Burnout Smartphones und lange Arbeit schuld an Stress

Die allgegenwärtigen Smartphones können zu Burnout führen. Das meint ein Medizin-Nobelpreisträger und rät: Einfach mal abschalten. Hinzu komme die „schlechte Gewohnheit“, zu lange zu arbeiten.

Zehn kurze Wege zum Burn-Out
6. Das VeränderungsmodellDas besagt diese Theorie: Auftauen, verändern, wieder einfrieren - das ist das Motto dieser Theorie. Kurt Lewin vergleicht sein Modell mit einem Eiswürfel, den man in einen Eiskegel verwandelt. Nach seiner Argumentation motiviert man durch den dreistufigen Prozess die Menschen dazu, dass sie den Wandel wollen. So wenden Sie diese Theorie an: Seien Sie sich darüber im Klaren, welche Veränderungen Sie vornehmen wollen und warum sie nötig sind. Danach steht die Gewinnung von Unterstützung im Mittelpunkt. Dabei heißt es geschickt sein: Diejenigen, die für das Geld zuständig sind, wollen finanzielle Gewinne sehen. Die Personalabteilung dagegen fordert positive Auswirkungen auf die Mitarbeiter. Aber unterschätzen Sie nicht die Macht der Kollegen: Sie müssen die Vorteile der Veränderung verstehen - das ist entscheidend für den Erfolg. Quelle: dpa
Umfangreiche Aufgaben ganz klein machen Quelle: Fotolia
Ausbeuterischer Arbeitgeber Quelle: Fotolia
Konkurrenzkultur Quelle: Fotolia
Soziale Vereinsamung Quelle: Fotolia
Zu wenig Freizeitaktivität Quelle: dpa
Grenzenlose Arbeit Quelle: dpa

Der Medizin-Nobelpreisträger Thomas Südhof warnt vor zu viel Stress durch Smartphones und Überstunden. „Es wundert mich nicht, dass viele Menschen an Burnout erkranken, wenn man sich anschaut, wie wir heute leben“, sagte der 59-jährige Hirnforscher von der Universität Stanford in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Ein Grund seien die vielen Smartphones: „Wir sind nie mehr unerreichbar, nie außer Dienst. Per Mail stehen wir quasi minütlich im Kontakt zu unserer Arbeit. Das kann auf Dauer nicht gut sein.“ Das führe häufig zu chronischem Stress, der den Menschen und sein Gehirn verändere.

Eine erfolgreiche Therapie kenne er nicht, sagt der gebürtige Göttinger, es erscheine aber am sinnvollsten, den Lebensstil zu ändern. „Immer hängen wir an den Smartphones, haben sie überall dabei. Schauen sie, meins steckt hier in der Brusttasche, obwohl ich es doch heute auf dem Kongress hier gar nicht brauche.“ Er rät zu gezielten Auszeiten. „Das sagt uns unser gesunder Menschenverstand.“ Alles, was den Geist ablenke, helfe. „Das kann Sport sein, Yoga, ein gutes Buch oder Musik.“ Eltern empfiehlt der siebenfache Vater, den Medienkonsum ihrer Kinder zu überwachen: „Eine zeitliche Begrenzung ist notwendig.“

Das gelte für alle Medien. „Multimediale Berieselung, ob am Fernseher, iPad oder iPhone, ist keine Abkoppelung vom Alltag, sondern eine schlechte Gewohnheit. Zu lange zu arbeiten ist übrigens eine andere“, betont Südhof. In seinem Labor in Stanford habe er 40 Mitarbeiter. „Die leben zum Teil im Labor. Die muss ich stoppen, regelrecht nach Hause schicken. Wenn man acht Stunden oder zehn produktiv gearbeitet hat, ist die elfte nicht mehr produktiv.“ Dann leide die Qualität.

Eine überbordende Arbeitsmenge sei ein Risikofaktor für Burnout, es gebe aber weitere wie wenig Anerkennung, ein Mangel an Teamgefühl und Existenzängste. „Aber im Gehirn muss zusätzlich etwas schieflaufen, so dass der Mensch mit den Belastungen nicht mehr umgehen kann.“

Südhof untersucht, wie Hirnzellen untereinander kommunizieren und was etwa bei einem Burnout geschieht. Der Anruf des Nobelkomitees erreichte ihn 2013 auf der Autofahrt zu einem Kongress - offensichtlich über ein Handy. Er versichert jedoch: „Ich selbst schalte um 20 Uhr alle elektronischen Geräte aus und erst nach dem Frühstück wieder an.“

In welchen Firmen Burnout oft auftritt
K+S Quelle: dpa
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Daimler & BMW Quelle: dapd
Bayer, RWE und SAPSehr nah beieinander liegen auch die Zahlen von Bayer, RWE und SAP. Beim Pharmakonzern aus Leverkusen erkranken bis zu 2000 Mitarbeiter pro Jahr, das sind 5,6 Prozent der 35.800 Beschäftigten. Beim Energielieferanten RWE sind pro Jahr bis zu 2400 der 41.632 Mitarbeiter betroffen. Das sind knapp 5,8 Prozent, also fast jeder 17. Im Hause SAP fallen zwischen 700 und 1000 Angestellte dem Stress zum Opfer. Das entspricht im schlimmsten Falle jedem 16. der 16 011 Angestellten. Quelle: dpa
Commerzbank, Metro, Deutsche Telekom und InfineonErhöhte Belastung in Sachen Stress auch bei der Commerzbank. Jedes Jahr erkranken hier zwischen 2300 und 3200 Mitarbeiter von 44.474 Mitarbeitern, etwa 7,2 Prozent der Belegschaft. Fast das gleiche Risiko gilt auch für Mitarbeiter bei Metro. Das Handelsunternehmen vermeldet bis zu 6 600 Burnout-Fälle bei 91.189. Auch hier erkrankt annähernd jeder 14. Bei der Telekom sind es zwischen 3800 und 8 900 Erkrankungen im Jahr. Bei einer Belegschaft von 121 564 Arbeitnehmern entspricht das gut 7,3 Prozent. Beim Chiphersteller Infineon ergab die Schätzung, dass höchstens 600 der 7.926 jährlich unter einem Burnout leiden. Quelle: dpa
Deutsche BankDer Finanzsektor scheint nicht so oft betroffen, wie man zunächst denkt. Für die Deutsche Bank ermittelten die Experten, dass im Jahr bei etwa 1900 von insgesamt 24.801 Mitarbeitern (ohne Postbank und Sal. Oppenheim) ein Burnout diagnostiziert wurde. Es erkrankt demnach jeder 13. Angestellte. Quelle: dapd
Siemens Quelle: dapd

Auch bereits jeder vierte junge Mensch im Alter von 8 bis 14 Jahren fühlt sich durch die häufigen Handy-Nachrichten über WhatsApp und andere Dienste gestresst. Jeder zweite lässt sich vom Smartphone ablenken, etwa bei den Hausaufgaben. Das ergab eine repräsentative Studie im Auftrag der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen unter 500 Kindern und Jugendlichen. Andererseits sind diese schnell von ihren Gruppen ausgeschlossen, wenn sie kein Smartphone haben.

Die Polizei Düsseldorf und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat warnten kürzlich vor Handys am Steuer: 14 Meter fahre ein Auto bei Tempo 50 pro Sekunde - das entspricht einem kurzen Blick auf das Smartphone.

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