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Bitte lächeln! Wie Smileys auf unser Hirn wirken

Für ein lachendes Gesicht steht die Zeichenabfolge :-) – das erkennt auch unser Gehirn sofort. Die Begründung konnten australische Neurowissenschaftler nun anhand einer Studie erbringen: Das Smiley löst eine „kulturell bestimmte neuronale Reaktion“ aus.

Der Smiley und seine Nachfolger
Das einfache "Lachen" ist der Klassiker unter den Smileys. Mit ihm fing vor 30 Jahren alles an. Fahlman schlug damals in einem internen Online-Forum vor, das seitwärtsliegende und lachende Gesicht bei witzig gemeinten Kommentaren zu benutzen.
Der Weg vom lachenden zum traurigen Smiley war schnell getan. Einfach "Klammer auf" statt "Klammer zu" - fertig ist der Trauerkloß. Scott E. Fahlman schlug vor dieses Symbol immer dann anzuwenden, wenn etwas nicht witzig gemeint ist.
Ironie ist bis zur Einführung des zwinkernden Smileys in schriftlicher Form problematisch gewesen. Vor allem, wenn man seinen "Gesprächspartner" nicht persönlich kennt, werden ironische Bemerkungen ohne Gestik und Mimik registrieren zu können, häufig missverstanden.
Wer richtig gut drauf ist, der reißt vor Lachen auch schon mal den Mund weit auf. Das pure "Glück" symbolisiert dieser Smiley mit dem "D" als Mund.
In Zeiten, in denen vier Millionen Paare alleine in Deutschland eine Fernbeziehung führen, hat sich der digitale Kuss rasant verbreitet. Einfach einen Schmatzer mit Sternchenmund über den Chat schicken, und die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen scheint schon nicht mehr ganz so weit entfernt.
Der traurige Smiley wird mit Hilfe eines kleinen Apostrophs zum weinenden Gesicht. Manchmal ist einem aber auch einfach zum heulen zumute.
Wer sich erschrickt oder geschockt ist, der holt vor Entsetzen tief Luft und macht dabei einen runden Mund. Daher hat sich dieses Emoticon für den Gefühlszustand durchgesetzt.

Wir nutzen es tagtäglich: ein Smiley - eine Zeichenabfolge mit Gute-Laune-Effekt. In E-Mails, SMS oder sozialen Netzwerken wie Facebook. Das gelbe Symbol, das der US-Informatiker Scott E. Fahlman einst als Artefakt der Gegenkultur der 1960er Jahre ins Leben rief, ist in der Sprache der Internetkommunikation längst gebräuchlich. Eine Abfolge typografischer Zeichen, die eigentlich nicht auf Anhieb auf ein Gesicht hindeuten.

Obwohl weder die Klammer noch der Doppelpunkt Ähnlichkeit mit echten Gesichtszügen haben, weiß unser Gehirn mit der Zeichenabfolge gleich ein Gesicht zu assoziieren. Zu dieser Erkenntnis gelangte nun der Wissenschaftler Owen Churches von der Flinders University im australischen Adelaide.

Für die Studie, die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Social Neuroscience" veröffentlich wurde, hatte das Forscherteam um Owen Churches 20 Probandinnen und Probanden Portraitfotos von lächelnden Männern und Frauen gezeigt. Das Experiment wurde um bedeutungslose Zeichenfolgen wie */o und das Smiley :-) ergänzt.

Mit jedem Stimulus der Teilnehmer, wovon der älteste 32 Jahre alt war, wurde die Gehirnaktivität per Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen. Das verblüffende Ergebnis: Die Region des Gehirns, die auch für die „konfigurale“ Gesichtserkennung zuständig ist, verarbeitet das Emoticon sofort ganzheitlich als Gesicht.

Anders sieht dies allerdings aus, wenn die Zeichenabfolge von rechts nach links erfolgt. Dann zeige das Gehirnareal, im sogenannten Okzipitallappen des hinteren Teils des Gehirns verortet, keine nennenswerte Aktivität. Der Grund: Ein umgedrehtes Smiley wird zwar als solches erkannt, wird aber nicht so häufig verwendet und ruft deshalb im Gehirn keine neuronale Reaktion hervor.

Es geht also darum, woran unser Gehirn gewöhnt ist. Angeboren sei die Fähigkeit, Smileys als Gesicht zu erkennen nicht, schlussfolgern die Forscher. Fraglich ist auch, inwieweit ältere Menschen, die nicht so sehr an Internet, SMS und Co. gewöhnt sind, in einem Emoticon ein Gesicht erkennen.

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