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CeBIT-Schwerpunkt Alle ans Netz: Deutschland im Breitband-Fieber

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Eine Arbeiter verlegt Quelle: AP

Mit ihrer millionenschweren Initiative wollen die Politiker auch die Wiederauferstehung der zuletzt schwächelnden deutschen IT- und Kommunikationsindustrie einleiten. Das Geld soll helfen, drei Ziele zu erreichen:

Bis Ende 2010 sollen alle nicht versorgten ländlichen Regionen in Deutschland leistungsfähige Breitband-Internet-Anschlüsse bekommen mit einer Geschwindigkeit von mindestens einem Megabit pro Sekunde. Das ist 15-mal schneller als eine ISDN-Verbindung.Bis 2014 sollen 75 Prozent der deutschen Haushalte mit einem superschnellen Breitbandanschluss versorgt werden, der Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde ermöglicht. Heute sind erst 20 Prozent der Haushalte damit versorgt.Zudem sollen laufende IT-Großprojekte wie die Gesundheitskarte schneller auf den Weg gebracht werden und letzte Hindernisse bei der Vernetzung des Wirtschaftslebens aus dem Weg geräumt werden.

Die Investitions-Offensive könnte die Lösung für das letzte große Infrastrukturproblem Deutschlands sein. Mit Strom, Wasser und Telefon sind Haushalte und Unternehmen längst versorgt. Nur beim schnellen Internet klafft noch eine riesige Lücke. Ganze Landstriche sind nicht ans schnelle Internet angeschlossen, sind digitale Diaspora.

Noch immer kann rund ein Zehntel der 39 Millionen deutschen Haushalte bestenfalls mit einer Geschwindigkeit von einem Megabit pro Sekunde ins Internet gehen. Für multimediale Anwendungen wie etwa interaktives Fernsehen ist das zu wenig.

Nur in Großstädten bieten die Deutsche Telekom, Regionalanbieter wie Netcologne in Köln und M-Net in München sowie einige TV-Kabelnetzbetreiber Spitzengeschwindigkeit von über 30 Megabit pro Sekunde an. Das hat gravierende wirtschaftliche Folgen: Wenn es in einer Region keine dicke Datenleitung gibt, siedeln sich die Unternehmen anderswo an.

Schnellere Netze für mehr Kunden

„Für Gewerbegebiete sind DSL-Anschlüsse mit fünf bis sechs Megabit pro Sekunde zu langsam“, sagt Alf Henryk Wulf, Deutschland-Chef beim Netzausrüster Alcatel-Lucent. Wer etwa Videokonferenzen effizient nutzen will, braucht Bandbreiten im zweistelligen Megabit-Bereich, das ist etwa 150-mal schneller als ein einfacher ISDN-Anschluss.

Mit schnelleren Netzen würden zudem völlig neue Anwendungen und Dienstleistungen möglich. Neue 3D Spiele könnten sich schneller verbreiten, ständig erreichbare Internet-Videotheken einen Durchbruch erleben und simultane Gruppenarbeitslösungen massenhaft im Arbeitsalltag eingesetzt werden. Das könnte zu einem Boom bei Telearbeit führen.

Experten sind sich einig: Eine IT-Infrastruktur mit Glasfasernetzen schafft Wachstum und Arbeitsplätze. Denn die Glasfaser ist das einzige Übertragungsmedium ohne Engpässe und Geschwindigkeitsbegrenzung. Wäre jeder Haushalt an das Netz der Zukunft angeschlossen, könnte die Wertschöpfung der deutschen Wirtschaft um jährlich 2,8 Prozent zulegen, auf rund 50 Milliarden Euro im Jahr 2020. Das ergab eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey zur IT-Industrie.

Für die Wirtschaft hat der digitale Masterplan – sowohl die runderneuerte Breitbandinfrastruktur als auch die direkten IT-Investitionen – daher zentrale Bedeutung. Bisher rangiert Deutschland mit IT-Ausgaben von rund zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts hinter anderen führenden Wirtschaftsnationen; die USA etwa wenden mehr als vier Prozent für IT auf.

Dabei zählte längst nicht nur die Telekommunikationsbranche zu den Profiteuren der millionenschweren IT-Projekte. Marcus Eul, Partner bei A.T. Kearneyund Co-Autor der Studie „IT-Industrie 2020“, etwa betont, dass IT-Investitionen nicht nur neue, meist hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen, sondern für ein Plus an Wohlstand sorgen, weil sie zusätzliches Wachstum in anderen Branchen stimulieren.

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