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Cloud Computing Die Partnerschaft zwischen Google und der Deutschen Bank hat Signalwirkung

Die Deutsche Bank will sich mit Google verbünden, um seine IT zu modernisieren. Quelle: REUTERS

Google kann sich durch den Deal mit der Deutschen Bank erstmals nennenswert gegen seine wichtigsten Cloud-Rivalen Amazon und Microsoft behaupten. Überzeugt die Partnerschaft auch andere datensensible Firmen aus Deutschland?

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Diese Nachricht lässt aufhorchen: Die Deutsche Bank und Google wollen eine mehrjährige strategische Partnerschaft in Sachen IT eingehen. Die Banker wollen dabei unter anderem die Cloud-Dienste des US-Konzerns nutzen. Außerdem planen beide Unternehmen, gemeinsam technologiebasierte Produkte für die Finanzwirtschaft zu entwickeln.

Der Deal ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Bisher dominieren vor allem zwei Unternehmen den noch jungen Cloud-Markt. Nach Zahlen des amerikanischen Marktforschers Canalys von Februar 2020 setzt jedes dritte Unternehmen weltweit, das Cloud-Dienste nutzt, auf Amazon Web Services (AWS), die Tochter des vor allem für seinen Onlinehandel bekannten Konzerns. Fast jedes fünfte Unternehmen nutzt Microsoft. Google Cloud folgt abgeschlagen auf dem dritten Rang mit nur sechs Prozent.

AWS erlöste im vergangenen Jahr weltweit 35 Milliarden Dollar – und wächst ebenso wie Microsoft seit Jahren mit zweistelligen Raten. Im Vergleich dazu lief das Cloud-Geschäft von Google bisher relativ unter dem Radar – auch und gerade in Deutschland.

Hierzulande machten in der Vergangenheit vor allem die Google-Rivalen von sich reden. Etwa im vergangenen Jahr, als Volkswagen gleich mit beiden Anbietern große Partnerschaften verkündete: Mit Microsoft bauen die Wolfsburger eine Auto-Cloud für digitale Mehrwertdienste; mit AWS hingegen will VW seine weltweit 122 Fabriken in einer Industrial Cloud vernetzen.

Auf Augenhöhe mit den Marktführern

Der Deal mit der Deutschen Bank bedeutet für Google daher zweierlei: Zum einen bekommen die Amerikaner mit dem Großauftrag einen sichtbaren Fuß in die Tür des für sie bisher vergleichsweise verschlossenen deutschen Marktes. Zum anderen beweist Google damit, dass sie im Cloud Computing durchaus auf Augenhöhe mit den US-Rivalen AWS und Microsoft agieren können. Schon seit einiger Zeit bemüht sich Google um Kunden in dieser Branche, konnte bislang aber nur die HSBC gewinnen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet.

Die über zehn Jahre laufende Partnerschaft zwischen Google und der Deutschen Bank ist aber noch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Viele Unternehmen – gerade in Deutschland – treibt die Sorge um, bei der Nutzung eines amerikanischen Cloud-Anbieters die Hoheit über die eigenen Daten zu verlieren. Google betreibt sieben Rechenzentren in Europa, eines davon in Deutschland. Auf welchem nun die Daten für die Deutsche Bank verarbeitet werden, ist nicht bekannt. Doch der sogenannte Cloud-Act erlaubt es US-Behörden, im Verdachtsfall sogar auf im Ausland gespeicherte Daten von Amazon, Microsoft oder Google zuzugreifen.

Besonders strenge Regeln

Dass dies bereits geschehen ist, wurde zwar noch nicht bekannt. Microsoft hatte in einem jahrelangen Streit vor dem amerikanischen Supreme Court versucht, den Zugriff der US-Regierung zumindest auf jene Daten zu verhindern, die auf Servern außerhalb der USA liegen. Vergeblich. Damit bleibt bei vielen Unternehmen eine gewisse Unsicherheit.

Und nun greift mit der Deutschen Bank ausgerechnet ein deutsches Unternehmen aus der besonders regulierten Finanzbranche auf einen US-Anbieter wie Google zurück. Dabei sind hier die Vorschriften für die Datenhaltung auf deutschen Servern mit am strengsten. Und die Kunden wohl so sensibel wie in kaum einer anderen Branche: Wer will schon, dass seine Informationen zur Kreditkarte oder der Altersvorsorge in die falschen Hände geraten? Dass genau dies nicht passiert, davon hat Google die Deutsche Bank offenbar überzeugt. Die Partnerschaft könnte also Signalwirkung für die Cloud-Branche insgesamt haben – nach dem Motto: Wenn die Deutschbanker den Amis vertrauen, können Industrieunternehmen und Händler das auch.

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Wenn Unternehmen Cloud-Dienste nutzen, greifen sie meist auf das Angebot von US-Riesen wie Amazon und Microsoft zurück. Nun wollen ihnen ein paar deutsche Mittelständler das Geschäft streitig machen – mit dem Heimatargument. Lesen Sie die Geschichte hier.

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