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Bitcoin Virtuelles Cybergeld boomt dank Euro-Krise

Der Wert der Hackerwährung Bitcoin ist in den vergangenen Wochen enorm gestiegen. Vor allem Spanier investieren aus Angst um ihr Bares in das Geld, das es nur im Internet gibt. Ein umstrittenes Unterfangen.

Die höchsten Inflationen aller Zeiten
Turkmenistan, Januar 1992 - November 1993Währung: Manat Tägliche Inflationsrate: 5,71 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,7 Tage Quelle: Institute for Applied Economics, John Hopkins University Baltimore Quelle: AP
Armenien, Oktober 1993 - Dezember 1994Währung: Rubel Tägliche Inflationsrate: 5,77 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 12,5 Tage Quelle: REUTERS
China, Oktober 1947 - Mitte Mai 1949Währung: Yuan Tägliche Inflationsrate: 14,1 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 5,34 Tage
Griechenland, Mai 1941 - Dezember 1945Währung: Drachme Tägliche Inflationsrate: 17,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 4,27 Tage
Deutschland, August 1922 - Dezember 1923Währung: Papiermark Tägliche Inflationsrate: 20,9 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 3,70 Tage
Republika Srpska, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,3 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage
Jugoslawien, April 1992 - Januar 1994Währung: Dinar Tägliche Inflationsrate: 64,6 Prozent Zeitraum, in dem sich die Preise verdoppelten: 1,41 Tage Quelle: dpa

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) ist nicht für anarchistische Experimente bekannt. Doch das könnte sich bald ändern. Denn der Berliner Landesverband des Naturschutzvereins hat kürzlich ein rundes goldenes Icon auf seine Homepage gestellt, darin ein fettes B, das dem Dollarzeichen ähnelt. Es ist das Symbol des Bitcoins, einer Cyberwährung. Sie existiert nur im Internet, kein Staat gibt sie heraus, keine reguläre Bank nimmt sie an. Der BUND Berlin jetzt aber schon.

„Als erster Umweltverband überhaupt akzeptiert der BUND Berlin e.V. auch Spenden in der Internetwährung Bitcoin“, heißt es auf der Homepage. Begründung: Das virtuelle Zahlungsmittel ermögliche es, „Kleinstbeträge weltweit, unkompliziert und mit geringen bis gar keinen Nebenkosten im Internet zu bezahlen“. Wer spendet, spendet also nur dem BUND – keine Bank, kein Zahlungsdienstleister verlangt für die Überweisung Gebühren.

Die Berliner Umweltschützer sind Teil einer weltweiten Bewegung. Die Cyberwährung, seit dem Jahr 2009 im Umlauf, boomt derzeit wie nie. Sie kursiert in Restaurants wie dem Room 77 in Berlin, bei NGOs wie der Enthüllungsplattform Wikileaks und in Geschäften wie dem deutschen Schuhversandhändler Schuhwelt.com.

Anders als bestehende Staatswährungen ist der Bitcoin digitales Geld, eine Parallelwährung aus Bits und Bytes. Mit spezieller Software lassen sich die virtuellen Taler so leicht von PC zu PC versenden wie E-Mails. Die Zahlungen werden direkt zwischen Computern ausgetauscht - ohne Umweg über eine Bank. Möglich macht das ein dezentrales Rechnernetz, ähnlich der einst von der Musikindustrie gefürchteten Online-Tauschbörse Napster.

Die Bankenkrise in Zypern hat dem Bitcoin nun einen ganz neuen Schub verpasst. Immer mehr Sparer flüchten offenbar in die Cyber-Währung – aus Angst, ihr Geld auf regulären Sparkonten zu verlieren, wenn es zu einer Bankenkrise kommt. Lag der Wert des Bitcoins bei der größten Bitcoin-Börse Mt. Gox zu Jahresbeginn noch bei 13,5 Dollar, so stiegt er am 23. März auf 60 Dollar – und liegt aktuell sogar bei 95 Dollar. Die im Umlauf befindlichen virtuellen Münzen sind inzwischen fast 980 Millionen Dollar wert. 

So bezahlen die Deutschen im Netz
Das Electronic-Commerce-Center Handel vom Kölner Institut für Handelsforschung und die Hochschule Aschaffenburg haben in ihrer aktuellen Payment-Studie "Der Internetzahlungsverkehr aus Sicht der Verbraucher", den Online-Kunden auf die Finger geschaut: Womit zahlen die Deutschen am liebsten, wenn sie online einkaufen? Und gibt es Unterschiede beim Bezahlverhalten, wenn der Kunde mit dem Smartphone oder am Computer shoppt? Für das Ranking haben sich die Wissenschaftler 7.958 Bezahlvorgänge von 993 Webshoppern angeschaut. Das Ergebnis: 0,7 Prozent nutzen giropay, ein Online-Bezahlverfahren, das auf der Überweisung des Online-Bankings basiert und von verschiedenen deutschen Banken angeboten wird. Hinter der Die giropay GmbH stehen Postbank, Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken. Eine Registrierung bei giropay ist nicht nötig, es genügt ein Girokonto, das für Online-Banking per TAN-Verfahren freigeschaltet ist. Bei Online-Einkäufen per Smartphone gaben 13,2 Prozent an, schon einmal giropay benutzt zu haben, 41,2 Prozent können es sich zumindest vorstellen, mit dem Smartphone per giropay zu zahlen. Quelle: Screenshot
Prepaid-Karten nutzen ein Prozent der Online-Shopper zum Bezahlen im Netz. Die Prepaidkarten gibt es, wie auch Handy-Prepaidkarten, im stationären Handel zu kaufen. Das jeweilige Guthaben kann dann bei Online-Einkäufen ausgegeben werden. Bei den Smartphone-Einkäufen haben immerhin 17,2 Prozent schon einmal auf eine solche Guthabenkarte zurückgegriffen. Quelle: Fotolia
Viele Geschäfte, die einen Online-Shop betreiben, bieten ihren Kunden an, die Ware online zu bestellen und in der Filiale abzuholen. Bezahlt wird dann bar oder mit EC-Karte bei Abholung. Das Prinzip widerspricht zwar dem Gedanken des E-Commerce, wird aber von Online-Kunden akzeptiert: 1,2 Prozent nutzen diese Option. Bei den Usern, die ihre Einkäufe per Smartphone tätigen, haben 18,2 Prozent schon per Handy bestellt und die Ware dann persönlich abgeholt und bezahlt. Quelle: dpa
Auf das Bezahlsystem ClickandBuy greifen 1,4 Prozent zurück. Bei den Smartphone-Shoppern ist das Bezahlsystem weiter verbreitet als bei den PC-Nutzern. 15,2 Prozent der Handy-Kunden haben das Bezahlsystem von der Telekomtochter schon einmal benutzt. Laut Unternehmensangaben kann weltweit bei mehr als 16.000 Online-Shops per Clickandbuy bezahlt werden. Bekannte Shops sind unter anderem T-Online Musicload, der Apple iTunes Store, Spiegel Online, Parship, Media Markt und buch.de. Quelle: Screenshot
Immer noch weit verbreitet ist die vergleichsweise teure Nachnahmezahlung, bei der der Kunde die Ware plus eine Gebühr beim Paketzusteller bezahlt. Zwei Prozent wählen diese Option beim Online-Einkauf. Mit dem Smartphone entschieden sich 17,6 Prozent für die Bezahlung bei Lieferung. Quelle: Presse
Das System Sofortüberweisung ist umstritten, weil beim Bezahlen mit diesem Dienstleister neben der Kontonummer auch die Online-Banking-Pin und die entsprechende Tan eingegeben werden müssen. Sofortüberweisung tätigt dann quasi die Online-Überweisung für den Kunden - mit dessen Daten. Eine solche Weitergabe der Pin und Tans verbieten viele Banken ihren Kunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Firma Sofort AG versichert, dass mit den Daten kein Schindluder getrieben wird und die Kunden scheinen dem Unternehmen zu vertrauen. 3,6 Prozent der Transaktionen, die die Studie untersucht, wurden mit Sofortüberweisung bezahlt. Bei den Einkäufen, die mit dem Smartphone getätigt wurden, waren es 22,1 Prozent. Quelle: Screenshot
Mit Amazon Payments können User ihre Amazon-Kundenkonten auch bei Onlineshops nutzen, die nicht zu Amazon gehören und müssen keine Zahlungsdaten wie Kontonummer und Bankleitzahl offenlegen. Für Händler, die diesen Dienst anbieten, müssen allerdings eine Transaktionsgebühr an Amazon zahlen. Für Amazon-Kunden ist das Modell kostenlos. Dementsprechend nutzen 5,3 Prozent ihr Amazon-Konto beim Online-Einkaufsbummel, auch wenn sie gar nichts bei Amazon einkaufen. Quelle: Screenshot

Für den starken Kurssprung sind aber offenbar nicht die Sparer aus Zypern verantwortlich – sondern vor allem Spanier, die sich mit Blick auf die Vorgänge auf der Mittelmeerinsel um die Sicherheit ihrer Tantiemen sorgen. Im iTunes-Store von Apple schossen gleich mehrere Apps, die Bitcoin-Transaktionen auf dem Smartphone oder Tablet ermöglichen, auf höhere Ränge – ein Hinweis auf gestiegene Download-Zahlen. Beliebt sind in Spanien etwa die Apps Bitcoin Gold, Bitcoin Ticker und Bitcoin App.

Auf Zypern will der kanadische Unternehmer Jeff Berwick nun sogar den ersten Bitcoin-Geldautomaten der Welt aufstellen. Die Cash-Maschine soll Bargeld annehmen und als Bitcoin auf einem Internet-Konto gutschreiben – und umgekehrt gegen virtuelle Münzen auch Bargeld ausgeben. „Ich sehe Bitcoin-bezogene Dienstleistungen als das nächste Milliarden-Dollar-Geschäft – oder auch Milliarden-Bitcoin-Geschäft“, schreibt Berwick in seinem Blog.

Der Meinung sind offenbar auch die Manager des Investmentshauses Exante aus Malta. Sie haben einen Bitcoin-Hedgefonds gestartet, mit dem Investoren mit 100.000 Dollar Mindestbeitrag auf die Bitcoin-Währung spekulieren können. 3,2 Millionen Dollar Vermögen seien bereits in den Fonds investiert, wie Exante-Manager kürzlich dem Wirtschaftsmagazin Forbes mitteilten.

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