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Cebit-Auftakt Wer baut die Fabrik 4.0?

Telekom contra Vodafone - die beiden Konzerne liefern sich traditionell ein Fernduell um die Marktführerschaft bei Großkunden. Ein großes Thema beim Kräftemessen auf der Cebit: die Digitalisierung der Industrie.

Die Digitalisierung der Industrie ist eines der großen Themen auf der weltweit größten Computermesse CeBIT in Hannover. Quelle: dpa

Reinhard Clemens ist der Topmanager bei der Deutschen Telekom, der sich um die deutsche Wirtschaft kümmert. Die Vernetzung und Digitalisierung von Unternehmen und kompletten Branchen - das hat sich der Chef der IT-Sparte T-Systems auf die Fahnen geschrieben. Seit Jahren präsentiert Clemens am ersten Cebit-Tag all die Ideen seiner Produktentwickler, die den Kunden den Einstieg in die virtuelle Welt leichter machen. Doch den Durchbruch schaffte T-Systems damit nicht. Das Großkundengeschäft war immer das Sorgenkind im Telekom-Konzern, weil es die Renditeziele in schöner Regelmäßigkeit verfehlt.

Dieses Jahr steht der Cebit-Auftritt der Telekom unter dem Motto "Wirtschaftswunder 4.0". Genau das ist es, was auch T-Systems braucht. Nach all den Strategiewechseln in der vergangenen Jahren ist T-Systems wieder einmal so stark mit sich selbst beschäftigt, dass es nur bedingt der deutschen Industrie beim Bau von vernetzten Autos und der Fabrik 4.0 helfen kann.

Trends zur CeBIT 2015

Dabei ist die Telekom beim Schalten von Anschlüssen mit Abstand Marktführer. 51 Prozent der geschäftlich genutzten Smartphones und Handys nutzen das Mobilfunknetz der Telekom, im Festnetz sind es sogar 64 Prozent der Geschäftskunden. Die Zahlen gab die Telekom auf ihrer jüngsten Analystenkonferenz bekannt. Wenn es um traditionelle Dienstleistungen wie Telefonieren und Datenübertragungen geht, vertrauen sich die meisten Geschäftskunden offenbar gerne dem Telekom-Konzern mit der besten Infrastruktur an - und das ist nach wie vor die Telekom.

Ganz anders sieht es offenbar aus, wenn es um innovative Dienste geht. Der Deutschland-Chef von Vodafone, Jens Schulte-Bockum, reklamierte die Weltmarktführerschaft für das gerade entstehende Internet der Dinge für sein Unternehmen. 20 Millionen Maschinen hätte Vodafone schon vernetzt. Auch in Deutschland sei Vodafone die klare Nummer Eins. Insbesondere die großen deutschen Autobauer, allen voran BMW, VW, Porsche, Audi, Daimler, setzen bei der Machine-to-Machine-Kommunikation, in Europa auf Vodafone. Die Autoindustrie war mal die absolute Domäne der Telekom, in Teilbereichen geht dieser Nimbus gerade verloren.

Ein Grund: Clemens wollte aus T-Systems eine zweite IBM mit deutschen Wurzeln bauen und fokussierte sich deshalb sehr stark auf die Big Deals, bei der Großunternehmen den Betrieb all ihrer IT-Systeme an T-Systems auslagern. 58 Prozent ihrer Umsätze erwirtschaftet T-Systems mit solchen IT-Aufträgen. Das Brot- und Buttergeschäft mit netznahen Kommunikationsdiensten insbesondere im Mobilfunk verlor dabei so stark an Bedeutung, dass es nur noch 42 Prozent des Umsatzes beisteuert.

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Den Angriff von Vodafone im Internet der Dinge soll bei T-Systems auch der neue Vertriebschef Patrick Molck-Ude abwehren. Seine erste Aufgabe: Eine europaweite Kommunikationsplattform für Unternehmenskunden aufbauen. Insbesondere in Westeuropa sucht T-Systems derzeit nach Kooperationspartnern, die die in den vergangenen Jahren entstandenen Lücken wieder schließen. Insbesondere unter den Ex-Monopolisten wirbt T-Systems-Chef Clemens für einen noch engeren Schulterschluss im Festnetz und Mobilfunk. Für das Wirtschaftswunder 4.0 muss die Telekom noch echte Kärrnerarbeit leisten: "Standards schaffen, Plattformen bauen und Konsortien gründen", sagte Clemens. Das sei derzeit seine wichtigste Aufgabe, damit die Übertragung von Maschinendaten in Echtzeit quer durch alle Industriezweige funktioniert.

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