Cebit-Eröffnung Die Digitalisierung ist in Deutschland angekommen

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht bei der Eröffnung der weltgrößten IT-Messe durch die digitale Transformation zunehmend Gemeinsamkeiten zwischen Cebit und Hannover Messe – eine Botschaft, die der Veranstalter Deutsche Messe AG nicht so gerne hört.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht während der Eröffnung der weltweit größten Computermesse CeBIT Quelle: dpa

Die umfassende Digitalisierung der Gesellschaft – sie ist endlich auch in Deutschland angekommen, so der Tenor bei der Eröffnung der weltgrößten IT-Messe Cebit am Sonntagabend. Wenig verwunderlich, schließlich hat der Cebit-Veranstalter Deutsche Messe AG mit „d!conomy“, einer Kunstschöpfung aus „digital“ und „economy“, dem Thema gleich auch noch einen prägnanten Begriff verpasst. „Das Ausrufezeichen ist eine klare und deutliche Ansage, wie sich Wirtschaft digital weiterentwickeln wird“, griff Bundeskanzlerin Angela Merkel die Steilvorlage in ihrer Rede vor den gut 2500 geladenen Gästen im Kongress-Centrum von Hannover auf.

Trends zur CeBIT 2015

Um zu verdeutlichen, dass inzwischen auch die gesamte Bundesregierung die Bedeutung der digitalen Transformation erkannt habe, wiederholte die Kanzlerin den selbstverschriebenen Maßnahmenkatalog der großen Koalition – vom flächendeckenden Breitbandausbau über Rahmenbedingungen beim Datenschutz bis hin zur Förderung von Start-ups. Die gebe es nicht nur in Berlin, sondern in vielen größeren Städten Deutschlands.

„Für Start-ups ist Zugang zu Wagniskapital entscheidend“, so Merkel. Aus diesem Grund habe die Regierung bereits Investitionen von Business Angel von der Steuer freigestellt; an einer weiteren steuerlichen Entlastung von jungen Unternehmen arbeiteten Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Finanzminister Wolfgang Schäuble bereits.

Zuvor hatte Dietmar Kempf, Präsident des ITK-Branchenverbandes Bitkom, die Bedeutung der Digitalisierung auf die gesamte Wirtschaft in Deutschland hervorgehoben – angefangen beim Handwerkerbetrieb um die Ecke bis hin zum internationalen Großkonzern: „In der Wirtschaft wird kein Stein auf dem anderen bleiben“, so Kempf. Angst und Bange machen wollte der Bitkom-Chef im vierten und letzten Jahr an der Spitze des Herstellerverbandes aber nicht, ganz im Gegenteil: „Wir wollen mit zu den Gewinnern der d!conomy gehören“, so der 62-Jährige kämpferisch. „Wieso soll das Deutschland als Exportweltmeister nicht gelingen?“

Wie schnell und dramatisch der Wandel auch und gerade für junge, vermeintlich innovative Internet-Unternehmen ist, machte Jack Ma als Industrievertreter aus dem diesjährigen Cebit-Partnerland China deutlich. Ma ist Gründer und Chef des chinesischen Online-Handels-Konzerns Alibaba, der im vergangenen Herbst den größten Börsengang aller Zeiten hingelegt hat. Trotzdem mahnte der 51-Jährige: „Die meisten Internet-Konzerne leben nur drei Jahre wirklich gesund“, so Ma. Daher müssten die Internet-Firmen ihrerseits nach dem „fehlenden Kettenglied“ suchen, nämlich der Zusammenarbeit mit klassischen Beton-Unternehmen. „Das ist dann die wahre d!conomy.“

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Kanzlerin Merkel war es später, die ebenjene Vernetzung von alter und neuer Wirtschaft wieder aufgriff. „Mir ist vom Veranstalter gesagt worden, ich soll nicht schon wieder sagen, dass Cebit & Hannover Messe enger zusammenarbeiten sollen“, frotzelte die 60-Jährige unter dem Gelächter des Publikums – und steckte weiter den Finger in eine recht offensichtliche Wunde: „Aber die Anwesenheit vieler Vertreter aus der klassischen Industrie zeigt, wie sehr die Wirtschaftszweige zusammenwachsen.“

In der Tat: Weil die Besucherzahlen der Cebit seit Jahren rückläufig sind und die Industriegüterschau Hannover Messe die Digitalisierungsthemen zunehmend selber spielen muss, wächst der Druck auf den Veranstalter Deutsche Messe  – bis hin zur Radikalforderung, nämlich die Cebit wieder bei der Hannover Messe anzuflanschen. Aus der war sie im Jahr 1986 als eigenständige Veranstaltung ausgegliedert worden.

Sollte der Abwärtstrend der Cebit bei den Besucherzahlen anhalten, könnte jener Schritt tatsächlich wieder auf die Tagesordnung kommen.

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