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Cebit-Umbau So könnte die neue Cebit aussehen

Die Deutsche Messe baut die Computerschau Cebit um. Ab 2018 rutscht die Messe vom März in den Juni und soll als Event und Festival neu geboren werden – analog zum SXSW in Austin/Texas.

Menschen beim South by Southwest (SXSW) Music Film Interactive Festival 2017 in Austin, Texas Quelle: REUTERS

Es war mehr ein Halbsatz als eine Ankündigung, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntagabend in ihre Rede zur Eröffnung der Computermesse Cebit eingeflochten hat. Sie sei keine Freundin einer Zusammenlegung der Computerschau mit der Hannover Messe Industrie. „Deutschland braucht die Cebit als Anker und Ideengeber der Digitalisierung“, warb Merkel für Europas noch immer wichtigste IT-Messe und fügte hinzu: „Ich würde mir wünschen, dass sich die Cebit noch stärker neuen Formaten und Zielgruppen öffnet.“

Seit heute ist klar, dass das weit mehr war als aktive Wirtschaftspolitik für den Standort Hannover. Es war, radikal verkürzt, die Vorwegnahme des Umbauplans, den Messechef Oliver Frese am heutigen dritten Messetag verkündet hat.

Die Cebit 2017 wird die letzte Ausstellung ihrer Art gewesen sein. 31 Jahre nachdem die Messe das vorher integrierte Centrum für Bürokommunikation und Informationstechnik (CeBIT) 1986 erstmals als eigenständige Veranstaltung aus der Hannover Messe Industrie ausgegründet hat, ist in Hannover Schluss mit dem traditionellen Konzept einer Technikschau der Computerwelt.

Die Leckerbissen der Cebit
Eröffnungsfeier mit der KanzlerinAuf der ersten Cebit-Messe 1994 in Hannover hat Microsoft-Gründer Bill Gates sein PC-Betriebssystem Windows 95 angekündigt. 23 Jahre später allerdings sucht man auf der weltgrößten Messe für Informationstechnik vergeblich nach sperrigen Tower-Rechnern und Laptops. Stattdessen präsentieren die Aussteller in diesem Jahr vom 20. bis zum 24. März vor allem Roboter, Drohnen und selbstfahrende Autos. Die Eröffnungsrede hielt Kanzlerin Angela Merkel. Quelle: dpa
Drohnenpark von IntelDer Wandel zeigt sich auch bei Intel: Ist der Konzern den meisten Menschen noch als Chiphersteller für PCs ein Begriff, präsentiert er sich in Hannover diesmal mit einem eigenen Drohnenpark. Mit intelligenten Sensoren sollen die Geräte auch ohne menschliche Steuerung navigieren können und so zum Beispiel für Wartungsarbeiten eingesetzt werden. Sogar die Kanzlerin und ihr japanischer Kollege Shinzo Abe (l.) staunen. Dem Thema widmen sich viele Aussteller: Insgesamt 30 Firmen präsentieren in Halle 17 eigenen Drohnentechnologien. Quelle: REUTERS
Sushi-RoboterDas zweite große Thema der Messe: Roboter – wie dieser auf dem Stand von Tensor Flow. Behutsam legt er Sushi-Teile von einem Laufband auf Teller. Die Aussteller auf der Cebit sind dafür bekannt, nicht nur neue Technologien, sondern auch gleich praktische Anwendungsmöglichkeiten mit zu präsentieren. Japan, Vorreiter in Sachen Digitalisierung, ist in diesem Jahr das Gastland der Messe. Quelle: dpa
Humanoider Roboter „Pepper“Auch der humanoide Roboter „Pepper“ von Aldebaran und Soft Bank ist auf dem Messegelände zu sehen. Der Roboter soll Menschen und deren Gestik und Mimik erkennen können – und so beispielsweise in Verkaufsräumen, an Empfangstischen oder im Sozialbereich Anwendung finden. Quelle: dpa
Die Roboter-Technik wird dabei immer filigraner. Dieses Modell, das im „Robotics Innovation Center“ auf dem Messegelände zu besichtigen ist, kann menschliche Handbewegungen detailgetreu nachahmen – bis zum Bewegen der Fingerkuppen. Quelle: REUTERS
Vernetzter FlughafenDer Software-Riese SAP hat sich dagegen Gedanken um einen gesamten Mikrokosmos gemacht: den vernetzten Flughafen. Unter dem Arbeitstitel „Live Airport“ zeigen die Walldorfer ihre Vision eines Echtzeit-Flughafens. Mithilfe von unzähligen Datenströmen soll Flughafen-Management künftig ohne jede Verzögerung funktionieren. Eingebettet ist das Projekt in das Konzept „Run Live“, mit dem sich auch andere Branchen in Echtzeit managen lassen sollen. Quelle: dpa
Selbstfahrender „Olli“Auch andere Firmen greifen den Themenkomplex Verkehr und Transport auf der Cebit auf – und zwar vor allem solche, die bisher eher weniger Erfahrung auf der Straße gesammelt haben. So präsentiert der Tech-Konzern IBM ein selbstfahrendes Fahrzeug, das offenbar für den öffentlichen Verkehr konzipiert ist. Quelle: REUTERS

Frese verschiebt die Cebit 2018 nicht nur vom Spätwinter in den Frühsommer. Vom 11. bis 15. Juni 2018 soll die Tech-Schau als Event und Festival unterm Hermesturm wiedergeboren werden.

„Die Freiflächen unter dem Expo-Holzdach werden zum großen Digital-Campus“, kündigte Frese an, „wo wir Technologie emotionaler inszenieren und eine coole Atmosphäre schaffen wollen“. Mit dem Megatrend der Digitalisierung und der damit verbundenen Disruption des Wirtschaftens und der Geschäftsmodelle müsse sich nun auch die Messe selbst „spürbar verändern“.

„Wir bringen Austin in den Sommer“

Die Anleihen die Frese, der das Konzept seit Mitte vergangenen Jahres in verschiedenen Etappen mit Industrievertretern entwickelt hatte, mit seinen Plänen nimmt, sind offensichtlich. „Wir bringen Austin in den Sommer“, sagt eine Industrievertreterin, die in den Prozess involviert war, und meint das Tech-Festival SXSW in Austin/Texas, das sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Impulsgeber und Szeneevent für die Digitalbranche entwickelt hat. Das Kürzel steht dabei für den Ursprungsnamen der US-Veranstaltung: South by Southwest.

Geht es nach den Vorstellung der Hannoverschen Messemacher, soll die Cebit also, um eine geographische Parallele zu ziehen, so etwas werden wie die North by Northeast der europäischen IT-Szene – und vielleicht auch etwas mehr. Das traditionelle Messegeschäft soll (wie auch immer in das Event eingebettet) unter dem inzwischen wiederholt genutzten Claim d!conomy weiterleben. Daneben treten – rund um den zentralen d!campus – weitere Formate: das New-Tech-Festival d!tec, und das Konferenzformat d!talk.

Zugleich vollzieht die Messe einen erneuten Schwenk bei den Zielgruppen. Nachdem Frese in den vergangenen Jahren stets das hohe Lied der Business-Messe gesungen und die professionellen Besuche als alleinrelevante Kenngröße für den Erfolg der Messe gepriesen hatte, soll in Zukunft erneut alles ganz anders werden. 2018 werde es nicht nur am vierten Tag ein „großes Event-Highlight“ geben, sondern zum Abschluss der Schau wieder „einen Besuchertag, an dem Teile der neuen Cebit und des d!campus für den allgemeinen Besucherverkehr geöffnet werden.“

Ob die Rückkehr der „Beutelratten“, wie die privaten Sticker- und Andenkensammler wegen ihrer großen Umhängetaschen in der Vergangenheit despektierlich genannt wurden, tatsächlich eine Trendwende für die seit Jahren schrumpfende Computerschau ermöglichen, bleibt abzuwarten. Klar aber ist, dass ein simples „Weiter so“ als Zukunftskonzept für die Messe keine Option mehr war. „Die Cebit braucht genau jetzt ein starkes, inhaltliches Zeichen“, sagte Heiko Meyer, Deutschlandchef des Computerherstellers Hewlett Packard Enterprise und zugleich Vorsitzender des einflussreichen Cebit-Messeausschusses. „Und mit dem neuen Konzept schaffen wir genau das.“ Unbestritten.


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