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Cyberangriff auf Autozulieferer Nach Hackerangriff: Eberspächer verhängt ab sofort Kurzarbeit

Der Firmensitz des Zulieferers Eberspächer in Esslingen. Quelle: dpa

Die Cyberattacke auf den Automobilzulieferer Eberspächer hat das Unternehmen offenbar weltweit getroffen und damit schwerer als bisher bekannt. Für den Hauptsitz in Esslingen gilt kurzfristig 100 Prozent Kurzarbeit.

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Der schwere Cyberangriff auf den Automobilzulieferer Eberspächer am Sonntag hat das Unternehmen offenbar schwerer getroffen, als bisher bekannt. Nach Informationen der WirtschaftsWoche aus IT-Sicherheitskreisen sowie dem Unternehmensumfeld sind die Rechnersysteme des Unternehmens weltweit weitgehend lahmgelegt. 

Eberspächer hatte die Attacke am Montag via Twitter bestätigt. Seit dem Wochenende ist der Web-Auftritt stillgelegt; statt der üblichen Inhalte erscheint dort nur der Hinweis auf die Online-Attacke. Auch die Telefonanlage am Hauptsitz in Esslingen ist nicht erreichbar.

Die Auswirkungen auf den Betrieb sind so schwerwiegend, dass das Unternehmen am Dienstag (26.10.) für die Beschäftigten in Esslingen einen Ergänzungstarifvertrag über Kurzarbeit mit der IG Metall ausgehandelt und unterschrieben hat. Das bestätigte Jürgen Groß, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen, der WirtschaftsWoche. Die Regelung ermöglicht es dem Unternehmen, ab dem heutigen Mittwoch zu 100 Prozent in Kurzarbeit zu gehen.

Ein Screenshot der aktuellen Meldung auf der Startseite von eberspaecher.com, die über die Cyberattacke auf das Unternehmen informiert. Quelle: Screenshot

Normalerweise müsse ein Unternehmen Pläne für Kurzarbeit drei Wochen vorher ankündigen, so Groß. Diese Frist habe man herausgenommen, denn man habe „schnell und unbürokratisch“ helfen wollen, so der IG-Metall-Funktionär. Die Tage Montag und Dienstag werden demnach noch vom Unternehmen voll bezahlt. Ab dem heutigen Mittwoch greift die Kurzarbeit. Die Beschäftigten erhalten laut Groß per Tarifvertrag eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 86,5 Prozent.

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Standort erkennen

    Aussagen zu anderen Standorten machte Groß nicht. Auch das Unternehmen selbst gab keine weiteren Stellungnahmen zum Vorfall ab. In Abstimmung mit den Behörden könne man aufgrund der laufenden Ermittlungen zu diesem Zeitpunkt keine weiteren detaillierten Auskünfte geben, teilte Unternehmenssprecherin Anja Kaufer auf Anfrage mit.

    Eberspächer hatte am Montag erklärt, die Ermittlungsbehörden eingeschaltet zu haben. Laut der Staatsanwaltschaft Stuttgart werde wegen des Verdachts der Computersabotage und der versuchten Erpressung ermittelt.

    Während Eberspächer bisher keine Angaben zum Umfang und den konkreten Folgen des Angriffs gemacht hat, heißt es aus IT-Sicherheitskreisen, die Rechnersysteme des Unternehmens seien nicht bloß in Deutschland, sondern global betroffen. Derzeit stehe sowohl die Produktion als auch die Verwaltung des Automobilzulieferers faktisch still.

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    Weltweit hat Eberspächer 80 Standorte in 28 Ländern, beschäftigt knapp 10.000 Mitarbeiter und hat einen Jahresumsatz von knapp fünf Milliarden Euro. Zu den Kunden des Unternehmens gehören fast alle großen Pkw- und Nutzfahrzeughersteller, die Eberspächer unter anderem mit Abgastechnik, Heizungen und Klimasystemen beliefert. 

    IT-Sicherheitsexperten weisen darauf hin, dass Cyberattacken vergleichbaren Ausmaßes Unternehmen oft wochen-, vielfach sogar monatelang lähmen oder mindestens stark einschränken. Sollte das auch bei Eberspächer der Fall sein, könnte das auch die Versorgung der Automobilhersteller mit wichtigen Fahrzeugkomponenten erheblich beeinträchtigen.

    Mehr zum Thema: Der Autozulieferer Eberspächer verlagert derzeit die Heizungsfertigung von Esslingen nach Polen – und hat nun eine Menge Ärger mit gekündigten Beschäftigten: Mehr als die Hälfte der Betroffenen zieht vor Gericht.

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