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Bitcoins Was die Anerkennung der umstrittenen Bitcoins bringt

Trotz der Anerkennung durch das Bundesfinanzministerium dürfte das virtuelle Geld eine Spielerei für Nerds bleiben. Zu gering ist der Nutzen für Unternehmen und Kunden.

Die mächtigsten Cyber-Währungen
World of Warcraft: Gold Quelle: WoW
Hubculture: Ven Quelle: Hubcultre
Entropia Universe: PE-Dollar Quelle: Entropia Universe
Tencent: QQ-Münzen Quelle: Tencent
Rift: Platin Quelle: Rift
Bitcoin Quelle: Bitcoin
Mt.Gox: Die Wechselstuben Quelle: Mt.Gox

Es ist eine Premiere im "Currytime". In dem kleinen Imbissrestaurant in Köln-Mülheim zückt Stammgast Adrian Hotz sein Smartphone, scannt einen QR-Code und bestätigt die Transaktion. Ein künstliches Münzenklingeln signalisiert, dass gerade 0,102 Bitcoin den Besitzer wechseln. Sodann erhält Hotz den Gegenwert: 180 Gramm Fleisch, Käse und Pommes, dazu eine kleine Flasche Fassbrause - kurz: "Chili n' Cheese-Burger-Menü". Klassisch bezahlt würde die Mahlzeit 8,90 Euro kosten.

Die Burger-Bestellung in der vergangenen Woche dürfte der erste Bitcoin-Einsatz in der Geschichte der Kölner Gastronomie gewesen sein. Zuvor hatten Hotz, der als E-Commerce-Berater Online-Strategien für Unternehmen entwickelt, und ein kleiner Kreis rheinischer Bitcoin-Verfechter den Inhaber des "Currytime" davon überzeugt, die Cyber-Währung überhaupt zu akzeptieren.

Der Wirt hofft nun auf zusätzliche Kundschaft, denn Bitcoins haben in Deutschland vor einer Woche die Anerkennung als Recheneinheit und privates Zahlungsmittel durch das Bundesfinanzministerium erfahren. Sie könnten nun ihren bislang zweifelhaften Ruf als Spielgeld abstreifen. "Das ist ein Ritterschlag für die Privatisierung des Geldes", frohlockt gar der FDP-Politiker und Euro-Kritiker Frank Schäffler.

Tatsächlich ist aber eher Skepsis angebracht, ob damit nun der Siegeszug des freien Geldes jenseits von Staat und Zentralbank über den Euro startet. Zu vage erscheint der Nutzen für Unternehmen und Verbraucher, zu volatil ist zudem die Kursentwicklung. Dass Käufer, Verkäufer und Anleger bald in Bitcoins statt in Euro rechnen und ihr Geldvermögen scharenweise in Bitcoins tauschen, ist unwahrscheinlich.

Daher blüht die junge Parallelwährung vor allem in Nischen und lockt etwa in den USA allerlei teils windige Investoren an, die mit dem Geld aus digitalen Nullen und Einsen Kasse machen wollen. Weil Bitcoin-Kunden anonym und weltweit zahlen können - anders als dies mit Bargeld oder per Überweisung und Kreditkarte möglich ist -, machen auch Unternehmen mit illegalen Geschäftsmodellen gern von Bitcoins Gebrauch.

Eine Milliarde im Umlauf

Bitcoins existieren wie die Konkurrenzzahlungsmittel Litecoin, PPCoin und Ripple nur rein elektronisch, im Internet. In der Welt sind sie seit 2009. Angeblich soll ein japanischer Programmierer die virtuelle Währung vor vier Jahren erfunden haben. Inzwischen ist daraus ein weltweites Netzwerk entstanden, in dem täglich Zehntausende anonyme Nutzer Bitcoins transferieren - vorbei an Banken oder Zahlungsdienstleistern wie Paypal.

Mit einer für jedermann frei verfügbaren Software lassen sich Bitcoins so einfach von Computer zu Computer schicken wie E-Mails. Jeder Teilnehmer des digitalen Geldkreislaufs erhält dazu eine Bitcoin-Adresse, einen Code aus Zahlen und Buchstaben. Wer jemandem Bitcoins schicken will, gibt Betrag und Adresse ein - schon landen die virtuellen Münzen in der digitalen Brieftasche des Empfängers.

Die Anonymität ausgehebelt

Zehn exotische Zahlungsmittel
BiberfellIn früheren Jahrhunderten galt Biberfell in Nordamerika als Zahlungsmittel. Es gab nicht nur Wechselkurse für Biberfelle - gegen zwei Felle gab es beispielsweise ein Pfund Tabak - sondern auch etwas später auch Bibermünzen als Zahlungsmittel. Quelle: dpa
KanugeldIm Königreich Luang Prabang in Laos zahlten die Menschen früher mit einem bronzenen Barren, der wie ein Boot geformt war. Deshalb wurde dieser dortige Vorläufer des Münzgeldes Kanu- oder Bootsgeld genannt. Quelle: AP
Bild Ersatzgeld Havelblüten
Tee Quelle: REUTERS
Eingeborener auf Papua-Neuguinea Quelle: dpa/dpaweb
Kakao Quelle: obs
Bananenblatt Quelle: dpa

Damit niemand Bitcoins schlicht kopieren und damit vervielfältigen kann, wird jede Transaktion in einem öffentlich einsehbaren Verzeichnis erfasst, das die Netzgemeinde mit der Bitcoin-Software betreibt. Sobald eine Überweisung darin vermerkt ist, akzeptieren alle Bitcoin-Nutzer die betreffenden Münzen nur noch vom neuen Besitzer. Dazu sind aufwendige Berechnungen nötig, die auf Tausenden privaten Computern stattfinden. Wer dem Netzwerk seinen Rechner zur Verfügung stellt, erhält als Gegenleistung virtuelle Münzen.

Online-Wechselstuben wie die japanische Web-Site Mt.Gox oder das deutsche Portal Bitcoin.de tauschen Bitcoins anschließend gegen Dollar, Euro und andere Währungen ein, Angebot und Nachfrage bestimmen den Kurs. In Umlauf sind derzeit rund 11,6 Millionen Münzen, der Kurs stand zuletzt bei 88 Euro pro Coin. Damit liegt der Wert aller verfügbaren Bitcoins bei mehr als einer Milliarde Euro. Zum Vergleich: Allein in Europa sind Scheine und Münzen im Wert von mehr als 800 Milliarden Euro im Umlauf.

Anonymität verhunzt

In Deutschland will der Internet-Unternehmer Oliver Flaskämper der virtuellen Währung zum Durchbruch verhelfen. Der 40-Jährige betreibt die Internet-Seite Bitcoin.de, über die 80.000 Nutzer monatlich Bitcoins im Wert von 3,7 Millionen Euro handeln. Flaskämper kassiert dabei eine Provision von einem Prozent. Die Online-Wechselstube mit Sitz im westfälischen Herford hat sich mit der Münchner Direktbank Fidor zusammengetan, und die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hat die Kooperation im August genehmigt. Die Fidor Bank soll mit ihrer Lizenz dafür geradestehen, dass der Bitcoin-Handel korrekt abläuft.

Noch in diesem Jahr sollen Fidor-Kunden Bitcoins über die Direktbank handeln können und so den Nutzerkreis erweitern. Entgegen einer vollmundigen Ankündigung von Bitcoin.de wird es dabei aber keine Einlagensicherung für die Bitcoin-Guthaben geben. "Bitcoins werden als Sondervermögen wie Aktien oder Gold behandelt", sagt Fidor-Chef Matthias Kröner. Sie fallen also nicht unter den gesetzlichen Schutz für Spareinlagen.

Während sich Unternehmer Flaskämper über den namhaften Kooperationspartner und die Anerkennung der Bitcoins durch das Bundesfinanzministerium freut, sind einige seiner Kunden beunruhigt, dass die Behörden das Parallelgeld jetzt überhaupt auf dem Schirm haben. Denn Bitcoin.de-Nutzer müssen dem Anbieter von nun an Namen, Anschrift und die Nummer ihres Mobiltelefons mitteilen und dürfen nur Transaktionen in Höhe von 2.500 Euro jährlich tätigen. Das soll potenziellen Straftätern die Möglichkeit nehmen, hohe Geldsummen zu waschen. Wer größere Summen bewegen will, muss sich daher zusätzlich per Postidentverfahren bei Bitcoin.de persönlich registrieren. Das aber hebelt die Anonymität aus und "verhunzt" die einst freie Währung in den Augen empörter Bitcoin-Fans.

Imagepflege und eine gehörige Portion Idealismus

So bezahlen die Deutschen im Netz
Das Electronic-Commerce-Center Handel vom Kölner Institut für Handelsforschung und die Hochschule Aschaffenburg haben in ihrer aktuellen Payment-Studie "Der Internetzahlungsverkehr aus Sicht der Verbraucher", den Online-Kunden auf die Finger geschaut: Womit zahlen die Deutschen am liebsten, wenn sie online einkaufen? Und gibt es Unterschiede beim Bezahlverhalten, wenn der Kunde mit dem Smartphone oder am Computer shoppt? Für das Ranking haben sich die Wissenschaftler 7.958 Bezahlvorgänge von 993 Webshoppern angeschaut. Das Ergebnis: 0,7 Prozent nutzen giropay, ein Online-Bezahlverfahren, das auf der Überweisung des Online-Bankings basiert und von verschiedenen deutschen Banken angeboten wird. Hinter der Die giropay GmbH stehen Postbank, Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken. Eine Registrierung bei giropay ist nicht nötig, es genügt ein Girokonto, das für Online-Banking per TAN-Verfahren freigeschaltet ist. Bei Online-Einkäufen per Smartphone gaben 13,2 Prozent an, schon einmal giropay benutzt zu haben, 41,2 Prozent können es sich zumindest vorstellen, mit dem Smartphone per giropay zu zahlen. Quelle: Screenshot
Prepaid-Karten nutzen ein Prozent der Online-Shopper zum Bezahlen im Netz. Die Prepaidkarten gibt es, wie auch Handy-Prepaidkarten, im stationären Handel zu kaufen. Das jeweilige Guthaben kann dann bei Online-Einkäufen ausgegeben werden. Bei den Smartphone-Einkäufen haben immerhin 17,2 Prozent schon einmal auf eine solche Guthabenkarte zurückgegriffen. Quelle: Fotolia
Viele Geschäfte, die einen Online-Shop betreiben, bieten ihren Kunden an, die Ware online zu bestellen und in der Filiale abzuholen. Bezahlt wird dann bar oder mit EC-Karte bei Abholung. Das Prinzip widerspricht zwar dem Gedanken des E-Commerce, wird aber von Online-Kunden akzeptiert: 1,2 Prozent nutzen diese Option. Bei den Usern, die ihre Einkäufe per Smartphone tätigen, haben 18,2 Prozent schon per Handy bestellt und die Ware dann persönlich abgeholt und bezahlt. Quelle: dpa
Auf das Bezahlsystem ClickandBuy greifen 1,4 Prozent zurück. Bei den Smartphone-Shoppern ist das Bezahlsystem weiter verbreitet als bei den PC-Nutzern. 15,2 Prozent der Handy-Kunden haben das Bezahlsystem von der Telekomtochter schon einmal benutzt. Laut Unternehmensangaben kann weltweit bei mehr als 16.000 Online-Shops per Clickandbuy bezahlt werden. Bekannte Shops sind unter anderem T-Online Musicload, der Apple iTunes Store, Spiegel Online, Parship, Media Markt und buch.de. Quelle: Screenshot
Immer noch weit verbreitet ist die vergleichsweise teure Nachnahmezahlung, bei der der Kunde die Ware plus eine Gebühr beim Paketzusteller bezahlt. Zwei Prozent wählen diese Option beim Online-Einkauf. Mit dem Smartphone entschieden sich 17,6 Prozent für die Bezahlung bei Lieferung. Quelle: Presse
Das System Sofortüberweisung ist umstritten, weil beim Bezahlen mit diesem Dienstleister neben der Kontonummer auch die Online-Banking-Pin und die entsprechende Tan eingegeben werden müssen. Sofortüberweisung tätigt dann quasi die Online-Überweisung für den Kunden - mit dessen Daten. Eine solche Weitergabe der Pin und Tans verbieten viele Banken ihren Kunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Firma Sofort AG versichert, dass mit den Daten kein Schindluder getrieben wird und die Kunden scheinen dem Unternehmen zu vertrauen. 3,6 Prozent der Transaktionen, die die Studie untersucht, wurden mit Sofortüberweisung bezahlt. Bei den Einkäufen, die mit dem Smartphone getätigt wurden, waren es 22,1 Prozent. Quelle: Screenshot
Mit Amazon Payments können User ihre Amazon-Kundenkonten auch bei Onlineshops nutzen, die nicht zu Amazon gehören und müssen keine Zahlungsdaten wie Kontonummer und Bankleitzahl offenlegen. Für Händler, die diesen Dienst anbieten, müssen allerdings eine Transaktionsgebühr an Amazon zahlen. Für Amazon-Kunden ist das Modell kostenlos. Dementsprechend nutzen 5,3 Prozent ihr Amazon-Konto beim Online-Einkaufsbummel, auch wenn sie gar nichts bei Amazon einkaufen. Quelle: Screenshot

Tatsächlich geht es dem Bundesfinanzministerium bei seiner symbolträchtigen Anerkennung des privaten Geldes nicht darum, der binären Währung zum großen Durchbruch zu verhelfen. Die Behörde will in erster Linie Spekulationsgewinne aus dem Bitcoin-Handel vor Ablauf der einjährigen Haltefrist besteuern können. Das steigert nicht gerade die Akzeptanz der Internet-Währung bei den Verbrauchern und Unternehmen.

Geschäftsmodelle, die von Bitcoins profitieren würden oder sogar auf diese angewiesen wären, sind ohnehin rar. Selbst auf Diskretion bedachte Sexspielzeugversender wie Beate Uhse oder Datingportale haben längst andere Kniffe gefunden, Bestellungen und Zahlungen zu anonymisieren. Wer Dienste oder Waren der einschlägigen Kategorien in Anspruch nimmt, kann in der Regel an neutral klingende Firmenadressen zahlen, die den Markennamen des Unternehmens verschleiern. Waren etwa von Beate Uhse & Co. kommen in unauffälliger Verpackung an die Haustür. Bei dem Erotikhändler mit Sitz in Flensburg stehen Bitcoins derzeit ebenso wenig im Fokus wie beim Berliner Wettbewerber Amorelie.

E-Commerce-Berater und Burgerfan Hotz, der in Köln regelmäßig Bitcoin-Konferenzen veranstaltet, sieht zwar Vorteile für Unternehmen: Zahlungen in Bitcoin könnten anders als Lastschriften vom Kunden nicht storniert werden. Dem Problem der Zechprellerei können Online-Händler jedoch auch ohne Bitcoins abhelfen, indem sie die Bonität ihrer Kunden vor Lieferung prüfen oder Vorkasse verlangen. Entsprechend überschaubar bleibt für Unternehmen der Nutzen, wenn sie ihre Preise in Bitcoins umrechnen und diese als Zahlungsmittel akzeptieren. Zudem fehlen breite Anreize für Verbraucher, sich die Cyber-Währung anzuschaffen.

Stattdessen stehen hierzulande bei der Bitcoin-Nutzung vor allem Imagepflege und eine gehörige Portion Idealismus im Vordergrund. So hofft das Kölner Restaurant "Currytime" auf mehr Popularität dank Akzeptanz der Cyber-Währung. Auch die Berliner Kultkneipe Room 77 in Kreuzberg nimmt Bitcoins an - eine Art Marketinggag für kapitalismuskritische Kunden, denen das Bier besser schmeckt, wenn sie mit Cyber-Geld statt Bankkarte oder Bargeld zahlen.

Drogen aus dem Internet

Auch der Berliner Ableger des Umweltverbandes BUND hatte Anfang des Jahres mit großem Tamtam verkündet, Spenden in Bitcoins anzunehmen. In Summe seien aber umgerechnet gerade mal "etwas mehr als 100 Euro" eingetrudelt, sagt BUND-Aktivist Thorsten Edler. Viele Vorteile bringt das Bitcoin-Verfahren dem Verband nicht. Die Ökos fürchten sogar, in die falsche Ecke gestellt zu werden. "Das war kein politisches Signal, dass wir den Euro doof finden", sagt Edler. Im Vordergrund stand für den BUND dabei wohl eher die Imagepflege.

Transparenz oder Verbot

Cyberwährung Bitcoin: Anlagealternative oder Zockereldorado?

Während hierzulande finanzkritischer Idealismus die Bitcoins beseelt, beflügelt das virtuelle Zahlungsmittel in den USA vor allem illegale Geschäfte, zum Beispiel den Online-Drogenversand Silk Road. Das ominöse Unternehmen, dessen Betreiber sich nicht zu erkennen geben, bringt Dealer und Konsumenten weicher bis harter Drogen zusammen und schottet die Nutzerdaten mit einem geheimen Internet-Protokoll vor dem Zugriff der Behörden ab. Angeblich will Silk Road laut einem anonym geführten Interview des US-Magazins "Forbes" mit einem der Betreiber auch in den Handel mit Waffen einsteigen, obwohl die in den USA ohnehin meist relativ einfach verfügbar sind.

Wegen solcher Fälle gehen die US-Behörden den Anbietern von Dienstleistungen rund um die Bitcoins an den Kragen. Vor wenigen Tagen rief das Heimatschutzministerium alle US-Finanzaufsichtsbehörden gar dazu auf, die Risiken der Cyber-Währung zu überwachen. An vorderster Front positioniert sich Benjamin Lawsky von der New Yorker Aufsichtsbehörde Financial Services Department.

Der aggressive Ex-Staatsanwalt hat die Mission, den Ruf seiner Stadt als Weltfinanzzentrum zu verbessern, Verbraucher zu schützen und künftige Finanzkrisen zu verhindern. "Wenn Cyber-Währungsfirmen ein virtueller Wilder Westen für Drogenhändler und andere Kriminelle bleiben, bedroht das nicht nur unsere nationale Sicherheit, sondern auch die Existenz des Geschäftsmodells der digitalen Währungsanbieter", sagt Lawsky. Im Klartext heißt das: Das Cyber-Geld muss entweder transparenter werden, oder es wird verboten.

Unnachgiebige US-Aufseher

Ein Verbot in den USA wäre ein Rückschlag für zahlreiche amerikanische Unternehmer, die auf die wachsende Popularität der Bitcoins spekulieren und hohe Summen in die Infrastruktur rund um das Cyber-Geld gesteckt haben oder bedeutende Reserven in Bitcoins halten.

Die prominentesten Bitcoin-Spekulanten sitzen an der US-Ostküste: Die Brüder Cameron und Tyler Winklevoss wollen den ersten auf Bitcoin spezialisierten Investmentfonds auflegen. Berühmtheit haben sie erlangt, weil sie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg beschuldigten, die Idee für das soziale Netzwerk von ihnen geklaut zu haben. Trotz oder gerade wegen dieser Posse genießen die Zwillinge im Kalifornischen Silicon Valley den Ruf gestandener Unternehmer. Sie behaupten, frühzeitig rund elf Millionen Dollar in Bitcoins investiert zu haben und damit etwa ein Prozent der Währung zu kontrollieren.

Die Facebook-Milliardäre Peter Thiel und Sean Parker sind dagegen in InternetBörsen finanziert, die den Handel der Cyber-Taler abwickeln. Sie wollen am Geschäft mit den Bitcoins verdienen, indem sie ihr Geld in die Dienstleistungen rund um die binären Münzen wie Online-Wechselstuben stecken.

Genau wie beim analogen Goldrausch des 19. Jahrhunderts locken auch die digitalen Nuggets nicht nur seriöse Investoren, sondern ebenso Abzocker, die brave Goldgräber übers Ohr hauen. So dürfte Trendon Shavers ironischerweise in die Bitcoin-Historie eingehen. Der Texaner ist dafür verantwortlich, dass die Kryptowährung von einem US-Bundesrichter kürzlich zu einem legitimen Zahlungsmittel erklärt wurde, noch bevor das Bundesfinanzministerium in Deutschland die offizielle Anerkennung der Bitcoins aussprach.

"Auch eine digitale Währung muss stabil sein"

Der Euro verliert sogar gegen den Tögrög
Afghanischer AfghaniAm 07.Oktober 2002 wurde der neue Afghani in Afghanistan eingeführt. Die neue Währung sollte die Währungsvielfalt eindämmen und die Wirtschaft ankurbeln. Für 1.000 alte Afghani bekam man einen neuen ( siehe Bild). Im Jahr 2003 gehörte das Land noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Krieg und politische Unsicherheit lähmten das Land. Trotz der weiterhin komplizierten Lage wird mittlerweile mehr in das Land investiert. Die EU ist einer der wichtigsten Handelspartner Afghanistans. Veränderung zum Euro (12 Monate): + 6 Prozent Quelle: ap
Albanischer LekLek steht im albanischen Sprachgebrauch nicht nur für die Währung, sondern auch allgemein für Geld. Seit 1925 ist der Lek offizielles Zahlungsmittel in Albanien. Wegen der hohen Inflation ist die kleinste Münze im Umlauf die fünf Lek-Münze; kleinere Münzen haben höchsten noch einen Sammlerwert. 1964 fand eine Währungsreform statt bei der eine Null gestrichen wurde, 10 alte Lek also gegen einen neuen eingetauscht werden konnten. Veränderung zum Euro (12 Monate): + 3 Prozent
Armenischer Dram1993 löste der Dram den russischen Rubel ab. Nach dem Zerfall der Sowjetunion fiel Armenien, wie viele andere neu entstandene Republiken, in eine Wirtschaftskrise. Insbesondere der Umstieg von Plan- auf Marktwirtschaft bereitet dem Land Schwierigkeiten und ist noch nicht ganz gelungen. Die Inflation liegt bei etwa fünf Prozent - relativ wenig im Vergleich zu den Nachbarländern. Trotzdem ist Armenien das ärmste Land im Kaukasus. Auf der Vorderseite des 50-Dram-Scheines sieht man den armenischen Komponisten Aram Chatschaturjan. Veränderung zum Euro (12 Monate): + 5 Prozent
Äthiopischer BirrDer äthiopische Birr wird in 100 Santim unterteilt. Die Staatsschulden des ostafrikanischen Landes betrugen 2009 etwa 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Äthiopien gilt in Verbindung mit seinen Vorgängerstaaten als ältester bestehender Staat der Welt. Wegen der Währungsschwäche sind Ein-Santim-Münzen recht selten. (Auf dem Bild: Eine Fünf-Santim-Münze.) Veränderung zum Euro (12 Monate): + 10 Prozent
Bangladeschischer TakaDas "Land der Bengalen" ist der am dichtesten bewohnte Flächenstaat der Welt und grenzt im Westen an Indien. Der Staat gehört zu den ärmsten der Welt, obwohl die Wirtschaft des Landes, wie in vielen anderen Schwellenländern, kräftig wächst (2011 lag das Wirtschaftswachstum bei 6,7 Prozent). Die Wirtschaft befindet außerdem im Wandel: die Industrie gewinnt mehr an Bedeutung, während die Landwirtschaft immer mehr in den Hintergrund gerät. Die Inflation lag in den vergangenen Jahren zwischen vier und sechs Prozent. Veränderung zum Euro (12 Monate): + 5 Prozent
Bhutanischer NgultrumDie Wirtschaft im Westen des Königreichs Bhutan - östlich von Indien - profitiert von der Hauptstadt Tiumphu und von entstehenden Wasserkraftprojekten. Der Osten dagegen ist wirtschaftlich deutlich schwächer. Die wirtschaftlichen Interessen haben gegenüber Umweltschutz das Nachsehen, weshalb das Land über eine fast einzigartige Naturbelassenheit verfügt. Wer unter 16 Euro im Monat verdient, lebt unter der offiziell festgesetzten Armutsgrenze - 2007 waren dies mehr als 20 Prozent der Bevölkerung. Veränderung zum Euro (12 Monate): - 8 Prozent
Bolivianischer BolivianoOberstes Ziel der Politik ist die Armutsbekämpfung. Das Land ist auch das ärmste in ganz Südamerika. Das Wirtschaftswachstum, das stark von den Öl- und Gasexporten abhängig ist, erreichte 2008 6,8 Prozent. Wegen der rückläufigen Entwicklung der Energiepreise wird die Wirtschaft in Zukunft wohl weniger stark wachsen. Nachdem die Inflation im Jahr 2008 auf über elf Prozent stieg, konnte die Inflation im Jahr darauf auf unter ein Prozent gedrückt werden. Veränderung zum Euro (12 Monate): + 14 Prozent

Shavers hat Dutzende von Investoren dazu überredet, in eine Art Bitcoin-Sparbrief mit Mondrenditen von sieben Prozent pro Woche zu investieren. Die US-Börsenaufsicht SEC hat Shavers nun am Wickel, weil der mit den Einnahmen unter anderem seine Leidenschaft für Kasinos und teure Hotels finanzierte und in gewohnter Schneeballsystem-Manier vermeintliche Erträge mit den Einzahlungen anderer Investoren finanzierte. Die Ausrede des Verdächtigten, dass die SEC gar nicht zuständig sei, weil es sich bei Bitcoins um keine traditionellen Wertpapiere handele, ließen die Behörden nicht gelten. Ein US-Bundesgericht stellte daher klar, dass die Cyber-Währung wie herkömmliches Geld verwendet werden könne.

Wieder Ausgestiegen

Die Skandale in den USA sind kein gutes Omen für die Zukunft des Privatgelds in Deutschland. Das Bundesfinanzministerium beobachtet die Entwicklung von Bitcoins, sieht aber wegen der geringen Verbreitung von einer Geldwäsche-Regulierung ab. Laut Bundeskriminalamt könnten Bitcoins allerdings durchaus zum Transfer kriminell erlangter Gelder genutzt werden.

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Zudem schreckt die Volatilität der labilen virtuellen Währung Nutzer ab - wie den Dresdner Unternehmer Sebastian Jaudzim. Der Betreiber eines Online-Shops für Parfums bot schon vor gut zwei Jahren neben den klassischen Bezahlmöglichkeiten auch den Einkauf via Bitcoins an.

Doch nur rund 100 Einkäufe seien seitdem mit der Digitalwährung bezahlt worden, schätzt der Online-Händler, der jährlich bis zu 15.000 Bestellungen abwickelt. Als der von Spekulation getriebene Bitcoin-Kurs im Frühjahr erst nach oben und dann wieder nach unten schnellte, wurden Jaudzim die Bitcoin-Zahlungen zu brenzlig. Für ihn bestand die Gefahr, dass Nutzer die Kursschwankungen ausnutzen, um in seinem Shop billig Parfüms zu ordern und die bestellte Ware anschließend weiterzuverkaufen. Jaudzim beendete das Experiment: "Auch eine digitale Währung muss stabil sein, sonst bringt das gar nichts."

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