Bluetooth-Tracker auf der IFA Tamagotchis für Vergessliche

Klar, Flachbildriesen, Drohnen oder 3D-Hifi-Systeme, das sind auf der IFA die Produkt-Stars. Aber eine neue Gattung unscheinbarer Technik-Gadgets hat das Zeug, im Alltag wirklich zum nützlichen Nothelfer zu mutieren.

Ein Mann zeigt das Gerät

Wer als Technologiekonzern etwas auf sich hält, der kleckert auf der IFA nicht, der klotzt. Unter einer kompletten Messehalle machen es Techriesen wie Samsung, Sony, LG, Panasonic, Philips oder auch die Deutsche Telekom mit Ihren Auftritten in Berlin nicht. Daneben aber finden sich unter dem Funkturm auch eine Vielzahl kleiner und kleinster Aussteller, Startups, Elektronikspezialisten und teils auch einfach Produzenten mehr oder minder sinnvoller digitaler Kleinigkeiten.

Zu den nützlichsten Fundstücken auf der diesjährigen Tech-Messe gehören sicherlich die teils nur gut Briefmarken großen Bluetooth-Tracker, die Start-Ups wie Pixie, TrackR oder Tile samt den zugehörigen Apps auf ihren Messeständen präsentieren. Sie sollen dafür sorgen, versprechen ihre Hersteller, dass endlich Schluss ist mit verlegten Schlüsseln, vergessenen Aktentaschen oder gestohlenen Koffern. Selbst die im Garten versteckte Katze soll sich notfalls mithilfe der kleinen Funkchips orten lassen. Sie sind so etwas wie Tamagotchis für Vergessliche.

Anders als ihr (an Fitness-Tracker erinnernder) Name vermuten ließe, zählen sie nicht die Schritte ihrer Benutzer. Im Grunde zählen sie gar nichts, und sie sind - anders als die Schrittzähler, die notfalls in der Regel auch noch als Uhr fungieren könnten - ohne die zugehörigen Apps auf dem Handy des Besitzer komplett nutzlos.

Was auf der IFA wichtig wird
Die Branche der Unterhaltungselektronik startet kurz vor der IFA in Berlin mit positiven Erwartungen ins zweite Halbjahr. Das Konsumklima befinde sich derzeit auf einem 16-Jahre-Hoch, sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratsvorsitzender der gfu. Auch die Konjunkturerwartung habe Aufwind. Im ersten Halbjahr legte die Branche insgesamt um 2,4 Prozent zu. Wichtige Treiber waren etwa das Geschäft mit Smartphones und TV-Geräten. Kamp erwartet, dass die Entwicklung die aktuell guten Prognosen für das Gesamtjahr noch übertreffen werde. Quelle: dpa
Die IFA in Berlin startet offiziell am 1. September und will wieder eine Fülle an Innovationen und Neuheiten präsentieren. Es gebe in Europa keine größere Messe für digitale Technologien, sagte IFA-Direktor Jens Heithecker. In diesem Jahr will die Messe erneut viel Raum für junge Start-ups und Innovatoren zur Verfügung stellen. Neu etwa ist das Format IFA Next, das in Halle 26 Forschern und Entwicklern, aber auch Amazons Sprachassistentin Alexa sowie IBM eine Bühne geben soll. Quelle: dpa
Bei den TV-Geräten, traditionell die Aushängeschilder der Branche, stehe bei den Kunden inzwischen die Bildqualität mit verbesserter Auflösung bei den Kaufkriterien an erster Stelle, sagte Kamp. Dahinter folgt der größere Bildschirm. Zudem habe sich eine hohe Ausgabebereitschaft für hochwertige TV-Geräte gezeigt. Der Umsatzzuwachs von 3,1 Prozent im ersten Halbjahr sei vor allem der Abschaltung des analogen Signals in drei Bundesländern sowie dem Umstieg des terrestrischen Signals auf den neuen Standard DVB-T2 geschuldet gewesen. Allein das Geschäft mit Settop-Boxen, die für den Empfang von DVB-T2 notwendig sind, legte um 255,3 Prozent zu. Quelle: dpa
Zum zehnten Mal haben auf der IFA neben der Unterhaltungselektronik auch Hausgeräte, die sogenannte weiße Ware, ihren Platz. Heute sehe man, dass diese Erweiterung eine wichtige und richtige Entscheidung gewesen sei, sagte Kamp. Seit 2008 belegt das Segment immer mehr Fläche, die Anzahl der Hallen ist von vier auf elf gewachsen. Die Zahl der Aussteller stieg auf das Dreifache. Elektro-Groß- und Kleingeräte profitierten seither zudem von den schnellen Innovationszyklen im Zuge der Digitalisierung der Branche. Im ersten Halbjahr erzielte die Branche zusammen über 6,6 Milliarden Euro Umsatz. Quelle: dpa
Allein die Vielzahl neuer Entwicklungen mache es dieses Jahr schwer, die Trends auszumachen, sagte Heithecker. Ultraflache TV-Geräte werden aber ebenso dazu gehören wie Kameras für 360-Grad-Aufnahmen, 3D-Drucker, vernetzte Heime, Drohnen sowie Fitness-Armbänder und Gesundheitsanwendungen. Quelle: dpa
Flankiert wird die Schau unter dem Berliner Funkturm wieder traditionell mit einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm sowie Eröffnungsreden prominenter Vertreter der Technologie- und Internet-Branche wie Chengdong Yu von Huawei, dem Fitbit-Gründer James Parker sowie Manager von Microsoft, die über Mixed Reality, Sprachsteuerung und künstliche Intelligenz sprechen werden. Quelle: REUTERS
Am Rande der IFA vom 3. bis 5. September findet außerdem die Android-Entwicklerkonferenz Droidcon im CityCube statt. Zur der Konferenz werden mehr als 1000 Softwareentwickler und Android-Experten erwartet. Quelle: Presse

Alle paar Sekunden ein Lebenszeichen

Einmal aktiviert, mit der passenden App gekoppelt und am zu sichernden Gegenstand angebracht (per Klebeetikett, am Schlüsselring aufgezogen oder auch einfach in eine Tasche gelegt) setzen sie fortan nur noch alle paar Sekunden per Bluetooth ein kurzes Funksignal mit ihrer individuellen Kennung ab. Wann immer die App das Signal auffängt, speichert sie den aktuellen Standort ab und weiß, dass Schlüsselbund, Handy oder was auch immer sich noch in der Nähe befinden.

Damit kann, wer will, kann Tracker und App damit als eine Art Alarmanlage „light“ nutzen: Sobald der Funkkontakt zu schwach wird oder gar abreißt, schlägt die App akustisch Alarm und zeigt im Display an, wo Handy und Tracker letztmalig Kontakt hatten. Da kann dann die Suche beginnen. Sollte sich das gesuchte Teil noch in der Nähe befinden, erscheint ein entsprechender Hinweis im App-Bildschirm und auf einen Fingertipp hin, beginnt der Bluetooth-Chip vernehmlich zu piepsen.

Dazu kommt, die "Tile" genannten Minikacheln des gleichnamigen Start-ups (ab 30 Dollar), die "Pixel"-Module des Konkurrenten TrackR (ab 25 Dollar) oder die Point-Tracker von Pixie Technologie (ab 30 Dollar fürs Doppelpack), alle ermöglichen die Suche auch umgekehrt. Ein kurzer Druck auf die Auslösetaste am Funkchip lässt einen lauten Rufton am Handy ertönen - und erleichtert so die Suche nach dem Telefon, wenn es mal wieder unter Zeitungsbergen oder zwischen Sofakissen verschwunden ist.

So sehr sich die Tracker in ihren Grundfunktionen ähneln, fast alle Anbieter unterscheiden sich in Details. So bietet Tile beispielsweise mit dem Modell Slim einen mit nur 2,3 Millimetern Dicke besonders dünnen Tracker an, der nicht einmal im Portmonnaie oder im Pass merklich aufträgt, das Modell Sport wiederum ist bis 1,5 Meter Tiefe wasserdicht. TrackRs Pixel hingegen leuchten dank integrierter Mikro-LEDs im Dunkeln deutlich erkennbar auf und lassen sich sogar per Alexa-Sprachbefehl rufen.

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