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Corona und 5G Sturm der Aluhüte

Corona und 5G: Sturm der Aluhüte Quelle: dpa

Viele Komponenten der neuen 5G-Netze kommen aus China. Aus dem Land also, in dem die ersten Menschen an Covid-19 erkrankten. Das sind die idealen Zutaten für eine Verschwörungstheorie, die vor allem eines gefährden: den technologischen Fortschritt.

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Krisen sind der perfekte Nährboden für Verschwörungstheorien. Denn in Momenten, in denen Menschen nach den Gründen für eine Misere suchen, sind einfache Erklärungen umso verlockender. Das ist auch jetzt so. Parallel zum Coronavirus verbreiten sich Verschwörungstheorien. Das jüngste Beispiel: 5G-Mobilfunkmasten verursachen Covid-19, die Krankheit, die hinter dem Coronavirus.

Nachdem es in den vergangenen Tagen mehrere Anschläge auf Funkmasten in Großbritannien gab, hat nun sogar YouTube reagiert und will seinen Beitrag zur Aufklärung leisten: Die Google-Tochter will konspirative Filme, die einen Bezug zwischen der neuen 5G-Mobilfunktechnik und der Verbreitung von Coronaviren herstellen, seltener auf der Videoplattform anzeigen. Dazu sollen sie unter anderem von den YouTube-Algorithmen seltener empfohlen werden, um die Verbreitung einzuschränken, berichtet der „Guardian“. Beiträge, die objektiv falsche Aussagen verbreiten, sollen auch komplett gelöscht werden.

Eine der am häufigsten geteilten Verschwörungstheorien stammt von der deutschsprachigen Onlineplattform connectiv.events, laut Selbstbeschreibung einem Internetportal für „Menschen, die anders denken und offen sind für neue Ideen und Ansätze“. In einem Ende Januar publizierten Beitrag hatte „connectiv“ berichtet, Wuhan sei eine der ersten Pilot-Städte der Welt für 5G, mit „über 30.000 zusätzlichen 5G-Sendemasten“ bestückt und bekanntermaßen hätten die Mobilfunkstrahlen „erheblichen Einfluss auf Organe und Regelmechanismen von Mensch und Tier“. Zunächst hatte der Autor zudem spekuliert, ein durch 5G verursachter Zellabbau könnte die Auswirkungen eines Virus nachgeahmt haben und  die „Exposition gegenüber 5G-Wellen führt zu grippeähnlichen Symptomen“.

Die Aussagen zum Zellabbau und den Grippesymptomen wurden im Ursprungsbeitrag zwar mittlerweile gelöscht. Der Autor, der nach eigener Angaben „nicht an den Coronavirus“ glaubt, schreibt aber weiterhin: „Wenn es tatsächlich Tote in Wuhan gab, waren es evtl. 5G-Opfer? Wird uns dann die Geschichte mit dem Coronavirus als Ablenkung und Vertuschung aufgetischt? Um evtl. die 5G-Industrie und ihre Milliarden an Investitionen weltweit zu schützen?“

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat entsprechende Vermutungen auf dem deutschen Rechercheportal „Correctiv“  inzwischen zurückgewiesen und betont, elektromagnetische Strahlung könne keine solchen Auswirkungen haben. „5G verursacht weder Zellabbau noch grippeähnliche Symptome. 5G kann (wie alle Felder von Mobilfunksendeanlagen, also auch 2G, 3G, 4G) höchstens eine geringfügige, nicht wahrnehmbare Erwärmung verursachen, die sich vor allem auf die Körperoberfläche beschränkt (und die Lunge nicht erreicht).“

5G-Netze ermöglichen die schnelle Übertragung von riesigen Datenmengen – und sind die Voraussetzung für Technologien, die auf kurze Reaktionszeiten angewiesen sind, etwa Telemedizin oder selbstfahrende Autos und vernetzte Fabriken.

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Infolge des 5G-Ausbaus in Deutschland fürchten Kritiker Gesundheitsgefahren, fordern den Ausbaustopp und weitere Studien. Lesen Sie hier, welche Gefahren von 5G ausgehen – und welche nicht.

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