Bitcoins Was die Anerkennung der umstrittenen Bitcoins bringt

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Die Anonymität ausgehebelt

Zehn exotische Zahlungsmittel
BiberfellIn früheren Jahrhunderten galt Biberfell in Nordamerika als Zahlungsmittel. Es gab nicht nur Wechselkurse für Biberfelle - gegen zwei Felle gab es beispielsweise ein Pfund Tabak - sondern auch etwas später auch Bibermünzen als Zahlungsmittel. Quelle: dpa
KanugeldIm Königreich Luang Prabang in Laos zahlten die Menschen früher mit einem bronzenen Barren, der wie ein Boot geformt war. Deshalb wurde dieser dortige Vorläufer des Münzgeldes Kanu- oder Bootsgeld genannt. Quelle: AP
Bild Ersatzgeld Havelblüten
Tee Quelle: REUTERS
Eingeborener auf Papua-Neuguinea Quelle: dpa/dpaweb
Kakao Quelle: obs
Bananenblatt Quelle: dpa
Baumwolle Quelle: AP
Zähne und SchmuckEine andere akzeptierte Zahlungsmethode, die ebenfalls auf den Salomonen beheimatet ist, sind Zähne und Schmuck. Auf Makira, Malaita und Guadalcanal können Einwohner mit Delfin- und Flughundezähnen bezahlen. Stirnbänder werden beispielsweise mit Zähnen und Muscheln verziert, um dann als Zahlungsmittel oder auch als Aussteuer eingesetzt zu werden. Das Muschelgeld, Loloi, wird von den Banken als Sicherheit akzeptiert. Loloi sind gerollte Muschelschnüre, die einen Durchmesser von ein bis zwei Meter erreichen. Quelle: dpa/dpaweb
BitcoinsBereits seit 2009 sind Bitcoins als digitale Währung im Internet verfügbar. Mittlerweile werden sie immer realer. Als erste Bank hat die Münchener Fidor Bank ihren Kunden den Handel mit Bitcoins angeboten, die Bank kooperiert dafür mit der deutschen Handelsplattform bitcoin.de. Dort kann das virtuelle Geld gegen Euro oder Dollar getauscht werden. Mittlerweile kann mit Bitcoins auch bezahlt werden, dafür brauchen sowohl Käufer als auch Verkäufer eine entsprechende Software auf Tablet oder Smartphone. Die Bezahlung erfolgt dann mit Hilfe eines QR-Codes. Quelle: REUTERS

Damit niemand Bitcoins schlicht kopieren und damit vervielfältigen kann, wird jede Transaktion in einem öffentlich einsehbaren Verzeichnis erfasst, das die Netzgemeinde mit der Bitcoin-Software betreibt. Sobald eine Überweisung darin vermerkt ist, akzeptieren alle Bitcoin-Nutzer die betreffenden Münzen nur noch vom neuen Besitzer. Dazu sind aufwendige Berechnungen nötig, die auf Tausenden privaten Computern stattfinden. Wer dem Netzwerk seinen Rechner zur Verfügung stellt, erhält als Gegenleistung virtuelle Münzen.

Online-Wechselstuben wie die japanische Web-Site Mt.Gox oder das deutsche Portal Bitcoin.de tauschen Bitcoins anschließend gegen Dollar, Euro und andere Währungen ein, Angebot und Nachfrage bestimmen den Kurs. In Umlauf sind derzeit rund 11,6 Millionen Münzen, der Kurs stand zuletzt bei 88 Euro pro Coin. Damit liegt der Wert aller verfügbaren Bitcoins bei mehr als einer Milliarde Euro. Zum Vergleich: Allein in Europa sind Scheine und Münzen im Wert von mehr als 800 Milliarden Euro im Umlauf.

Anonymität verhunzt

In Deutschland will der Internet-Unternehmer Oliver Flaskämper der virtuellen Währung zum Durchbruch verhelfen. Der 40-Jährige betreibt die Internet-Seite Bitcoin.de, über die 80.000 Nutzer monatlich Bitcoins im Wert von 3,7 Millionen Euro handeln. Flaskämper kassiert dabei eine Provision von einem Prozent. Die Online-Wechselstube mit Sitz im westfälischen Herford hat sich mit der Münchner Direktbank Fidor zusammengetan, und die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat die Kooperation im August genehmigt. Die Fidor Bank soll mit ihrer Lizenz dafür geradestehen, dass der Bitcoin-Handel korrekt abläuft.

Noch in diesem Jahr sollen Fidor-Kunden Bitcoins über die Direktbank handeln können und so den Nutzerkreis erweitern. Entgegen einer vollmundigen Ankündigung von Bitcoin.de wird es dabei aber keine Einlagensicherung für die Bitcoin-Guthaben geben. "Bitcoins werden als Sondervermögen wie Aktien oder Gold behandelt", sagt Fidor-Chef Matthias Kröner. Sie fallen also nicht unter den gesetzlichen Schutz für Spareinlagen.

Während sich Unternehmer Flaskämper über den namhaften Kooperationspartner und die Anerkennung der Bitcoins durch das Bundesfinanzministerium freut, sind einige seiner Kunden beunruhigt, dass die Behörden das Parallelgeld jetzt überhaupt auf dem Schirm haben. Denn Bitcoin.de-Nutzer müssen dem Anbieter von nun an Namen, Anschrift und die Nummer ihres Mobiltelefons mitteilen und dürfen nur Transaktionen in Höhe von 2.500 Euro jährlich tätigen. Das soll potenziellen Straftätern die Möglichkeit nehmen, hohe Geldsummen zu waschen. Wer größere Summen bewegen will, muss sich daher zusätzlich per Postidentverfahren bei Bitcoin.de persönlich registrieren. Das aber hebelt die Anonymität aus und "verhunzt" die einst freie Währung in den Augen empörter Bitcoin-Fans.

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