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CeBIT-Schwerpunkt Alle ans Netz: Deutschland im Breitband-Fieber

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Zu den besonders wachstumsstarken IT-Sektoren zählt Eul unter anderem die sogenannten Embedded Systems – IT-Komponenten, die in andere Produkte wie etwa Automobile oder Industrieanlagen integriert sind –, sowie Softwaresysteme. Beide Sektoren sollen bis 2020 um 8,5 beziehungsweise 6,2 Prozent pro Jahr wachsen – und dabei als Nachbrenner für die Gesamtwirtschaft fungieren. „Eine Abwrackprämie für Software wäre volkswirtschaftlich sinnvoller als eine für Autos“, sagt Eul.

Die flächendeckende Versorgung der deutschen Haushalte mit superschnellen Internet-Anschlüssen, wie ihn die Regierung plant, wird Milliarden kosten. Das 150-Millionen-Euro teure Maßnahmenpaket der Regierung reicht dafür nicht aus – die Hauptlast müssten die Netzbetreiber schultern. Rund 50 Milliarden Euro würde alleine der flächendeckende Ausbau von superschnellen Glasfaserverbindungen bis in die Haushalte verschlingen, ergaben Berechnungen der Deutschen Telekom.

Ein gigantisches Vorhaben: Im ganzen Land müssten 1,5 Millionen Kilometer Kupferkabel durch Glasfaser ersetzt werden. Pro Haushalt würde das in den Ballungszentren 1000 bis 2000 Euro kosten. Auf dem Land kann sich diese Summe sogar verdoppeln. Experten bezweifeln, dass sich solche Milliardeninvestition für die Netzbetreiber jemals auszahlen. Zu den Zweiflern gehört der Regierungsberater Karl-Heinz Neumann, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK). Nach seinen Berechnungen können Glasfaseranschlüsse lediglich für 25 Prozent aller Haushalte – etwa zwölf Millionen Wohnungen – profitabel gebaut werden. Und selbst das lohne sich nur für Betreiber mit „hohen Marktanteilen, in der Regel bei 50 Prozent und mehr“, sagt Neumann.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sucht deshalb unkonventionelle Methoden, um die Netzbetreiber zu entlasten. Vor allem bei den aufwendigen Tiefbauarbeiten, die 70 Prozent der Gesamtinvestition ausmachen, will der Bund den Telekomanbietern helfen:

Wie der Bund beim Ausbau helfen will

Ein regelmäßig aktualisierter Infrastruktur-Atlas soll eine exakte Übersicht über alle bereits existierenden Glasfaser-, TV-Kabel- und Leerrohrstrecken liefern und so unnötige Doppelinvestitionen vermeiden.Bei allen Tiefbaumaßnahmen im Straßenbau oder bei der Sanierung von maroden Wasserrohren sollen künftig Leerrohre für Glasfaserleitungen mitverlegt werden. Spätestens in fünf Jahren sollte jede Straße einmal aufgerissen und der teuerste Teil des Breitbandausbaus so erledigt sein.Eine noch zu entwickelnde Norm für die leeren Rohre soll garantieren, dass die von unterschiedlichen Bauträgern vergrabenen Leitungen auch zusammenpassen.

Die neue Infrastruktur wird auch die Art revolutionieren, wie Unternehmen Software nutzen. Davon werde vor allem der Mittelstand profitieren, sagt Volker Merk, Deutschland-Chef von SAP. Deutschlands größtes Softwarehaus will seine Programme künftig verstärkt als Dienstleistung zur Miete anbieten.

Dabei muss Software, etwa zur Steuerung komplexer Unternehmensabläufe, nicht mehr auf den Rechnern der Kunden installiert werden. Stattdessen betreibt ein Dienstleister die Anwendungen auf einem eigenen Server. Die Kunden greifen darauf per Internet zu und bezahlen eine monatliche Gebühr pro Arbeitsplatz; je nach Art der Software zwischen 50 und 200 Euro. „Für derartige Angebote ist eine Breitbandinfrastruktur Voraussetzung“, sagt Merk.

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