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Blackberry Futter für Tastenfans

Obwohl Blackberry eigentlich keine Smartphones mehr baut, wird auf dem Mobile World Congress ein neues vorgestellt. Dahinter steckt Methode und die Hoffnung auf eine eingeschworene Nutzergruppe

Blackberry: Futter für Tastenfans Quelle: AP

Es gibt wahrlich bessere Voraussetzungen für die Vorstellung eines neuen Smartphones als die jüngst veröffentlichten Zahlen zu den Marktanteilen der wichtigsten Mobiltelefonhersteller. Die nämlich waren für den einstigen Branchenführer verheerend. Erstmals seit Jahren war Blackberry da unter die Messbarkeitsgrenze von einem Prozent gefallen.
Grund genug eigentlich, um das ehemalige Kerngeschäft einzustellen und sich ganz auf das prosperierende Business mit Sicherheitssoftware und Managementanwendungen für Unternehmen zu konzentrieren. Genau das hat Blackberry-CEO John Chen gemacht - aber nur ein bisschen.

Denn am Samstagabend, kurz vor dem Start des Mobile World Congress, lädt Blackberry ein: zur Vorstellung eines neuen Smartphones. Kurz nach 19 Uhr präsentiert ein gut gelaunter Nicolas Zibell in einem Tennishallengroßen Zelt am Rande des Freizeitparks Poble Espanol oberhalb von Barcelona das neue Smartphone KEYone. "Das ist nicht nur ein Spitzengerät für Geschäftsleute mit allen Sicherheitsfunktionen, für die Blackberry bekannt ist, sondern auch ein erstklassig ausgestattetes Smartphone für anspruchsvolle Konsumenten mit - beispielsweise - einem der besten Fotochips von Sony", trommelt der Smartphone-Manager für sein neues Top-Modell. Ab April soll es weltweit für 599 Euro beziehungsweise 549 Dollar in den Handel kommen.

Zahlen und Fakten zum Mobilfunk-Markt

Der Grund der sonderbaren Widersprüchlichkeit ist, dass, wo Blackberry drauf steht, nicht mehr Blackberry drin ist. Stattdessen hat der chinesische Kommunikationskonzern TCL Communication die Markenrechte für Smartphones lizenziert und darf als Lizenznehmer die von Blackberry entwickelten Sicherheitserweiterungen für das Android-Betriebssystem nutzen. Und Zibell ist dessen Vorstandchef. TLC vertreibt parallel zur neuen Top-Marke auch Smartphones unter der Marke Alcatel.

Während letztere aber eher im Low-End-Segment positioniert ist, will TCL mit dem Blackberry-Flaggschiff eindeutig in der Oberklasse Kunden gewinnen. Und da zuerst bei denjenigen Smartphonenutzern, die ohnehin seit Jahren Fans der schwarzen Business-Tools aus Kanada sind. Denn das KEYone macht da weiter, wo Blackberry herkommt und bringt - wieder - eine echte Tastatur unter dem 4,5-Zoll-Bildschirm mit.

Damit bleibt auch der neue Berry (nach den zwar ebenfalls von TCL gebauten, aber noch von Blackberry selbst vertriebenen Geräten DTEK 50 und 60) weit und breit das einzige ernstzunehmende Smartphone für Vielschreiber, die sich mit den virtuellen Bildschirmtastaturen nicht anfreunden wollen - oder können.

Aber es soll unter der Produktführung von TCL nicht bei Tastentelefonen bleiben. "Wir haben im laufenden Jahr noch einiges vor", verspricht Zibell - und kündigt damit ziemlich unverblümt weitere Modelle an - sicher nicht gänzlich mit Hardwaretasten.

Aber zunächst einmal muss das in einen robusten Aluminiumrahmen gefasste KEYone erweisen, wie gut die Kooperation der beiden Partner tatsächlich funktioniert. Um das Gerätedesign wird sich TLC kümmern, die Software - und speziell die Programmweiterungen, die Android-Smartphones auf das für den Unternehmenseinsatz sicher machen sollen - stammen weiter aus Kanada. So werde es künftig, so verspricht es Alex Turber, der für die Entwicklung der Mobilsoftware verantwortliche Manager des Traditionsunternehmens, werde es monatliche Sicherheitsupdates von Blackberry geben.

Und damit die Namesverwirrung ein Ende findet, werden die Smartphones künftig zwar weiter einfach "Blackberry" heißen, aber unter dem neuen Label "BlackberryMobile" vermarktet. Unter BlackberryMobile.com können sich ab sofort eingefleischte Fans für den den Vertriebsstart registrieren.

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