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Cloudflare-AusfallWenn das Netz stolpert, gerät die Welt ins Wanken

Die digitale Welt stützt sich auf eine kleine Handvoll Infrastruktur-Giganten. Der nächste, schwere Crash ist nur eine Frage der Zeit. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Kuhn 05.12.2025 - 11:06 Uhr aktualisiert
Eine Cloudflare-Störung legte am Freitag erneut Millionen Websites und Onlinedienste lahm. Foto: Eric Risberg/AP/dpa

Am Freitagvormittag war für Millionen Menschen plötzlich eine große Delle in der schönen Online-Welt. Cloudflare, ein Dienstleister, der essenziell für die Erreichbarkeit und das Tempo unzähliger Websites sorgt, fiel mehrere Minuten aus. Schon wieder. Denn erst Mitte November kollabierte der Dienst für mehr als fünf Stunden. Die Folge: Plattformen wie ChatGPT, X, Discord, PayPal und tausende weitere Websites waren nicht erreichbar. Schätzungen zufolge waren bei dem Vorfall im vorigen Monat über 20 Millionen Online-Adressen, sogenannte Domains, betroffen, darunter auch kritische Dienste für Zahlungsabwicklung und Kommunikation.

Für viele Unternehmen bedeutete das: kein Umsatz, keine Kundenkontakte – ein digitaler Blackout mit schlagartiger Wirkung.

Cloudflare war nicht etwa eine unglückliche Einzelpanne, sondern reihte sich ein in eine Kette schwerer Störfälle im Netz: Am 20. Oktober legte ein Ausfall bei Amazon Web Services (AWS) das Rückgrat zahlloser Online-Dienste für fast 15 Stunden mehr oder weniger lahm. Streaming-Plattformen, E-Commerce-Riesen und Unternehmenssoftware waren offline. Laut Branchenanalysten kostete die Störung die Wirtschaft mehr als 160 Millionen US-Dollar pro Stunde, weil Bestellungen nicht verarbeitet und Cloud-Anwendungen nicht genutzt werden konnten.

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Nur neun Tage später folgte der nächste Schlag: Microsoft Azure und damit auch Microsoft-365-Dienste, Authentifizierungsportale und Gaming-Netzwerke wie Xbox gingen weltweit für teils mehr als sechs Stunden offline. Fluggesellschaften, Einzelhändler und große Marken meldeten Stillstand – mit geschätzten Schäden im dreistelligen Millionenbereich.

Diese Vorfälle sind mehr als Pannen. Sie sind alarmierende Symptome eines fundamentalen Konstruktionsfehlers der modernen digitalen Netzwirtschaft. Das Internet, einst als robustes Kommunikationsnetz mit dem militärischen Anspruch, selbst Atomschläge zu überstehen, konzipiert, ist heute ein fragiles Gebilde.

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Das Kernproblem: Eine Infrastruktur, deren Zuverlässigkeit für fast alle Aspekte des globalen Wirtschaftens und des vernetzten Alltags von existenzieller Bedeutung ist, hängt von der Verfügbarkeit einer Handvoll von Netzwerkdienstleistern ab. Statt einer gesunden, dezentralen Redundanz herrscht extreme Konzentration.

Nur wenige Anbieter – darunter Dienste wie Cloudflare, AWS, Azure, Akamai oder Fastly – kontrollieren die digitalen Schlagadern der Weltwirtschaft. Ein technischer Fehler, ein gezielter Cyberangriff oder politisch motivierte Sabotage – und das globale Nervensystem droht zu kollabieren. Die Frage ist nicht mehr, ob ein großflächiger, lang anhaltender Ausfall Realität wird. Sondern nur: wann.

Auch wenn Internet-Nostalgiker wie der www-Pionier Tim Berners-Lee es sich wünschen mögen – zum „resilienten, aber langsamen“ Internet der frühen Jahre führt kein Weg zurück. Die Konsequenz muss daher lauten: Vorsorge statt Vertrauen.

Unternehmen müssen betriebssensible Daten cloudunabhängig sichern, redundante Netzverbindungen über verschiedene Anbieter aufbauen und kritische Produktionsmittel und Ersatzteile physisch lagern. Denn mit einem schweren Internet-Crash würden auch die elektronischen Logistikprozesse aussetzen. Und Verbraucher müssen sich auf Szenarien vorbereiten, in denen Online-Banking, Lieferdienste und digitale Kommunikation tagelang nicht funktionieren.

Wer heute nicht plant, riskiert morgen den unvermittelten Stillstand. Und dass der teuer wird, ist dann wahrscheinlich nicht einmal das größte Problem.

Transparenzhinweis: Dieser Artikel erschien erstmals am 19. November 2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir haben ihn aktualisiert und zeigen ihn aufgrund wiederholter Störungen erneut.

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