Datenschutz in Europa auf ein einheitlich hohes Niveau zu bringen. Dabei muss aber verhindert werden, dass die neuen Regelungen eine sinnvolle Nutzung von Daten zu stark einschränken oder sogar unmöglich machen.“ Es bestehe die Gefahr, dass die bereits engen Spielräume für eine zulässige Datenverarbeitung weiter begrenzt und mit bürokratischen Informations- und Dokumentationspflichten überfrachtet werden. „Vorteile bringt nur ein sinnvoll eingesetzter Datenschutz“, sagt Kempf. Der Gesetzgeber solle stattdessen Anreize schaffen, damit Daten so oft wie möglich nur anonymisiert oder verschlüsselt verarbeitet werden, um Missbrauch zu verhindern. 

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